Bremen - Groß war der Jubel im Weserstadion nach dem 2:1 von Werder Bremen über Borussia Mönchengladbach. "Der Sieg heute war sowas von verdient. Wir waren von der ersten Minute an hellwach, haben gut nach vorne verteidigt, haben eine hohe Laufbereitschaft gezeigt und waren über 90 Minuten voll motiviert", analysierte Clemens Fritz das Spiel der Gastgeber. "Der einzige Kritikpunkt ist, dass wir das nicht eher eingetütet haben."

Aber nicht nur die kämpferische Einstellung war Garant für den ersten Saisonsieg der Bremer. Viktor Skripnik hatte sein Team hervorragend eingestellt. Theodor Gebre Selassie und Fritz machten die rechte, der nach seiner Verletzung im März in die Startelf zurückgekehrte Santiago Garcia mit seinem Namensvetter Ulisses die linke Seite zu.

Taktikfuchs Skripnik

"Ich habe mich gleich nach dem Hertha-Spiel mit dem heutigen Gegner beschäftigt. Es ist bekannt, dass Gladbach auf den Flügeln stark besetzt ist. Wir haben sie nicht zur Entfaltung kommen lassen. Das haben die Jungs gut gemacht", freute sich der Trainer über seinen Coup.

Ebenso wie sich der Ukrainer über sein neues Sturm-Duo freute. Anthony Ujah, schon Liebling der Kölner Fans ist auf bestem Wege auch die Herzen der Werder-Fans im Sturm zu erobern. Der Nigerianer und sein Sturmpartner Aron Johansson haben in kürzester Zeit geschafft, dass an der Weser niemand mehr den abgewanderten U-19-Europameister Davie Selke (zu RB Leipzig) sowie Werders Top-Torschützen der Vorsaison, Franco di Santo (zu Schalke 04), nachtrauert.

Lob für furchtlosen Johansson

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In der 39. Minute schnappte sich Johansson nach einem Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Felix Zwayer den Ball und verwandelte den Strafstoß sicher zur 1:0-Führung. "Wir haben keine Liste in der Kabine wer die Elfer schießt. Wer sich gut fühlt, schießt", verrät Skripnik, "das hat Aron gut gemacht. Der Junge hat keinen Schiss", lobte der Ukrainer norddeutsch derb den von AZ Alkmar an die Weser gekommenen 24-Jährigen. Den Elfmeter zu schießen hatte Johansson "ganz alleine entschieden. Ich habe schon in Holland einige Elfmeter geschossen", so der US-Nationalspieler mit isländischen Wurzeln, dem sein US-Coach Jürgen Klinsmann zum Schritt in die Bundesliga geraten hatte.

"Das Gefühl könnte nicht besser sein. Es war mein erstes Spiel im von Beginn an im Weser-Stadion, und wir haben einen Sieg gegen eine echte Spitzenmannschaft geholt. Außerdem freut es mich, dass ich zum ersten Mal im Werder-Trikot getroffen habe", so ein glücklicher Johansson, der nach 70 Minuten unter dem Applaus der Werder-Fans Platz machte für Fin Bartels. "Ich habe alles gegeben, war richtig fertig", weiß der Angreifer, dass er nach nur drei Wochen im Werder-Kader "noch nicht bei 100 Prozent" ist.

Fritz: "Die Moral stimmt"

In Bremen zieht man nach drei Spieltagen ein positives Fazit nach den ersten drei Spielen. "Die Moral stimmt", stellt Fritz klar. Selbst der Ausgleich durch Lars Stindl kurz vor dem Pausenpfiff warf die Gastgeber nicht aus der Bahn. "Das war natürlich Thema in der Kabine, darüber haben wir uns in der Halbzeit unheimlich geärgert. Vor allem war es ärgerlich, weil wir davor nichts zugelassen haben. Aber ich muss der Mannschaft ein riesen Kompliment machen, wir haben uns positiv zugesprochen und uns nicht davon beeindrucken lassen", verriet der Kapitän bundesliga.de die Stimmung in der Kabine beim Pausentee. "Und so haben wir nach der Pause da weitergemacht, wo wir vor dem Gegentor aufgehört haben."

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"Es war wichtig, dass wir uns mit einem Sieg in die Länderspielpause verabschieden. Wir haben uns in den ersten drei Spielen kontinuierlich verbessert", analysierte Jannick Vestergaard die Bremer Leistungskurve. Der dänische Nationalspieler erwies sich nicht nur in der Innenverteidigung als Turm in der Schlacht, sondern traf acht Minuten nach der Pause nach Eckstoß von Zlatko Junuzovic zum 2:1-Endstand. "Wir haben unter der Woche Standards trainiert und wussten, dass wir durch sie jederzeit Gefahr entwickeln können", so Vestergaard. Das erkannte auch Lucien Favre an: "Die Bremer sind bei Standards brandgefährlich", so der Gladbach-Trainer.

Eichin: "Wir sind im Soll"

Neben den Spielern sind auch die Werder-Verantwortlichen zufrieden mit dem Saisonauftakt. "Das erste Spiel ist immer so etwas wie der letzte Test. Keiner weiß, wo er steht", will Thomas Eichin die 0:3-Heimpleite zum Saisonauftakt nicht überbewerten. "Wir haben auch gegen Schalke phasenweise guten Fußball gezeigt, aber die Bundesliga ist extrem ergebnisorientiert. Wir haben es heute gegen eine starke Gladbacher Mannschaft sehr gut gelöst. Ich bin froh, dass wir vor der Länderspielpause den Sieg eingefahren haben, mit vier Punkten sind wir im Soll"", so Eichin.

Das sieht auch der Trainer so: "Ich bin zufrieden mit dem Start. Vier Punkte sind in Ordnung, wenn man sieht, gegen wen wir bisher gespielt haben. Jetzt werden wir die Pause nutzen, um in zwei Wochen gegen Hoffenheim wieder ein gutes Spiel zu machen." Die Fans gingen sogar noch einen Schritt weiter. "Europapokal, Europapokal", schall es aus der Kurve. "Die Fans dürfen träumen", so Fritz lächelnd zu bundesliga.de. "Wir wissen, das Ergebnis einzuorden. Wenn wir jetzt weiter von Spieltag zu Spieltag so arbeiten, dann werden wir die nötigen Punkte holen", blickt der 34-Jährige voraus und ist sicher: "Wir sind immer für eine Überraschung gut." Klingt nach guten Aussichten für weitere Jubel-Arien an der Weser.

Aus Bremen berichtet Jürgen Blöhs