München - "Tod oder Gladiolen": Kaum ein anderes Schlagwort bringt die Situation vor den beiden Relegationsduellen zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Bochum besser auf den Punkt als der Ausspruch des ehemaligen Bayern-Trainers Louis van Gaal.

17 Teams stehen für die kommende Bundesligasaison bereits fest - die beiden Westvereine streiten sich um den letzten freien Platz. Als Bundesligist haben die "Fohlen" auf dem Papier die Favoritenrolle inne - doch auch für den Zweitligisten sprechen einige Faktoren. bundesliga.de vergleicht drei Schlüsselspieler und die beiden Chefrainer miteinander.

Die Torhüter

Marc Andre ter Stegen (Gladbach): Der U-19-Nationalkeeper ließ im Schnitt lediglich 0,5 Tore pro Spiel zu. Bei seinen Vorgängern im Gladbacher Gehäuse waren es deutlich mehr: Christofer Heimeroth und Logan Bailly kassierten in dieser Saison im Schnitt je 2,2 Gegentreffer pro Partie. Ter Stegen wehrte in seinen sechs Saisonspielen 86,4 Prozent aller Torschüsse ab, eine solche Quote erreichte kein anderer Keeper der Bundesliga in dieser Saison. Zudem hielt der "Super-Bubi" in drei seiner sechs Partien den Kasten komplett sauber. Nur Christian Wetklo von Mainz schaffte es ebenfalls, seit dem 29. Spieltag drei Mal die Null zu halten.

Andreas Luthe (Bochum): In 30 Spielen kassierte Luthe lediglich 27 Gegentore. Das sind gerade mal 0,9 Gegentore pro Spiel. In 13 Partien spielte der Bochumer Torhüter zu Null. Nur Simon Jentzsch vom FC Augsburg und Martin Männel von Erzgebirge Aue hielten häufiger ihren Kasten sauber (je 14 Mal), kamen aber auch in 33 Partien zum Einsatz. Gerade im Saisonendspurt präsentierte sich der 24-Jährige als sicherer Rückhalt. In den letzten acht Spielen hielt er vier Mal die Null. Nur Zweitliga-Meister Hertha BSC hielt in diesem Zeitraum den Kasten häufiger sauber (fünf Mal).

Die Kapitäne

Filip Daems (Gladbach): Als einer von sechs Feldspielern in der Bundesliga verpasste Daems kein einzige Minute in der laufenden Saison. Mit 62 Prozent gewonnener Duelle ist der Kapitän der beste Zweikämpfer der Borussia (berücksichtigt wurden nur Spieler mit durchschnittlich mindestens vier Zweikämpfen pro Spiel). Als Kapitän übernahm Daems auch Verantwortung bei Elfmetern - und zeigte sich nervenstark. Vier Mal wurde der Borussia in dieser Saison ein Strafstoß zugesprochen, vier Mal verwandelte der Belgier.

Christoph Dabrowski: Der Bochumer Anführer war auch in dieser Saison wieder für Tore gut. Insgesamt vier Treffer erzielte Dabrowski, nur Federico (7), Aydin (9) und Tese (10) trafen für den VfL häufiger. Vor allem per Kopf sorgte der Hüne für Gefahr: Acht Mal köpfte er Richtung gegnerisches Tor, zwei Mal zappelte der Ball im Netz. Nur Tese (15) und Saglik (11) versuchten es häufiger per Kopf und nur der Koreaner (3) erzielte mehr Kopfballtreffer als der 32-Jährige (2, wie Yahia). Alle Partien, in denen das Bochumer "Kopfballungeheur" traf, gewann der VfL auch. Gegen Union, Duisburg und 1860 München feierte die Elf aus dem Ruhrpott Auswärtssiege, gegen Bielefeld gab es einen 3:1-Heimsieg.

Die Top-Torjäger

Marco Reus (Gladbach): Mit zehn Toren ist Reus der Toptorjäger der Borussia. Besonders im Saisonendspurt zeigte sich der angehende Nationalspieler treffsicher. In den letzten sechs Spielen gelangen ihm vier Treffer. Doch der dribbelstarke Angreifer war nicht nur selbst torgefährlich, sondern bereitete auch die meisten Tore bei den Gladbachern vor (acht Assists). Zudem gab er die meisten Torschussvorlagen bei den "Fohlen" (72). Mit insgesamt 18 direkten Torbeteiligungen liegt der Gladbacher Wirbelwind ligaweit auf dem geteilten 10. Platz in der Scorer-Rangliste. "Rakete" Reus suchte bei den Borussen auch am häufigsten das Dribbling (137 Mal, ligaweit Rang 7). 52 Mal gestaltete er Eins-gegen-Eins-Situationen erfolgreich (Platz 22).

Chong Tese (Bochum): Mit zehn Saisontreffern ist Chong Tese der erfolgreichste Torschütze der Bochumer, obwohl er im Saisonendspurt wegen einer Halswirbelverletzung fehlte. Gegen Gladbach wird der Koreaner aber wohl wieder im Aufgebot stehen. Ligaweit gaben nur fünf Angreifer mehr Torschüsse ab (78), obwohl Tese nur in 25 Spielen zum Einsatz kam. Im Schnitt gab er alle 21 Minuten einen Torschuss ab, nur drei Spieler suchten durchschnittlich häufiger den Abschluss. Tese ist nur schwer auszurechnen: Vier Mal traf er mit Links, drei mal mit Rechts und drei Mal per Kopf.

Die Trainer

Lucien Favre (Gladbach): Unter Favre holten die Borussen sechs Siege in zwölf Spielen. In den 22 Bundesligaspielen zuvor unter Frontzeck gelangen der Elf vom Niederrhein lediglich vier Siege. Favre schaffte es vor allem, die die Defensive zu stabilisieren: Unter seiner Regie kassierten die Gladbacher gerade mal neun Gegentore. Nur der Deutsche Meister Dortmund hatte in diesem Zeitraum eine ebenso sichere Defensive. 20 Punkte holten die Rheinländer unter Favre und sammelten damit in diesem Zeitraum nur knapp weniger als die für die Europa League qualifizierten Teams aus Mainz (21) und Hannover (22). In einer "Favre-Tabelle" stünden die "Fohlen" auf Platz 8.

Friedhelm Funkel (Bochum): Funkel übernahm den VfL Bochum vor der Saison und führte den Ruhrpott-Club auf Anhieb auf Platz 3. Sollte dem VfL die Rückkehr ins "Oberhaus" gelingen, wäre dies bereits der sechste Bundesliga-Aufstieg von Funkel. Der Trainerfuchs hat mit seinen bisherigen Vereinen nie den Aufstieg verpasst. Als Aktiver war Funkel unschlagbar, sobald es um Relegationsspiele ging. Zwei Mal schaffte er mit Bayer Uerdingen den Bundesliga-Aufstieg über den Umweg. Der Coach verfügt zudem über jede Menge Erstliga-Erfahrung. Insgesamt stand er schon 459 Bundesliga-Spiele an der Seitenlinie, nur sechs Trainer haben in der Bundesliga-Geschichte mehr Spiele auf dem Buckel.