Bayern München, FC Schalke 04 und Bayer Leverkusen liefern sich einen packenden Dreikampf um die Deutsche Meisterschaft. Es folgen die Wochen der Wahrheit. bundesliga.de hat Experten der drei Clubs zu Rate gezogen. Wer tippt auf wen? Was ist entscheidend im Endspurt? Gibt es eine erneute Sensation von Magath?

Schon am 28. Spieltag (27. März) empfängt Bayer Leverkusen den aktuellen Tabellenzweiten Schalke 04. Eine Woche später gastiert der FC Bayern bei den "Königsblauen", bevor am 10. April Leverkusen die Münchner zu Gast hat. Da schlägt das Fußballherz gleich höher.

In einem sind sich alle Experten einig: Meisterfavorit ist ganz klar der FC Bayern München. Allenfalls Außenseiterrollen werden den "Knappen" und der "Werkself" zugesprochen. Immer wieder kommen zwei Namen ins Gespräch, die im Meisterschaftskampf das gewisse Zünglein an der Waage spielen sollen: Frank Ribéry und natürlich ein derzeit überragender Arjen Robben. Außerhalb des Spielfeldes ist eher ein anderer Name in aller Munde. Felix Magath hat sich zu einem wahren Meistermacher entwickelt und arbeitet hart an der Sensation auf Schalke.

Wer wird Meister und warum?

Ulf Kirsten: Letztlich muss man immer die Bayern nennen, das hat die Vergangenheit gezeigt. Wir sind drei Punkte hinten dran und kommen aus der Lauerstellung. Die Bayern haben die meiste Erfahrung und können am besten mit Druck umgehen. Wenn alle Verletzten wieder dabei sind, haben sie die beste Mannschaft. Felix Magath hat sicherlich von den drei Trainern die größte Erfahrung im Meisterschaftskampf - wobei Jupp Heynckes ist ja auch ein alter Hase. Gegen die kleineren Mannschaften tun sich alle ein bisschen schwerer. Obwohl man natürlich bei den Bayern die Dreifachbelastung mit Champions League und Pokal sehen muss. Zudem haben sie Verletzungsprobleme - das macht die Sache nicht einfacher. Wer so ein bisschen obenauf ist, sind die Schalker. Die sind spielerisch nicht so überragend, aber dafür sehr konstant.

Ingo Anderbrügge: Ich tippe auf die Bayern. Arjen Robben ist schon in absoluter Hochform, Franck Ribery wird auch noch kommen und die sind einfach heiß. Über 34 Spieltage hat jedes Team mal das ein oder andere Tief, und der FCB hatte seins am Anfang der Saison. Alle drei Teams sind körperlich fit und haben genug Substanz - auch Bayern München kann mit seinem Kader der Dreifachbelastung durch die Champions League und den Pokal standhalten. Die Mannschaften sind heute auf diese Situationen vorbereitet und haben durchaus noch genug Regeneration.

Gerd Müller: Der FC Bayern wird Deutscher Meister, weil er von allen Teams die größte Erfahrung im Titelkampf hat. Darüber hinaus ist die Mannschaft äußerst stabil, zeigt Moral und auch großen Kampfgeist, wenn sie mal in Rückstand geraten sollte. Und mit Arjen Robben sowie Franck Ribéry verfügt der FC Bayern über die herausragenden Spieler der Bundesliga. Es wird sehr, sehr schwer für Schalke und Leverkusen.

Fällt die Entscheidung in den direkten Duellen?

Kirsten: Noch geben sich alle drei Mannschaften wenig Blöße, aber meiner Meinung nach ja. Wir haben eigentlich den besten Fußball gespielt und erst ein Spiel verloren. Bayer empfängt am 28. Spieltag Schalke, am 30. dann die Bayern, München ist am 29. auf Schalke zu Gast - danach ist wohl mehr als eine Vorentscheidung da.

Anderbrügge: Natürlich ist der direkte Vergleich im letzten Saisondrittel entscheidend. Das sind Sechs-Punkte-Spiele, in denen man für Vorentscheidungen sorgen kann. Was für Schalke 04 sprechen könnte ist die niedrigere Erwartungshaltung. Man ist erstmalig seit Jahren in die Saison gegangen und hat nicht vom Titel gesprochen. Eine Euphorie ist jetzt auch wieder entfacht. Die Mannschaft ist stabil und hat viele Spiele mit nur einem Tor Unterschied gewonnen, gerade zuhause. Ich sehe Schalke eher als Geheimtipp, Bayer 04 dahinter. Die Leverkusener spielen zwar überragend, vermitteln mir aber auch aufgrund der vergangenen Jahre nicht so die Sicherheit, dass sie nicht doch wieder einbrechen und in diesen entscheidenden Spielen patzen. Mein Tipp ist Bayern München und Schalke 04 als Geheimwaffe.

Müller: In den nächsten drei Wochen wird die Meisterschaft in meinen Augen entschieden. Die Bayern gewinnen auf Schalke und in Leverkusen.

Wiederholt Felix Magath den Meister-Coup auf Schalke?

Kirsten: Möglich ist alles. Felix Magath macht das natürlich geschickt, zumal er nicht so eine Mannschaft hat wie in der vergangenen Saison. Die Wolfsburger Mannschaft war wesentlich besser besetzt. Man muss Schalke für diese junge Mannschaft ein Riesenkompliment machen, die sind mit A-Jugend-Spielern oben dabei. Das hatte ihnen keiner zugetraut und könnte ein Überraschungsmoment für sie sein. Magath agiert nach außen hin sehr clever, das bleibt spannend.

Anderbrügge: Magath nimmt seiner Mannschaft viel Druck und fokussiert das Interesse sehr stark auf seine Person. In den vergangenen Jahren bestand die Konstellation oft aus einem teuren Team und weniger namhaften Trainern, mit der Belastung ist die Mannschaft - auch wenn sie personell stärker war als jetzt - oft nicht fertig geworden. Auch das Publikum ist in dieser Saison schon mit einem Platz im internationalen Geschäft - so wie es das ursprüngliche Saisonziel war - zufrieden. Außerhalb des Vereins wird durchaus zu Recht immer von Parallelen zu Wolfsburg gesprochen, und so macht´s vielleicht doch am Ende Schalke 04.

Müller: Okay, der Felix ist schon ein Fuchs, ein ganz cleverer Trainer. Aber ich glaube, dass die Mannschaft des FC Bayern in dieser Saison doch einen Tick besser ist und sich am Ende durchsetzen wird.

Die Gespräche führte Tim Tonner