Bremen - Nach dem peinlichen Pokal-Aus in Bielefeld zeigt Werder Bremen genau die Reaktion, die Trainer Viktor Skripnik sich erhofft hatte. Nach dem Sieg in Freiburg hat man nun schon 33 Punkte auf dem Konto und kann vor dem Saisonfinish ein wenig durchatmen. Mann des Tages ist Kunstschütze Franco Di Santo.

Der Mann des Tages wollte sich unerkannt zum Mannschaftsbus schleichen, doch das ist nicht so leicht, wenn man kurz zuvor ein solches Tor erzielt hat wie Franco Di Santo. In bestem Englisch erklärte er also den Journalisten, wie er seinen spielentscheidenden Treffer aus der 35. Minute erlebt hatte: "Ich habe gesehen, dass mein Gegenspieler ein bisschen zurückgewichen ist und habe es dann einfach probiert", sagte Di Santo, der nach feinem Zuspiel von Levin Öztunali von einem Stellungsfehler des Freiburger Innenverteidigers Immanuel Höhn profitiert hatte. Und ja, natürlich habe er den Ball genau so treffen wollen. Werders Goalgetter hatte den Ball angenommen und ihn aus dem Stand in den Winkel gezirkelt.

"Kein Glücksschuss"

Auch die Freiburger Augenzeugen zollten dem Kunstschützen unisono Respekt: "Das war kein Glücksschuss", sagte SC-Coach Christian Streich. "Dieser Schuss zeigt nur, welche Qualität Di Santo hat." So sah es auch Werder-Coach Viktor Skripnik, der sich dafür entschieden hatte, im Sturm Davie Selke zunächst auf der Bank zu lassen und von Beginn an auf Levin Öztunali zu setzen. (Die Stimmen zum Spiel)

Dass Di Santo, "Werders Lebensversicherung", gesetzt ist, versteht sich von selbst. Erst recht nach diesem Treffer: "Da haben wir einen Spieler, der aus nichts das Siegtor macht..." Und der möglicherweise schon bald auch international aktiv wird. Nach Informationen des "kicker" will ihn Argentiniens Nationaltrainer Gerardo Martino für zwei Test-Länderspiele Ende März nominieren. Di Santo gab sich dazu am Samstag zugeknöpft. "Aber Tore schaden da sicher nicht."

Starke Punktausbeute und Spielweise

33 Punkte hat Werder nun nach 24 Spieltagen auf dem Konto. Und auch, wenn das rechnerisch noch einige Optionen lässt – dass jetzt noch der Abstieg droht, glauben an der Weser nur die größten Pessimisten (Die Topdaten). Wenn die Zuversicht nach Bremen zurückgekehrt ist, liegt das allerdings nicht nur an der Punktausbeute, sondern auch an der Art und Weise, wie Bremen spielt.

Beispiel Freiburg: Nach dem schwachem Auftritt im DFB-Pokal in Bielefeld und einem turbulenten Bundesliga-Spiel, das mit 3:5 verloren gegangen war, zeigten die Grün-Weißen exakt die Reaktion, die ihr Trainer von ihnen erwartete. 55 Minuten waren nach dem Di-Santo-Schuss noch zu absolvieren, doch es waren 55 Minuten, in denen die Werder-Defensive souverän und sicher agierte. Torhüter Raphael Wolf hielt, was zu halten war und holte sich ein Trainerlob ("prima", "freue mich besonders für ihn") ab.

Defensive steht sicher

Doch allzu oft musste der Schlussmann ("Für mich ist es natürlich sehr schön, heute zu Null gespielt zu haben.") nicht eingreifen, weil die komplette Defensivformation bis zum Schlusspfiff konzentriert blieb. Garcia und Gebre Selassie machten die Außenbahnen dicht, während die großgewachsenen Sebastian Prödl (1,94 Meter) und Jannik Vestergaard (1,99 Meter) die hohen Bälle samt und sonders aus dem Strafraum bugsierten, ehe Torgefahr entstehen konnte. 

"Das war ein sehr wichtiges Spiel und drei enorm wichtige Punkte", bilanzierte Mittelfeldspieler Philipp Bargfrede. "Jetzt können wir etwas durchatmen und dann konzentriert die nächsten Aufgaben angehen."

Christoph Ruf