Zusammenfassung

  • Bremen erspielt sich trotz einiger Rückschläge in Dortmund zu einem Dreier

  • Die taktischen Kniffe des Trainers, etwa mit Philipp Bargfrede als "Libero", gehen auf

  • Der Sieg wird mit der schweren Verletzung von Fin Bartels aber teuer bezahlt

Dortmund - Wenn man als Tabellenvorletzter auswärts in Dortmund frech auf Sieg spielt, dann braucht es dafür schon eine große Portion Selbstvertrauen. Genau das hat Florian Kohfeldt dem SV Werder Bremen offenbar vermittelt. Und der junge Trainer sieht nach dem 2:1-Überraschungscoup beim BVB jetzt noch mehr Potenzial und ist mächtig stolz auf seine Spieler: "Dieser Sieg macht richtig viel Mut, denn mehr Rückschläge kannst du in einem Spiel kaum haben."

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Nach 33 Minuten musste Fin Bartels verletzt raus. Die ernüchternde Diagnose am Tag danach: Achillessehnenriss und eine monatelange Pause. Anfang der zweiten Halbzeit erwischte es auch noch Zlatko Junuzovic. Zudem kassierte Werder nach 57 Minuten den Ausgleich der Dortmunder !in der einzigen Phase, in der wir nicht den perfekten Zugriff hatten", wie Florian Kohfeldt später treffend analysierte.

Bremer Pressing bringt BVB aus dem Konzept

Und was machte diese Bremer Mannschaft, die bislang in dieser Saison auswärts noch keinen Dreier holen konnte? Sie zeigte sich fast komplett unbeeindruckt und zog ihre Marschrichtung einfach durch. Und die war eindeutig, wie Torschütze Maximilian Eggestein verriet: "Wir hatten uns von Beginn an vorgenommen, dass wir nicht auf Unentschieden spielen wollen. Wir wollten auf Sieg spielen, das haben wir uns auch nach dem Ausgleich auf dem Platz nochmal gesagt. Es war eine klare Ansage, dass wir gewinnen wollen."

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Dieses mutige Auftreten hatte man der Mannschaft in Dortmund von Beginn an angesehen. Das Bremer Pressing brachte den BVB schnell aus dem Konzept, der bis zur Pause keinen einzigen Torschuss zu verzeichnen hatte. Werder hingegen kam mit seinem Angriffspressing zu guten Chancen. "Wir hatten das richtige System, sind gut in die Räume gekommen und hatten immer wieder Abschlüsse", lobte Kapitän Junuzovic. "Wir wollten gewinnen und nicht nur eine ansprechende Leistung zeigen. So selbstbewusst sind wir auch aufgetreten. Wir haben nach vorne gespielt und zugleich hinten clever dicht gemacht".

Kohfeldts Coup: Bargfrede in der Abwehrkette

Kohfeldt hatte seiner Mannschaft offenbar nicht nur das nötige Selbstvertrauen eingeimpft, sondern sie auch taktisch bestens präpariert – durchaus mit Überraschungen. Dass Philipp Bargfrede in der Abwehrkette in zentraler Rolle spielte, durfte der Trainer später als kleinen Coup feiern. "Er ist einer unserer stärksten Zweikämpfer, hat es überragend gemacht." Was dem 28-Jährigen übrigens auch gleich einen neuen Spitznamen einbrachte, den Zlatko Junuzovic ihm frech verpasste: "Bargi ist ein richtiger Libero, unser neuer Beckenbauer. Wir nenne ihn jetzt Franz."

Ragte aus einer starken Bremer noch einmal heraus: Max Kruse
Ragte aus einer starken Bremer noch einmal heraus: Max Kruse © imago / Eibner

Wie Kohfeldt mit der Mannschaft arbeitet, was er ihr mit auf den Weg gibt – bei den Spielern kommt das ganz offensichtlich bestens an. "Der Trainer stellt uns sehr gut ein, hat super Ansprachen", lobte Junuzovic. Bei Eggestein klang es ähnlich: "Man sieht, dass wir immer einen klaren Plan haben, gut eingestellt sind und auch immer im Spiel noch auf verschiedene Sachen reagieren können. Es funktioniert richtig gut."

Bartels' Verletzung: Ein teuer erkaufter Sieg

Das gilt auch für Maxi Eggestein selbst. Der U21-Nationalspieler ist im System von Florian Kohfeldt derzeit unverzichtbar, und das nicht nur aufgrund seiner enormen Laufstärke. Seine neue, offensivere Rolle im Mittelfeld interpretiert er wie die gesamte Mannschaft mit zunehmendem Selbstbewusstsein, was sich in Dortmund nicht zuletzt an seinem herrlichen Treffer zur Werder-Führung gezeigt hatte. Eggestein selbst kommentierte sein Traumtor bescheiden humorvoll: "Am Anfang war ich einen Moment selbst überrascht, dass ich den Ball so gut getroffen habe."

>>> Bartels erfolgreich operiert (via Werder.de)

© imago

Keine Überraschung ist es hingegen, dass Bremen nach dem Erfolg beim BVB jetzt auch das nächste Auswärtsspiel am Mittwoch mit breiter Brust angeht. "Wir fahren jetzt mit einem guten Gefühl nach Leverkusen", ist Florian Kohfeldt überzeugt. Mit Blick auf die schwere Verletzung von Fin Bartels sei es zwar ein teuer erkaufter Sieg gewesen. "Aber den gesteigerten Mut und das gesteigerte Selbstvertrauen können wir trotzdem mitnehmen."

Eine Einschätzung, die die Mannschaft bestätigt. Zlatko Junuzovic jedenfalls lässt keinen Zweifel am neuen Bremer Hochgefühl: "In Leverkusen kannst du auch auf jeden Fall was holen, wenn wir in unserem Flow bleiben, die positive Körpersprache mitnehmen und das Ganze selbstbewusst angehen. Jetzt wollen wir da auch gewinnen."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte