München - Wer tritt den schweren Gang in die 2. Bundesliga an? Wer schafft in letzter Sekunde den Klassenerhalt? Der Abstiegskampf ist spannend wie selten zuvor. Der Abstand zwischen Relegationsplatz 16 und dem normalerweise gesicherten Mittelfeldplatz 10 beträgt nur mickrige sechs Punkte.

Dabei müssen sich der 1. FC Nürnberg (31 Punkte, 10. Platz) und der 1. FSV Mainz 05 (30 Punkte, 11. Platz) wohl die wenigsten Sorgen machen. Der "Club" überzeugt in der Rückrunde durch eine gut geordnete Defensive, kassierte lediglich neun Gegentreffer und ließ im Jahr 2012 nur 103 gegnerische Torschüsse zu - viertbester Wert der Bundesliga. Die Mainzer hingegen sprühen vor Offensivdrang. Als einziger Verein im "Oberhaus" trafen sie in der Rückrunde in jedem Spiel mindestens ein Mal. Ein weiteres Faustpfand ist die Heimstärke der Mainzer. Keines der vergangenen sieben Spiele ging in der heimischen Coface Arena verloren.

Hoffenheim und Köln im Abwärtstrend

Beim Tabellennachbarn 1899 Hoffenheim (30 Punkte, 12. Platz) ist die Stimmung trotz gleicher Punktzahl getrübt. Die Kraichgauer sind auf Rang 12 abgerutscht - nie stand der Club in der laufenden Saison schlechter da. Im Gegensatz zu den Mainzern bereiteten die im Abstiegskampf überlebenswichtigen Heimspiele Kopfzerbrechen. Seit mittlerweile acht Spielen wartet Hoffenheim auf einen "Dreier" in der Heimat (sieben Unentschieden, eine Niederlage).

Einen ähnlichen Abwärtstrend verzeichnet der 1. FC Köln (28 Punkte, 13. Platz). Am vergangenen Spieltag verloren die "Geißböcke" mit . "Es ist klar, dass wir im Abstiegskampf stecken, mit acht oder neun anderen Mannschaften", analysierte Trainer Stale Solbakken die Situation. Dabei zeigen die Kölner Schwächen, die in der Hinrunde noch zu ihren Stärken zählten. In den ersten neun Spielen der Rückrunde vergab der FC zehn von elf Großchancen - in den ersten 17 Partien war Köln mit 57 Prozent genutzter Großchancen noch das effektivste Team der Bundesliga. Und auch in der Defensive offenbart der FC große Probleme. Seit dem Beginn der zweiten Hälfte der Saison ließ das Team die meisten gegnerischen Torschüsse (159) zu.

Hamburg in Not - Freiburg und Augsburg im Aufwind

Bedenklich stellt sich die Situation beim Hamburger SV (27 Punkte, 14. Platz) dar. Der Bundesliga-Dino holte aus den letzten fünf Partien nur ein Pünktchen und kassierte in der Rückrunde neben Hertha BSC die meisten Gegentreffer (21). "Zuvor dachten wir, es läuft vielleicht einfach so. Dann haben wir gemerkt, nein, es läuft nicht einfach so. Wir müssen immer mit 100 Prozent zur Sache gehen. Dürfen nicht lieb und brav sein. Sondern müssen uns auch mal eine Gelbe Karte einhandeln", nahm Kapitän Heiko Westermann seine Kollegen in die Pflicht. Zudem besorgniserregend: Der HSV ist das heimschwächste Team der Bundesliga, gewann lediglich zwei der bisherigen 14 Begegnungen.

Anders als Köln, Hamburg und Hoffenheim befinden sich der FC Augsburg (26 Punkte, 15. Platz) und der SC Freiburg (25. Punkte, 16. Platz) im Aufwärtstrend. Standen die Breisgauer und der FCA zum Ende der Hinrunde noch auf einem direkten Abstiegsplatz, fanden beide Teams durch starke Leistung in den heimischen Stadien wieder zurück in die Spur. Augsburg ist zuhause seit sieben Spielen ungeschlagen, die Freiburger verloren im Jahr 2012 kein einziges Heimspiel. Beeindruckend: Mit dem FC Bayern, Werder Bremen und dem FC Schalke 04 trafen die Breisgauer auf starke Gäste.

Schwerer Stand für Hertha und Kaiserslautern

Die größten Sorgen im Abstiegskampf haben aktuell Hertha BSC (23 Punkte, 17. Platz) und der 1. FC Kaiserslautern (20 Punkte, 18. Platz). Die Berliner holten in der Rückrunde die wenigsten Punkte aller Bundesligisten (3) und verloren acht der vergangenen neun Spiele. "Wem unsere Lage jetzt noch immer nicht bewusst ist, der ist fehl am Platze", sagte Abwehrspieler Peter Niemeyer. Die Offensive ist zu harmlos (zwei Tore in der Rückrunde), die Defensive ist zu löchrig (21 Gegentreffer in neun Spielen).

Nach 16 seiglosen Spielen in Folge trennte sich Schlusslicht Kaiserslautern von Trainer Marco Kurz. Mit Krassimir Balakov holte der FCK einen ausgesprochenen Bundesliga-Experten. "Ich habe das Angebot des FCK angenommen, weil ich glaube, dass wir uns rausreißen und den Abstieg vermeiden können", sagte Balakov bei seiner offiziellen Vorstellung. Die Probleme liegen in der Offensive, in der Rückrunde traf der FCK lediglich vier Mal, alle Tore wurden von Abwehrspielern erzielt.

Wer am Ende absteigen wird, lässt sich nicht vorhersagen. Aber eins ist sicher: Es bleibt spannend bis zum Schluss!

Sebastian Schramm