Mönchengladbach - Werder Bremen scheint nach dem schlechten Saisonstart so langsam wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden. Nach dem 4:1-Sieg bei Borussia Mönchengladbach und der besten Saisonleistung haben die Hanseaten erstmals in dieser Spielzeit wieder die internationalen Plätze im Visier.

Nur noch ganz knapp liegt Werder hinter Platz 5 und dem ewigen Nordrivalen Hamburger SV. Vergessen ist der Stolperstart mit nur vier Punkten aus den ersten fünf Spielen und den deftigen 1:4-Niederlagen in Hoffenheim und Hannover sowie der bitteren 0:2-Lektion gegen Mainz 05.

"Gab keinen Grund, uns abzuschreiben"

Werder hat nun zehn Punkte aus den letzten vier Spielen geholt und die große Aufholjagd gestartet. "Es gab keinen Grund, uns abzuschreiben, nur weil wir einmal eine Phase hatten, in der es in zwei, drei Spielen nicht lief", freut sich Werder-Kapitän Torsten Frings: "Wir haben den Anschluss nach oben geschafft und müssen weiterarbeiten und gegen Nürnberg nachlegen. Wir dürfen uns jetzt keine schlechte Phase mehr erlauben."

Die Gründe für den Bremer Aufschwung sind vielfältig. Zum einen kehrten angeschlagene Spieler wie Frings, Clemens Fritz oder Claudio Pizarro wieder zurück. Zum anderen glänzte Sebastian Mielitz, Werders dritter Torwart, als Vertreter des verletzten Stammkeepers Tim Wiese in Mönchengladbach mit unglaublichen Reflexen.

Pizarro schreibt Geschichte

Ganz entscheidend ist aber vor allem, "dass die Konzentration, die Leidenschaft, die Ordnung und der Wille wieder da sind", wie Pizarro meint: "Das bringt uns wieder zum Erfolg." Der Peruaner feierte im Borussia-Park auch sein ganz persönliches Erfolgserlebnis.

Der 32-jährige Topstürmer erzielte seinen 134. Bundesliga-Treffer und sicherte sich somit den Eintrag in die Bundesliga-Geschichtsbücher als torgefährlichster ausländischer Spieler aller Zeiten. Diesen Rekord will er jetzt weiter ausbauen.

Noch wichtiger ist ihm allerdings, dass Werder noch in den Meisterschaftskampf eingreift. "Natürlich wollen wir Meister werden", betreibt der Peruaner alles andere als das sonst übliche Werder-Understatement.

"Bayern ist eine ganz andere Hausnummer"

Bis zum Titel ist es, nachdem gerade erst ein gutes Viertel der Saison absolviert ist, allerdings noch ein ganz weiter Weg. Schneller fallen da die ersten Entscheidungen im DFB-Pokal. Am Dienstag gastiert der SV Werder zur Neuauflage des letztjährigen Endspiels beim FC Bayern München.

"Bayern ist eine ganz andere Hausnummer als Mönchengladbach", weiß Torsten Frings: "Gegen die Bayern können wir uns solche Fehler wie in Gladbach nicht erlauben. Das Pokalspiel wird ein ganz anderes Spiel. Wir haben Gladbach zu viele Chancen zugelassen. Das Spiel hätte auch 10:6 ausgehen können. Wir müssen gegen Bayern besser stehen, noch mehr arbeiten."

Wenn das nicht gelingt, wird Werder auch gegen die derzeit vor allem im Angriff schwächelnden Bayern Probleme bekommen. Denn noch immer präsentiert sich die Bremer Defensive als recht wacklig. 18 Gegentore in dieser Saison sprechen eine deutliche Sprache und weisen die Norddeutschen als zweitschlechteste Defensive der Liga aus.

Gute Bilanz in München

Doch ausgerechnet in München blieben die Bremer in dieser Saison beim 0:0 ohne Gegentor. Das einzige Mal. Überhaupt hat die Truppe von Trainer Thomas Schaaf bei den letzten fünf Bundesliga-Gastspielen an der Isar nicht mehr verloren.

"Ein Pokalspiel ist aber etwas ganz anderes", glaubt Werders Tempo-Dribbler Marko Marin, "noch dazu in München. Das wird kein normales Spiel. Es zählt nicht, wer wie in Form ist oder ob Bayern ein paar Spiele nicht gewonnen hat. Das wird ein interessantes Spiel. Wir wollen eine Runde weiterkommen."

Nach dem ersten Auswärtssieg in der Bundesliga scheint dieses Vorhaben nicht unmöglich zu sein.

Tobias Gonscherowski