Bayer 04 Leverkusen hat die Gunst der Stunde genutzt. Als einzige Mannschaft der Top 6 der Bundesliga konnten die "Werkskicker" am 12. Spieltag ihr Spiel gewinnen.

Dank des eindrucksvollen 4:0-Heimsieges gegen Eintracht Frankfurt bleiben die Rheinländer Tabellenführer.

Während Werder Bremen, der Hamburger SV, Schalke 04 und Bayern München wie schon am 11. Spieltag allesamt sieglos blieben, brannte Bayer Leverkusen gegen die Hessen ein fußballerisches Feuerwerk der Extraklasse ab. Damit baute die Truppe von Trainer Jupp Heynckes den Vorsprung auf den Tabellenzweiten auf drei Punkte und vier Tore aus.

Gegen alle Gegner der aktuellen Top 7 gespielt

So deutlich hatte sich in dieser bislang so spannenden Saison noch kein Team absetzen können. Und noch weitere Bestmarken kann Bayer Leverkusen derzeit für sich verbuchen: die meisten Siege, die beste Tordifferenz, die wenigsten Gegentore.

Nicht zu vergessen die Tatsache, dass Leverkusen als einziger Club der Bundesliga noch immer ungeschlagen ist. Das ist umso bemerkenswerter, als die Mannschaft bereits gegen alle Gegner der aktuellen Top 7 gespielt hat. Es fehlt nur noch der Tabellen-Achte. Und das sind die kriselnden Bayern aus München. Beim Rekordmeister muss Bayer am nächsten Spieltag antreten.

"Wir wollen auch in München gewinnen"

Im Moment strotzen die "Werkskicker" vor Selbstvertrauen. Seit Wochen liefern sie konstant disziplinierte Vorstellungen und Topresultate ab. Trotz des Fehlens von hochkarätigen Stammspielern wie zuletzt René Adler, Simon Rolfes, Michal Kadlec, Renato Augusto oder Patrick Helmes behauptet Leverkusen seit dem 8. Spieltag die Tabellenspitze.

"Wir wollen auch in München gewinnen", sagt daher Bayer-Innenverteidiger Manuel Friedrich. "Die Bayern sind im Moment alles andere als selbstbewusst und haben ihre Probleme. Das gilt es auszunutzen." Doch Bayers Bilanz in München ist ausgesprochen schlecht. Seit fast 20 Jahren hat Leverkusen in 19 Spielen nicht mehr an der Isar gewonnen, in den letzten 15 Spielen gab es sogar 14 Niederlagen.

"Können in München bestehen"

Oft waren in der Vergangenheit Pleiten in München sogar so etwas wie der "Knackpunkt" der Saison. "Das Bayern-Spiel wird diesmal kein Knackpunkt-Spiel", ist sich Gonzalo Castro sicher. "Wir sind gut gewachsen, man merkt, dass die Mannschaft wieder ein Jahr mehr Erfahrung hat, reifer ist. Sami Hyppiä ist dazu gekommen. Ich glaube, dass wir in München bestehen können."

Einer, der beide Clubs bestens kennt und daher gut miteinander vergleichen kann, ist Toni Kroos. Von München noch bis zum Saisonende an Leverkusen ausgeliehen, spielt der 19-Jährige seine beste Profi-Saison. "Wenn man sich die letzten Jahre anguckt, war Bayern immer vor Bayer. Und das nicht umsonst", sagt der Mittelfeldspieler.

Restprogramm ist machbar

"Sie haben es besser verstanden, über eine ganze Saison konstant zu spielen. Das muss in dieser Saison unser Ziel sein, über die ganze Saison oben dabei zu sein", hofft Kroos: "Natürlich wird es ein unheimlich schweres Spiel in München. Aber wir versuchen, den Schwung mitzunehmen und schauen, was dann möglich ist."

Aber selbst bei einer Niederlage in München blieben die Leverkusener ein absoluter Meisterschaftskandidat. Das Restprogramm der Hinrunde (gegen Stuttgart, in Hannover und Berlin sowie gegen Mönchengladbach) ist auf dem Papier machbar. Die Herbstmeisterschaft scheint möglich.

"Letztendlich entscheidet immer Bayern München"

Doch daran verschwendet niemand rund um die BayArena einen Gedanken. "Es ist noch früh in der Saison", meint Torjäger Stefan Kießling, dem gegen Frankfurt bereits sein achter Saisontreffer gelang: "Ich finde, dass wir jedes Spiel so nehmen sollten als wäre es ein kleines Endspiel. Wenn wir so konzentriert weiterarbeiten wie im Moment, ist viel möglich."

Beim Thema Meisterschaft hat Bayer-Sportchef Rudi Völler ohnehin seine eigene ganz spezielle Meinung: "Letztendlich entscheidet immer Bayern München, wer am Ende ganz vorne steht. Die Bayern haben einfach den besten Spielerkader. Entweder werden sie selbst Meister oder eben ein anderer Club." Mit einem Sieg in München würde die Wahrscheinlichkeit steigen, dass es ein anderer wird. Vielleicht sogar Bayer selbst?

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski