Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen kommt rechtzeitig vor dem Bundesliga-Hit beim FC Bayern München am kommenden Samstag immer besser in Form. Nach dem 5:1-Heimsieg im rheinischen Derby gegen den 1. FC Köln rückte die Werkself auf Platz 3 der Tabelle vor.

Es war ein weitaus härteres Stück Arbeit als es das nackte Ergebnis von 5:1 vermuten lässt. Lange Zeit fand die Elf von Roger Schmidt keine Mittel, um den doppelten Kölner Abwehrriegel zu knacken.

Bayer 04 benötigte dafür zwei Freistöße von Hakan Calhanoglu und auch die Mithilfe des Kölner Keepers Timo Horn, der den ersten Weitschuss des Deutsch-Türken nur vor die Füße des einschussbereiten Karim Bellarabi abklatschen konnte und beim zweiten Standard darauf verzichtete, einen Mann auf die Torlinie zu stellen, der die Lieblingsecke des Kunstschützen dichtmachen sollte. Erst patzte Horn, dann irrte er. Das Unglück nahm aus Kölner Sicht seinen Lauf.

Nach der Führung platzt der Knoten

Erst nach der 2:1-Führung drehte Leverkusen richtig auf und schraubte das Resultat in der Schlussphase in ungeahnte Höhen. Ganz abgesehen davon hätte das ganze Spiel auch einen völlig anderen Verlauf nehmen können, wenn Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer nach einer Viertelstunde beim Stand 1:0 für Köln dem FC einen zweiten Elfmeter zugesprochen hätte und den bereits verwarnten Leverkusener Torwart Bernd Leno vom Platz gestellt hätte. Stattdessen blieb die Pfeife des Unparteiischen stumm.

"Wenn ich Schiedsrichter gewesen wäre, hätte ich vielleicht anders entschieden. Der Ball war weg, Leno trifft den Stürmer. Man kann Elfmeter pfeifen“, meinte Bayers späterer Doppeltorschütze Josip Drmic ehrlich. Auch Kapitän Simon Rolfes hatte Leute "munkeln hören, dass der Schiedsrichter auch anders hätte entscheiden können. Das sind die Situationen, in denen Spiele kippen können.“

So nahm Leverkusen das Schlachtenglück gerne an. Die Mannschaft ließ der 0:1-Pleite in der Champions League gegen AS Monaco eine Reaktion folgen. "Nach dem Monaco-Spiel war ich ein bisschen angefressen. Heute bin ich überglücklich", strahlte Bayers Sportchef Rudi Völler. "Das war ein tolles Spiel. So spielt man Fußball. Wir mussten ein bisschen geduldig sein und haben im richtigen Moment die Tore geschossen."

Drmic setzt Zeichen mit Doppelpack

Vor allem Josip Drmic konnte gegen Köln viel Ballast loswerden. Nach einer langen Anlaufphase scheint der im Sommer aus Nürnberg an den Rhein gewechselte Stürmer in Leverkusen angekommen zu sein. Sein Doppelpack zum 3:1 und 4:1 entschied die Partie. "Ich freue mich riesig für Josip Drmic. Der Knoten ist geplatzt", lobte Rudi Völler den Mittelstürmer, der mit seinen Saisontreffern zwei und drei sogar teamintern an Goalgetter Stefan Kießling vorbeizog, der in dieser Spielzeit erst zweimal einnetzte.

Die Werkself reist nun als Dritter des Klassements nach München. Der Trainer freut sich auf das Ende der permanenten englischen Wochen und die erste reine Trainingswoche mit dem kompletten Kader seit der Saisonvorbereitung. "Es tut uns gut, wenn wir einmal eine Woche durchschnaufen können, auch wenn Spieler eigentlich lieber spielen als zu trainieren", sagt Simon Rolfes.

Topspiel beim Spitzenreiter

Vor über zwei Jahren war Bayer 04 der letzte Gegner, der die Bayern in einem bedeutenden Bundesliga-Spiel schlagen konnte. Am 28. Oktober 2012 siegte Leverkusen nach Treffern von Stefan Kießling und Sidney Sam mit 2:1. Seit dem kassierten die Münchener in 72 Spielen nur noch zwei Niederlagen in Partien, in denen es für sie als bereits feststehender Meister nicht mehr um so viel ging.

"Wir hatten damals etwas Glück gebraucht", erinnert sich Simon Rolfes im Gespräch mit bundesliga.de. "Wir haben sehr gut und mit viel Leidenschaft verteidigt und hatten in der letzten Minute beim Siegtreffer das Glück auf unsere Seite. Das braucht man in solchen Spielen. Aber vorher muss man die Basis durch eine gute Defensivarbeit legen. Die Bayern sind verdammt offensivstark. Da muss man erst einmal dagegen halten."

Es wird ein Topspiel des Ersten gegen den Dritten, doch angesichts des Zehn-Punkte-Vorsprungs der Bayern auf Leverkusen kein Duell auf Augenhöhe. Eine erneute Überraschung durch die Rheinländer erscheint dennoch nicht völlig unmöglich zu sein.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski