München - Der Titel scheint vergeben, doch das internationale Geschäft lockt nach wie vor. Neben Borussia Dortmund als designierter Deutscher Meister und dem FC Schalke 04, der sich über den Gewinn des DFB-Pokals den Einzug in einen europäischen Wettbewerb sichern könnte, haben noch sechs Clubs reelle Chancen, in die Champions oder Europa League einzuziehen.

bundesliga.de stellt die Kandidaten vor und analysiert ihre Chancen, in der kommenden Saison im Europapokal zu spielen.

Nur ein Sieg

"Königsklasse" - schon allein dieses Attribut hebt die Besonderheit und Exklusivität des Wettbewerbs hervor: Hier spielen nur die Besten! Und die, die sofort danach kommen. In der Bundesliga berechtigt auch der 2. Platz zum Start in der Champions League. Der 3. Rang ermöglicht, über mehrere Qualifikationsrunden am ehemaligen Pokal der Landesmeister teilzunehmen. Und um eben diese beiden Position rangeln drei Vereine: Bayer Leverkusen, Hannover 96 und der FC Bayern München.

Die besten Karten hat derzeit die "Werkself", die den 2. Platz belegt und einen Vorsprung von sieben Punkten ihr eigen nennen darf. Dieses Polster macht die Rechnung für Trainer Jupp Heynckes und seine Spieler denkbar einfach: Im rheinischen Derby beim 1. FC Köln drei Punkte einfahren und in der kommenden Saison Champions League spielen!

Und dass die Dinge diesen Lauf nehmen werden, ist sogar äußerst wahrscheinlich. Seit 1997 ist Leverkusen gegen den FC ungeschlagen und feierte in den vergangenen 15 Aufeinandertreffen mit den Domstädtern elf Siege (vier Remis)! Doch selbst wenn Bayer ausrutschen sollte, steht mit dem SC Freiburg am 34. Spieltag ein weiterer Lieblingsgegner auf dem Plan.

Hannover oder Bayern?

Heißer, sogar um einiges heißer ist der Kampf um Rang 3. Derzeit hat Hannover 96 (57) leicht die Nase vorn, da es einen Punkt mehr gesammelt hat als die Bayern und somit sein Schicksal in der eigenen Hand hält. Drei Siege aus den ausstehenden drei Partien und es winkt die erste Teilnahme an der "Königsklasse" in der Vereinsgeschichte. Könnten die Niedersachsen die Ergebnisse aus der Hinrunde wiederholen, wäre ihnen dieser Erfolg kaum noch zu nehmen. Gegen Mönchengladbach (2:1), Stuttgart (2:1) und Nürnberg (1:3) gab es die sehr ordentliche Ausbeute von sechs Zählern.

Damit sind die Bayern gefordert. Sie müssen quasi jede der drei verbleibenden Partien gewinnen, um die Chance zu wahren, im kommenden Jahr das Endspiel der Champions League in der eigenen Arena bestreiten zu können. Dazu muss sich der Rekordmeister - die Ergebnisse der Hinrunde als Referenz - jedoch steigern. Im Winter gab es gegen den FC Schalke 04 eine 0:2-Pleite. Ein solcher Fauxpas könnte den CL-Träumen bereits ein jähes Ende setzen.

Doch auch wenn der Rekordmeister die optimale Ausbeute von neun Zählern einfahren sollte, liegt sein Schicksal immer noch in Hannovers Händen. Sollten die Niedersachsen ebenfalls ohne Ausrutscher die Saison beschließen, kämen sie auf 66 Punkte, der FCB auf 65 - und würde damit einen Rekord aufstellen, denn bislang reichte diese Punktzahl immer, um zumindest die Qualifikation zur "Königsklasse" zu schaffen.

Mainz in guter Position

Sicher hingegen ist den Bayern die Teilnahme an der Europa League. Was für Arjen Robben und Co. jedoch nur ein schwacher Trost sein dürfte, wäre für den 1. FSV Mainz 05, den 1. FC Nürnberg oder den Hamburger SV wohl der siebte Fußballhimmel.

Diesem am nächsten stehen derweil die Rheinhessen, die mit 49 Zählern Rang 5 belegen. Mainz hat mit Frankfurt und Schalke aber zunächst zwei ganz harte Brocken vor der Brust. Von den aktuellen Bundesligisten ist die Eintracht der einzige Verein, gegen den Mainz im Oberhaus noch nicht gewinnen konnte. Gegen Schalke verloren die 05er vier der letzten fünf Liga-Spiele und blieben dabei sogar torlos (525 Minuten).

Historisches Tief schon erreicht

An die Hinrunden-Ergebnisse der drei ausstehenden Spiele wird sich FSV-Trainer Thomas Tuchel wohl nur ungerne erinnern. Gegen Frankfurt und Schalke setzte es jeweils eine Niederlage. Nur gegen den FC St. Pauli punktete man, da aber immerhin dreifach.

Historisch gesehen hätten die Mainzer sogar mit ihrem aktuellen Punktestand von 49 Zählern Chancen, in die Europa League einzuziehen. 1996/97 reichten dem Karlsruher SC und 1860 München jeweils nur 49 Punkte, um sich für den damaligen UEFA-Cup zu qualifizieren.

"Club" und HSV lauern

Dass die Rheinhessen bei 49 Zählern stehen bleiben, wünschen sich wahrscheinlich der 1. FC Nürnberg und der Hamburger SV. Die beiden Clubs sind in Lauerstellung und hoffen auf einen Ausrutscher, um selbst noch den 5. Platz zu erhaschen.

Für die Hanseaten dürfte das jedoch schwierig werden. Derzeit beträgt der Rückstand bereits sechs Punkte, weshalb drei Siege Pflicht sind, um die Chance auf den EL-Einzug zu wahren. In der Hinrunde sammelte der HSV gegen Freiburg, Leverkusen und Mönchengladbach aber nur drei Zähler.

Einen mehr holte der "Club" aus den Partien gegen Dortmund, Hoffenheim und Hannover. Doch auch diese vier Punkte dürften zu wenig sein, um Mainz unter Druck zu setzen. Mainz, Nürnberg, Hamburg - alle drei Clubs haben noch die Möglichkeit, nach Europa einzuziehen. Jetzt heißt es: zugreifen!