Hannover - Nach seinem gerade noch ein Mal gut gegangenen Abenteuer in der Europa League bei Vorskla Poltava muss sich Hannover 96 wieder auf die Bundesliga konzentrieren. Schwer genug: Am Sonntag empfangen die "Roten" den Tabellenzweiten Werder Bremen (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Jahrelang war der Kampf um die Nummer 1 im Norden ein Zweikampf zwischen dem Hamburger SV und dem SV Werder Bremen, doch seit einem Jahr mischt Hannover 96 kräftig mit. Eine neue Situation, die das "kleine Nordderby" am Sonntag besonders reizvoll macht.

Fragezeichen hinter Pogatetz

Es ist eine neue Situation, welche die Kicker aus Hannover bisher nur als Außenstehende kannten: Unter der Woche europäisch, am Wochenende Bundesliga. Diesen Spagat erfolgreich zu meistern, kostet viel Kraft - vor allem aber mentale Stärke. Nach der erfolgreichen Mission im ukrainischen Poltava am Donnerstag wartet nun der Nordrivale aus Bremen auf die Slomka-Elf.

Traditionell elektrisiert dieses Nordderby die Anhänger beider Clubs, auch für 96-Coach Mirko Slomka wartet am Sonntag ein "ganz besonderes Spiel". Sollte es den "Roten" gelingen, ähnlich gut aufzutreten wie im vergangenen Jahr, als man den "Angstgegner" (Hannover kassierte gegen Bremen insgesamt 24 Niederlagen mit 104 Gegentreffer) dominierte und mit 4:1 in die Schranken wies, könnte der Rückstand auf den Kontrahenten auf nur einen Zähler verkürzt werden. Der "Kampf um den Norden" wäre wieder offener denn je. Dafür ist aber eine deutliche Steigerung gegenüber der zweiten Hälfte von Poltava nötig. Kapitän Steven Cherundolo weiß, dass die dort sichtbaren "taktischen Unzulänglichkeiten" unbedingt abgestellt werden müssen, wollen die Niedersachsen in der Erfolgsspur bleiben.

Möglicherweise kommen auf Mirko Slomka neue personelle Sorgen zu. Emanuel Pogatetz plagt sich mit Rückenproblemen herum, sein Einsatz ist gefährdet. Sollte der Österreicher ausfallen, müsste der 96-Trainerstab erstmals seine eingespielte Innenverteidigung sprengen, Mario Eggimann müsste einspringen. Damit steht auch das direkte interne österreichische Duell mit Marko Arnautovic auf der Kippe. Neben Pogatetz bleibt auch abzuwarten, ob Stürmer Didier Ya Konan gegenüber dem Poltava-Spiel bereits wieder einsatzbereit ist.

Sokratis wieder einsatzbereit

"Die Kräfteverhältnisse im Norden haben sich verschoben", stellte auch Werders Geschäftsführer Klaus Allfos vor allem im Hinblick auf die vergangene Saison fest. "Da hat Hannover gute Resultate erzielt und sich am Ende sogar verdient für die Europa League qualifiziert. Beim Titel um die Nummer 1 im Norden sind wir aber noch ein Stück voraus. Ich weiß aber, dass das je nach Region auch anders gesehen werden kann", sagt Allofs.

Seine griechische Trumpfkarte kann Werder Cheftrainer Thomas Schaaf im "kleinen Nordderby" ziehen. Sokratis ist fit für Hannover. Der Verteidiger selbst hatte diese Aussage bereits am Donnerstag getroffen, nachdem er zuvor wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen war. Auf der offiziellen Pressekonferenz vor dem Hannover-Spiel bestätigte nun auch der Bremer Coach: "Er steht am Sonntag zur Verfügung. Er hat das Training gestern problemlos absolviert. Ich bin froh, dass er wieder dabei ist." Leider gilt das nicht für Tim Borowski. Der Mittelfeldakteur kuriert bereits seit einigen Wochen an Knöchelproblemen. "Bei ihm gibt es nichts Neues", lautete Schaafs kurze Einschätzung zu dem Heilungsverlauf Borowskis.

Zum Streben nach dem Platz als "Nummer 1 im Norden" sagte Schaaf abschließend: "Am Sonntag erwartet und eine sehr interessante Partie. Hannover hat uns in der letzten Saison das Leben sehr schwer gemacht", so der Bremer Coach. "Man will sich immer beweisen und möchte im Norden die beste Position haben. Das wollen wir am Sonntag wieder beweisen." Das dieses Vorhaben kein Spaziergang wird, weiß Thomas Schaaf sehr genau. "Es wird eine Topleistung nötig sein, weil sich 96 deutlich gesteigert hat. Vergangene Saison haben sie eindrucksvoll auf sich aufmerksam gemacht und diese Leistungen in der aktuellen Saison bisher so fortgeführt."