Zusammenfassung

  • In Bremen gibt es viele Parallelen zur Saison 2014/15.

  • Damals betrat Kohfeldt als Teil des Trainerstabs von Viktor Skripnik erstmals die Bundesliga-Bühne.

  • Tim Borowski soll seine Erfahrung als Ex-Profi mit einbringen.

Köln – Der Name Florian Kohfeldt ist den meisten Fußballfans in Deutschland noch kein Begriff, aber beim SV Werder Bremen gehört der 35-Jährige Fußballlehrer zu den großen Konstanten der letzten Jahre. Seit 2001 ist der in Delmenhorst bei Bremen aufgewachsene Kohfeldt im Club. Zunächst als Torhüter der dritten Mannschaft, später als Trainer. Nun soll er die trudelnden Bremer wieder auf Kurs bringen. Mit Tim Borowski steht ihm dabei einer der Double-Helden von 2004 zur Seite.

Die derzeitige Situation bei Werder erinnert von der Ausgangslage stark an die Spielzeit 2014/15. Nach neun sieglosen Spielen zum Start musste Robin Dutt damals gehen. Werder stand mit vier Punkten auf dem letzten Platz. Viktor Skripnik übernahm damals mit Torsten Frings als Co-Trainer das Team und das Duo beherrschte die Schlagzeilen. Zwei große Spieler der Clubgeschichte sollten den Glanz früherer Tage wieder zurückbringen. In diesem Rummel ging fast ein wenig unter, dass zu dem Trainerteam noch ein zweiter Assistenztrainer gehörte. Der Name: Florian Kohfeldt.

"Student" Kohfeldt hat einen Master-Abschluss

Kohfeldt erlebte die Höhen und Tiefen der Skripnik-Ära hautnah mit. Er galt neben den Praktikern Skripnik und Frings als der Taktikfuchs im Hintergrund. Skripnik verpasste ihm den Spitznamen „Student“ – obwohl Kohlfeldt eigentlich bereits seinen Master in Sport- und Gesundheitswissenschaften gemacht hatte.

Florian Kohfeldt vor seinem ersten Spiel als Co-Trainer in der Bundesliga. Werder gewann bei Mainz 05 mit 2:1
Florian Kohfeldt vor seinem ersten Spiel als Co-Trainer in der Bundesliga. Werder gewann bei Mainz 05 mit 2:1 © imago / Hartenfelser

Für die Ausbildung zum Fußballlehrer drückte Kohfeldt dann erneut die Schulbank und wurde 2015 als Jahrgangsbester ausgezeichnet. Mit Skripnik funktionierte es bei Werder dann nicht mehr, aber auf die Dienste von Kohfeldt wollte Sportdirektor Frank Baumann nicht verzichten. Der ehemalige Torhüter von Werder III wurde Nachfolger von Alexander Nouri bei Bremens U23 und schaffte in der 3. Liga den Klassenerhalt. Eine nicht zu unterschätzende Leistung, wenn man bedenkt, dass der SV Werder die einzige zweite Mannschaft in der 3. Liga stellt. Jetzt bekommt er zunächst einmal für das Spiel bei Eintracht Frankfurt die Chance in der Bundesliga.

>>> Das sagt Werder-Sportgeschäftsführer Frank Baumann zum Trainerwechsel (werder.de)

"Er ist ein sehr intelligenter, junger Trainer, der eine klare Ansprache hat. Deshalb trauen wir ihm zu, kurzfristig einen Impuls zu setzen", erklärt Frank Baumann und fährt dann angesichts des Lobes fast folgerichtig fort: "Er wird in unseren Überlegen für eine Dauerlösung auch eine Rolle spielen."

Frankfurt wird zum Gradmesser für Kohfeldt

Wie groß die Chance für Kohfeldt ist, auch nach der Länderspielpause noch auf der Werder-Bank zu sitzen, dürfte sehr vom Auftritt bei Eintracht Frankfurt abhängen. Dabei kann Kohfeldt bei der Vorbereitung auf Tim Borowski zählen. Der Ex-Profi ist ein kluger Kopf, der im Club nach seiner aktiven Karriere bereits ein Trainee-Programm absolvierte und später sportlicher Leiter der U23 wurde. In diesem Sommer begann er als Assistenzcoach der Bremer U17 seine Trainerlaufbahn.

Tim Borowski (M.) hat aus dem aktuellen Kader mit Philipp Bargfrede (r.) noch zusammengespielt
Tim Borowski (M.) hat aus dem aktuellen Kader mit Philipp Bargfrede (r.) noch zusammengespielt © imago / Ulmer

Kohfeldt und Borowski sind ein äußerst interessantes Gespann. Der ausgewiesene Taktikexperte und der ehemalige Profi, der in seiner Karriere fast alles erlebt, aber auch stets über den Tellerrand des Fußballs hinausgeblickt hat. Sollte Kohfeldt tatsächlich auch langfristig das Vertrauen zugesprochen bekommen, wäre es der dritte Trainer in Folge, den der SV Werder aus der eigenen U23 hochzieht. Bei Skripnik und zuletzt Nouri wurde dadurch zwar jeweils der Abstieg vermieden, aber langfristig kam der SVW nicht aus dem Keller heraus. Das sollte Werder aber keineswegs abschrecken. Schließlich ist drei Mal ja Bremer Recht.

Florian Reinecke