München - Wer seinen Urlaub unterbricht, hat normalerweise keine gute Laune. Mario Mandzukic ist da anders. Mit einem Lächeln im Gesicht läuft er nach der Ankunft aus Kroatien durch den Münchner Flughafen, um sich nach der Einigung mit dem FC Bayern medizinisch durchchecken zu lassen.

Seinem Engagement beim deutschen Rekordmeister steht nun nichts mehr im Wege. Der kroatische Nationalspieler ist nach Claudio Pizarro der zweite Neuzugang im Angriff und die seit langem von Präsident Uli Hoeneß geforderte "Bombe" für die Offensive.

Neue Facetten im Offensivspiel



"Mario komplettiert unsere neue Sturmreihe. Wir sind sehr zufrieden über diese Personalie und erwarten natürlich auch viel von ihm", erklärte Sportdirektor Christian Nerlinger gegenüber "SPORT1". "Uns war wichtig, dass wir unseren Kader in der Breite verstärken, weil wir auf allen drei Hochzeiten eine gewichtige Rolle spielen wollen." (Nils Petersen an Werder Bremen ausgeliehen)

Dabei bringt der ehemalige Wolfsburger neue Facetten ins Spiel der Münchner. Anders als Mario Gomez beteiligt sich Mandzukic intensiver am Spiel der eigenen Mannschaft. Ist das Zentrum zugestellt, weicht der zweikampfstarke Stürmer auf die Flügel aus oder lässt sich ins Mittelfeld fallen, um als zusätzliche Anspielstation zu fungieren. "Er ist nicht nur 90 Minuten unterwegs und ein toller Kopfballspieler, sondern auch technisch versiert", lobte sein bisheriger Trainer Felix Magath den Stürmer: "Er bringt also alles mit."

Harter Konkurrenzkampf



Mandzukic wird alle seine Fähigkeiten brauchen, um sich gegen die starke Konkurrenz durchzusetzen. Gomez ist durch seine Torquote (Saison 2011/12: 40 Tore in 50 Spielen) bislang gesetzt und mit Claudio Pizarro hat der FC Bayern einen weiteren Hochkaräter in der Hinterhand. Trainer Jupp Heynckes wird es freuen: Durch die "qualitative Verbreiterung" (Nerlinger) des Kaders eröffnen sich neue taktische Optionen.

In der letzten Saison agierten die Bayern vor allem gegen disziplinierte Gegner oft ideenlos und hatten auf der Bank nicht die notwendigen Alternativen, um neue Impulse zu setzen. Heynckes könnte je nach Situation das System wechseln (von 4-2-3-1 auf 4-4-2), ohne einen merklichen Leistungsabfall zu befürchten. Doch auch der vielversprechendste Angriff birgt Gefahren. Hält Heynckes an seiner Taktik mit einem Angreifer fest, sitzen permanent zwei Top-Stürmer auf der Bank. Unzufriedenheit scheint vorprogrammiert.

Dennoch: Vor allem zu Beginn der Saison wird ein hochwertiger Kader von Bedeutung sein. Das Gros der Stammelf der Münchner besteht aus deutschen Nationalspielern, die erste Ende Juli in die Vorbereitung einsteigen. Hinzu kommt die Verarbeitung der traumatischen Niederlage im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea sowie das Halbfinal-Aus bei der Europameisterschaft gegen Italien. Die Statistik spricht Bände: Seit 2006 haben die Bayern nach einem großen Turnier keine Meisterschaft gewonnen. Grund genug, seinen Urlaub zu unterbrechen.

Sebastian Schramm