Zusammenfassung

  • Milot Rashica rückt vor dem Spiel spontan für Bargfrede in die Werder-Startelf.

  • In seinem dritten Bundesliga-Spiel schießt er sein erstes Tor.

  • Durch das 3:1 gegen Köln verschafft sich Werder Luft im Abstiegskampf.

Bremen - Nachdem die Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt am Wochenende nicht punkten konnte, nutzte der SV Werder Bremen am Montagabend die Chance und setzte sich dank eines 3:1-Heimsieg über den Tabellenletzten 1. FC Köln etwas von den Abstiegsplätzen ab. Im Fokus war gegen die Kölner ein Spieler, der eigentlich gar nicht spielen sollte.

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Auf dem offiziellen Spielberichtsbogen fand man den Namen Milot Rashica nicht in der Startaufstellung. Dennoch stand er Kosovare zum Anpfiff um 20.30 Uhr auf dem Rasen des Weser-Stadions. Nach dem Warmmachen klagte der eigentlich für die Startelf auserwählte Philipp Bargfrede über Übelkeit und fiel kurzfristig aus. Trainer Florian Kohfeldt beorderte für Bargfrede Rashica etwas überraschend ins Team und der 21-Jährige nutzte seine Chance. „Für mich war das eine sehr große Überraschung. Ich habe mich mit den anderen Ersatzspielern aufgewärmt und war nicht so warm, wie die anderen Elf. Ich brauchte im Spiel kurz ein paar Minuten, um mich an die Partie zu gewöhnen und reinzukommen. Dann hat es aber sehr gut funktioniert“, erklärte der Bremer Winter-Neuzugang.

"Ich war sehr erleichtert nach meinem Tor und wollte unbedingt mit den Fans feiern." Milot Rashica

Trotz des Kaltstartes im strömenden Regen von Bremen war der 1,78 Meter große Rashica sofort im Spiel und zeigte in seinem erst zweiten Spiel von Beginn an seine Fähigkeiten. Seine Tempo-Dribblings waren immer gefährlich und schon in der ersten Hälfte war er der auffälligste Bremer Offensivspieler. „Milot war ein belebendes Element. Mit seiner Schnelligkeit und seinen Dribblings hat er uns sehr geholfen“, freute sich Mitspieler Maximilian Eggestein.

Trotz Kaltstart voll im Spiel: Rashica im Zweikampf mit Kölns Osako
Trotz Kaltstart voll im Spiel: Rashica im Zweikampf mit Kölns Osako © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Lukas Schulze

Kurz vor der Pause hatte Rashica schon die Chance sein erstes Bundesliga-Tor im dritten Einsatz zu erzielen, doch aus aussichtsreicher Position verzog er etwas überhastet. „Eigentlich war es ganz einfach das Tor zu machen, aber irgendwie ist mir der Ball versprungen in dieser Situation. Nach der vergebenen Chance war ich auch etwas nervös, weil ich wusste, dass das eine richtig gute Möglichkeit war“, ärgerte sich der 21-Jährige. Doch Rashica ließ sich nicht verunsichern und belohnte sich mit seinem Tor zum wichtigen 2:1. „Ich war sehr erleichtert nach meinem Tor und wollte unbedingt mit den Fans feiern. Es war aber nicht allein mein Verdienst sondern eine Teamleistung. Florian Kainz hat mir den Ball super aufgelegt“, so Rashica.

„Milot war ein belebendes Element. Mit seiner Schnelligkeit und seinen Dribblings hat er uns sehr geholfen.“ Maximilian Eggestein

Nach seinem Tor lief er dann noch zu seinem Trainer Florian Kohfeldt und umarmte ihn innig. „Er hat mir vor dem Spiel noch mit auf dem Weg gegeben, dass ich heute treffen werden – und er hat recht behalten“, freute sich Rashica. Nach 68 Minuten wurde der kosovarische Nationalspieler dann unter dem Applaus der Bremer Fans ausgewechselt. Eigentlich hätte er schon vor seinem Tor ausgewechselt sollen, denn Rashica war nach einem Tritt aus der ersten Hälfte angeschlagen, doch es gab keine Spielunterbrechung und so musste Ishak Belfodil an der Seitenlinie warten. „Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden“, scherzte Trainer Florian Kohfeldt. Mit seiner bislang besten Leistung im Werder-Dress empfahl sich Rashica nachdrücklich für weitere Einsätze, doch der flinke Dribbler blieb nach seiner Gala-Vorstellung demütig. „Ich bin hier neu und stelle keine Ansprüche. Die Mannschaft hat mir bislang sehr bei der Eingewöhnung geholfen und ich bin froh, wenn ich dem Team helfen kann.“

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Nach dem 2:1 kennt der Jubel keine Grenzen
Nach dem 2:1 kennt der Jubel keine Grenzen © gettyimages / Lars Baron

Dank des in der zweiten Hälfte hart erkämpften Heimsieges können die Bremer im Abstiegskampf nun etwas durchatmen. Trainer Kohfeldt freute sich natürlich über den Sieg, doch mahnte zugleich: „Wir brauchen noch mindestens zehn Punkte. Das wird noch viel Arbeit. Vor allem das Schlussprogramm hat es in sich, daher müssen wir die Konzentration hochhalten.“ Ein großer Pluspunkt im Gegensatz zu den anderen abstiegsbedrohten Teams ist die hohe Leistungsdichte im Kader. Gegen Köln glänzte auf einmal der junge Rashica, gegen Gladbach sorgte der eingewechselte Aron Johannsson mit einem Tor für die Wende. Werder hat hohe Qualität auf der Bank und kann auf jede Situation reagieren. „Das Spiel hat gezeigt, dass wir auch kurzfristige Ausfälle sehr gut kompensieren können und viele Alternativen auf der Bank haben,“ erklärte Sportchef Frank Baumann.

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Am kommenden Spieltag gastieren die Bremer beim FC Augsburg und wollen den guten Lauf der vergangenen Wochen weiterführen. Zuletzt holte Werder aus drei Spielen sieben Punkte. Zuhause ist die Mannschaft unter Kohfeldt noch ungeschlagen (6 Siege, drei Remis). Auch auswärts präsentierten sich die Bremer stark verbessert. „Wir haben mit Augsburg, Frankfurt und Hannover drei sehr schwierige Spiele vor uns, aber in alle drei gehen wir mit Selbstvertrauen,“ gab Florian Kainz die allgemeine Stimmung nach dem wichtigen Heimsieg vom Montagabend wieder.

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage