Zusammenfassung

  • Werder ringt den Nordrivalen aus Hamburg nieder

  • Unter Kohfeldt bleibt Werder zuhause ungeschlagen

  • Einwechselspieler für den Sieg verantwortlich

Bremen - Erleichterung pur beim SV Werder Bremen. Die Grün-Weißen besiegten im Nordderby den Erzrivalen Hamburger SV und stehen nun schon neun Punkte vor dem Kontrahenten von der Elbe. Durch den späten 1:0-Heimsieg gegen den HSV klettert das Team von Trainer Florian Kohfeldt auf Platz 14. Lange Zeit taten sich die Bremer schwer gegen kompakte Hamburger, doch dann entschieden zwei Einwechselspieler die Partie.

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"Es ist am Ende völlig egal, wer den Ball letztlich über die Linie gedrückt hat, wichtig sind die drei Punkte und ich freue mich, dass ich zu diesem wichtigen Sieg beitragen konnte. Das war ein Gefühl von ganz, ganz großer Freude. Diesen Sieg hat sich die ganze Mannschaft erarbeitet. Es war ein Sieg für die ganze Stadt," erklärte ein überglücklicher Ishak Belfodil. Der Algerier wurde erst spät für Florian Kainz eingewechselt und drückte den Ball dann in der 86. Minute zusammen mit seinem Gegenspieler Rick van Drongelen energisch über die Linie. Für die Vorlage zum Siegtreffer war der zweite Joker Aron Johannsson verantwortlich – zwei glückliche Einwechslungen von Trainer Florian Kohfeldt.

Kruse fast vollkommen aus dem Spiel

In den 85 Minuten zuvor taten sich die Bremer gegen bissige und gut organisierte Hamburger sehr schwer. Werder konnte wie schon in Freiburg offensiv nicht so glänzen, wie zuletzt. Das lag aber auch an der aggressiven Spielweise des HSV. Die Hamburger agierten mutig und nahmen Werders spielmachenden Stürmer Max Kruse fast vollkommen aus dem Spiel. "Der HSV stand tief, hat wenig zugelassen und wir haben es vermissen lassen, die Räume anzuspielen", erklärte Max Kruse den uninspirierten Auftritt der Grün-Weißen in Halbzeit eins im ausverkauften Weser-Stadion. "Spielerisch war das sicherlich kein Leckerbissen, aber in einem Derby zählen nur drei Punkte und die bleiben in Bremen," stellte der Werder-Stürmer dann aber fest.

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In der Tat war das 108. Nordderby sicherlich nichts für Fußball-Feinschmecker, aber darum ging es Samstagabend auch nicht, sondern einfach nur ums nackte Überleben in der Bundesliga. In der ersten Halbzeit hatten die Hamburger etwas mehr vom Spiel, ohne jedoch in der Offensive wirklich gefährlich zu werden. Die Bremer konnten im Angriff nicht, wie gewohnt, mit Tempo über die Außenbahnen spielen. Die beiden Österreicher Florian Kainz und auch Kapitän Zlatko Junuzovic kamen in der Offensive nicht zur Geltung. "Es war ein intensives Spiel mit vielen Zweikämpfen und vielen Aktionen, die nicht zu Ende gebracht wurden. Der HSV hat leidenschaftlich verteidigt, aber im Laufe des Spiels haben wir aber immer mehr Kontrolle gewonnen und auch wenn das Tor zu einem späten Zeitpunkt fällt, insgesamt ist der Sieg verdient", analysierte Trainer Florian Kohfeldt den immens wichtigen Derbysieg. Unter ihrem neuen Coach sind die Bremer im eigenen Stadion noch ungeschlagen (fünf Siege, drei Remis).

Nur zwei Zähler auf den Relegationsplatz

Diese Heimstärke werden sie bis zum Saisonende auch noch sehr gut gebrauchen können, denn trotz des Sieges gegen einen direkten Mitkonkurrenten ist der Klassenerhalt alles andere als in trockenen Tüchern. "Es war ein wichtiger Schritt von ganz vielen, aber die Punkteanzahl wird nicht reichen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Es müssen weitere Siege folgen und wir haben überhaupt nichts zu verschenken. Wir werden Freitag wieder gefordert sein und müssen in Gladbach kämpfen," erklärte Sportchef Frank Baumann relativ unemotional seine Sicht der Dinge. Auch Trainer Kohfeldt mahnte: "Das war ein guter Schritt, aber es gibt keinen Grund sich auszuruhen. Wir haben den Abstand auf die direkten Abstiegsplätze vergrößert und den Anschluss hergestellt, aber wir müssen weitermachen und konstant punkten. Dann erreichen wir unser großes Ziel."

Video: Nordderby um den Klassenerhalt

Nach dem Derbysieg sieht die Lage bei den Bremern wieder ganz gut aus. Die Werderaner kletterten in der Tabelle auf den 14. Tabellenplatz und distanzierten den Erzrivalen aus Hamburg jetzt schon um satte neun Punkte. Auf den Relegationsplatz 16 sind es aber nur zwei Zähler. Als nächstes geht es für die Bremer bereits am Freitagabend zu Borussia Mönchengladbach. Aber daran wollten die Grün-Weißen am Samstagabend noch nicht denken. "Wir haben uns heute für das belohnt, was wir uns in den vergangenen Wochen aufgebaut haben. Ein Derbysieg ist etwas ganz Besonderes," gab Trainer Kohfeldt, sein erstes Nordderby als Cheftrainer erlebte, zu. Sein Abwehrchef Niklas Moisander, der gegen den HSV ein gute Partie machte, fügte an. "Die Emotionen nach so einem Spiel sind groß, die dürfen wir auch noch ein, zwei Tage genießen, aber dann müssen wir uns wieder konzentrieren. Freitag ist das nächste wichtige Spiel, da wollen wir weitere Punkte einsacken."

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage