Vor Werder Bremen liegen Festtage, auch wenn dass nach fünf Niederlagen in Folge etwas komisch klingen mag. Am Donnerstag findet zu Ehren von Werders 111. Geburtstag ein Empfang im Bremer Rathaus statt, am Samstag folgt die legendäre "Grün-Weiße Nacht" der Norddeutschen.

Damit die Laune am Samstag aber auch tatsächlich standesgemäß werden kann, ist die Mannschaft von Thomas Schaaf schon einen Abend zuvor gefordert - beim Heimspiel gegen Hertha BSC.

Werder lässt zu viel zu

Da gilt es für Werder, den Teufelskreis zu durchbrechen, in den das Team vor allem seit Rückrundenbeginn geraten ist: Die Bremer sind im Angriff wie gewohnt immer für zwei bis drei Tore gut, doch bei den aktuellen Abwehrproblemen bringt alle Offensivstärke wenig.

Acht Gegentore kassierte Werder in drei Rückrundenspielen. Das sind schon jetzt halb so viele wie in der gesamten Hinrunde, fast jeder dritte Schuss des Gegners (29 Prozent) war im Jahr 2010 ein Treffer.

Torhüter Tim Wiese konnte nur 58 Prozent der Schüsse auf sein Tor in der Rückrunde abwehren, was aber auch daran lag, dass die gegnerischen Angreifer ein ums andere Mal völlig frei vor ihm auftauchten.

Schaaf nimmt Abdennour in Schutz

Den von einigen Seiten nach der 3:4-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach scharf kritisierten Neuzugang Aymen Abdennour nahm Werder-Trainer Thomas Schaaf demonstrativ in Schutz.

"Ich finde es fahrlässig, wie man hier mit einem jungen Spieler umgeht", sagte Schaaf, der es als seine Pflicht sieht, Abdennour Rückendeckung zu geben: "Ich bin davon überzeugt, dass Aymen sich völlig mit den Aufgaben von Werder Bremen identifiziert und der Aufgabe gewachsen ist."

Etwas leichter könnte diese Unternehmung für Abdennour und seine Kollegen am Freitagabend werden. Denn auch die Hertha befindet sich im Jahr 2010 in einem Teufelskreis: Zwar gab das Team von Trainer Friedhelm Funkel in der Rückrunde bislang 47 Torschüsse ab, verwertete aber nur ganze acht Prozent seiner Chancen.

Nach der Anfangseuphorie durch den 3:0-Sieg bei Hannover 96 liegt dieser Wert wieder genau im Durchschnitt der gesamten, bislang so unglücklich verlaufenen, Saison.

Herthas Defensive steht

Anschauungsunterricht können die Hertha-Stürmer in dieser Woche zumindest auf der Vereinswebsite nehmen: Da dürfen die Fans aus 21 Treffern das schönste Hertha-Tor der Bundesligageschichte wählen - das Schwelgen in positiven Erinnerungen, vielleicht macht es ja Mut.

Richtig Mut werden sich die Berliner vor der Reise nach Bremen aber damit machen, dass sie in der Defensive seit dem Rückrundenstart beileibe nicht die Probleme haben, die Werder zu schaffen machen. Als einziges Bundesligateam hat der Tabellenletzte aus der Hauptstadt im Jahr 2010 noch kein einziges Gegentor kassiert.

Duell zweier angeschlagener Boxer

Plakativ gesagt ist das Freitagsspiel also das Aufeinandertreffen zweier angeschlagener Boxer: Der eine hat die Deckung unten, aber der andere einen Krampf in der Führhand.

Wenn Werder und die Hertha den Weg aus ihrem Teufelskreis rechtzeitig herausfinden, könnte sich aus diesem Duell trotzdem ein offener Schlagabtausch entwickeln.

Matthias Becker