Es war die meistgestellte Frage vor dem Qualifikations-Hinspiel in der Champions League zwischen Werder Bremen und Sampdoria Genua. Können die "Grün-Weißen" den Abgang von Mesut Özil kompensieren? Nach dem Schlusspfiff und dem 3:1-Erfolg ist die Antwort eindeutig: Ja, sie können.

"Wir habe mit Mesut einen hervorragenden Fußballer verloren. Aber so läuft das Fußball-Geschäft. Dadurch ist keine Unruhe in die Mannschaft aufgekommen. Denn das passiert ja in jedem Jahr. Uns hat das nicht beeinflusst. Wir haben das gegen Genua sehr gut aufgefangen", erklärte der Torschütze zum 1:0, Clemens Fritz, gegenüber bundesliga.de.

Hunt glänzt

In der ersten Halbzeit taten sich die Bremer gegen die kompakt agierende Italiener zwar noch etwas schwer, im zweiten Durchgang wurde über weite Strecken aber zauberhaftes Direktspiel geboten. Vor allem Özil-Vertreter Aaron Hunt war immer wieder an den sehenswerten Kombinationen beteiligt. "Aaron hat diese Position sehr gut ausgefüllt", urteilte Fritz.

Ein Lob für Hunt kam auch von Trainer Thomas Schaaf. "Es war nicht erst seit heute klar, dass ein Aaron Hunt genauso Dinge im Mittelfeld inszenieren kann. Das hat mich heute sehr gefreut, dass er das so gut umgesetzt hat", sagte der Coach.

Geschäftsführer Klaus Allofs ging bei der Analyse sogar noch ein bisschen weiter. "Wir haben immer gesagt, dass wir mit Mesut einen starken Spieler verloren haben, aber glauben sie mir: Mesut war nicht so eine spielbestimmende Figur bei Werder, dass wir uns nach seinem Abschied heute noch darüber Gedanken machen mussten. Es war klar, dass nun andere die Möglichkeit haben, noch mehr in den Fokus zu rücken und ich bin froh, dass das Spielern wie Hunt und Bargfrede so gelungen ist."

Erinnerungen an 2009

So erinnerte der Spielverlauf sehr an die letzte Partie gegen einen italienischen Club vor heimischem Publikum. Im April 2009 hieß der Gegner im Viertelfinale der Europa League Udinese Calcio. Es war ebenfalls das Hinspiel. Auch damals führten die Bremer bis zur Mitte der zweiten Halbzeit mit 3:0, ehe kurz vor dem Ende die Freude durch einen Gegentreffer noch etwas getrübt wurde. Gegen Genua kam der kleine Rückschlag in der Schlussminute.

"Das Gegentor ist schade. Aber das ist wahrscheinlich Werder Bremen. Wir haben es so fürs Rückspiel spannend gemacht. Wir sind gewarnt und wissen, dass uns in Genua noch ein ganz heißer Tanz erwartet", meinte Fritz zum späten Gegentreffer. "Ich bin sicher, dass wir auch in Genua ein Tor schießen werden. Aber es ist schon ärgerlich, dass man in Überzahl noch ein Gegentor kassiert", sagte Allofs.

Optimistisch nach Hoffenheim

Letztlich bleibt aber festzuhalten, dass sich Werder über weite Strecken so spielstark wie in den besten Zeiten präsentiert hat. Damit können die Bremer nun motiviert zum Bundesliga-Auftakt nach Hoffenheim reisen.

Fritz hat sich für das Spiel im Kraichgau auf jeden Fall etwas ausgemalt. "Es war gegen Sampdoria wichtig, mit einem Erfolgserlebnis zu starten. Nach dem wir in den vergangenen Jahren immer etwas holprig in die Saison gestartet sind, wollen wir in Hoffenheim nun auch drei Punkte holen, um dann wieder mit einem positiven Gefühl in das Rückspiel in Genua zu gehen."

Doch da sollte Fritz, Hunt, Bargfrede und Co. nicht Bange sein. Denn vier Mal gingen die Bremer im Europapokal bislang mit einer 3:1-Führung ins Rückspiel. Und vier Mal zogen sie in die nächste Runde ein.

Michael Reis