Sinsheim - Seit Viktor Skripnik zum Chefcoach beim SV Werder Bremen befördert wurde, haben die Hanseaten 19 Punkte in zehn Spielen geholt - und sich schon ein wenig von der Abstiegszone abgesetzt.

Die vielen Fans, die am Dienstag die weite Reise aus dem Norden in den Südwesten auf sich genommen hatten, sangen sich ihre Freude stimmgewaltig aus der Seele: "Der SVW ist wieder da", hallte wie das Motto dieser Tage aus der Kurve des SV Werder Bremen durch die Arena von Sinsheim. 2:1 hatten die Bremer gerade bei der TSG 1899 Hoffenheim gewonnen - und an der Weser reiben sich alle ein bisschen verwundert die Augen: Nach drei Siegen in Serie ist Werder Bremen auf dem besten Weg, die Abstiegszone im Sprint zu verlassen.

Skripnik hat "super gecoacht"

Und dabei spielen die Bremen auch lange nicht mehr wie ein Abstiegskandidat. Nur in einer kurzen Phase nach dem Ausgleich von Hoffenheim in der 34. Minute durch Ermin Bicakcic agierte Werder wieder ein bisschen ängstlich. Aber die Bremer haben ja diesen Trainer Viktor Skripnik - und der habe in der Halbzeitpause "super gecoacht", wie Werders Sport-Geschäftsführer und Augenzeuge der Kabinenansprache Thomas Eichin bestätigte.

Er habe nichts Besonderes gemacht, meinte Skripnik. Aber nach dem guten Beginn und der Führung von Franco di Santo (8.) habe seine Mannschaft in der ersten Halbzeit immer mehr wie "das alte Werder der Vorrunde gewirkt", so Skripnik. Er habe der Mannschaft dann in der Pause erklärt, dass die Körpersprache wieder besser werden müsse, die Mannschaft hinten eng zusammenstehen und vorne der Spielaufbau der Hoffenheimer früher gestört werden müsse.

Werder ist wieder da

Skripnik hat das tatsächlich sehr eindringlich gemacht – seine Spieler setzten die Spielidee und die Leidenschaft ihres Trainers hervorragend um. Nach dem 2:1 durch Philipp Bargfrede (52.) ließen die Bremer den verzweifelt anrennenden Hoffenheimern kaum noch eine Torgelegenheit und hätten bei Kontern auch noch ein drittes Tor erzielen können.

Werder ist wieder da: Das hat offenbar viel mit diesem Trainer zu tun, der seine Leidenschaft auf die Spieler übertragen kann und außerdem taktisch sehr viel richtig macht. Nach der Gelbsperre des zuletzt so starken Zlatko Junuzovic stellte Skripnik Clemens Fritz in die Mittelfeldzentrale – und der Kapitän beeindruckte mit einer starken Leistung.

Ein Typ wie Vestergaard hatte gefehlt

Doch auch die Winterzugänge machen Werder besser: Vor allem der aus Hoffenheim verpflichtete Innenverteidiger Jannik Vestergaard zeigte an alter Wirkungsstätte eine ganz starke Leistung. So ein Typ habe der Mannschaft in der Vorrunde gefehlt, sagt Skripnik. Mit seiner Kopfballstärke, aber auch seiner Technik im Spielaufbau verstärke der Däne die Elf.

Und auch wenn Levin Ötzunali nicht seinen besten Tag hatte in Hoffenheim, so scheint der aus Leverkusen ausgeliehene Enkel von HSV-Idol Uwe Seeler Bremen gut zu tun. Schon am kommenden Sonntag kommt Leverkusen zum Spiel der 20. Runde nach Bremen. Zuhause hat Skripnik Werder ja schon wieder zur Macht gemacht mit vier Siegen und einem Remis unter seiner Ägide. Nach dem zweiten Auswärtserfolg hoffen die Bremer nun auf weitere Punkte daheim gegen Leverkusen.

"Wir genießen zwar jetzt den Moment", sagt Viktor Skripnik: "Aber wir müssen weiter akribisch arbeiten." Noch habe man nichts erreicht, mahnt der Trainer. Aber da irrt er. Werder hat sich durch den Sieg in Hoffenheim ein kleines Punktepolster nach unten zugelegt. Und noch viel wichtiger: In Bremen herrscht plötzlich Hoffnung auf eine gute Rückrunde.

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter