Stuttgart - Der VfB Stuttgart: zuletzt formschwach und verunsichert. Der Hamburger SV: heftig um Bodenhaftung bemüht. Es ist schwer abzusehen, was einen bei der Partie der beiden Mannschaften am Sonntag (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) erwartet. Klar ist nur: Punkte brauchen beide dringend, denn zumindest ein klein wenig will man doch noch oben in der Liga mitmischen.

Zuversicht sieht anders aus. Als William Kvist am Donnerstagabend nach der enttäuschenden 0:2-Heimniederlage im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League gegen Lazio Rom vor die Presse tritt, kann er die entscheidende Frage nicht entschlossen beantworten. "Ich kann nicht garantieren, dass wir gegen Hamburg einen anderen VfB sehen werden", erklärte der Däne gegenüber bundesliga.de in gewohnt schüchterner Manier. Deutlich war ihm in den Katakomben der Mercedes-Benz-Arena anzumerken, wie sehr der ängstliche Auftritt den Schwaben gegen die abgezockten Italiener noch in den Klamotten steckte.

VfB in der Kreativ-Krise

Es war dann auch nicht verwunderlich, dass sich der Schock auch einen Tag später noch im Gesicht von Bruno Labbadia widerspiegelte. "Der HSV wird wieder eine harte Nuss", meinte der VfB-Trainer am Freitag auf der abschließenden Pressekonferenz.

Stuttgart ist verunsichert. Zu dürftig waren die Ideen, zu bieder der Auftritt, zu verunsichert das gesamte Erscheinungsbild der Mannschaft in den vergangenen Wochen. In der Liga schwebt man irgendwo im Niemandsland, braucht aber dringend noch Punkte, um den Abstieg endgültig und vorzeitig zu vermeiden. Labbadias Hauptaufgabe ist es derzeit, sich vor seine Mannschaft zu stellen. Das tat er auch am Freitag: "Die Mannschaft geht permanent an ihre Grenzen", meinte er angesprochen auf die Dreifachbelastung mit Bundesliga, Europa League und DFB-Pokal. Der Kader sei "brutal eng" gestrickt, in den vergangenen zweieinhalb Jahren sei er nur "am reparieren" gewesen, um sogleich hinterher zu schieben: "Das ist kein Jammern, sondern eine Feststellung."

HSV will "mal zu null spielen"

Mitleid würde den Stuttgartern vor dem wichtigen Spiel gegen den HSV auch nicht weiterhelfen. Denn noch ist vieles möglich in dieser Spielzeit, es warten die entscheidenden Wochen. Auch wenn die Chancen in der Europa League beinahe verspielt sind, könnte man mit einem Sieg gegen Hamburg den Anschluss ans obere Tabellendrittel wiederherstellen. Und im DFB-Pokal leben die Schwaben vor dem Halbfinale gegen den SC Freiburg immer noch den großen Traum vom Finale in Berlin.

Keine Sorgen muss sich Hamburgs Trainer Thorsten Fink um einen Stuttgarter machen, der sich gegen Lazio ins Rampenlicht gespielt hat. Der junge Rumäne Alexandru Maxim hat sich gegen Rom einen Nasenbeinbruch und eine Gehirnerschütterung zugezogen und wird am Sonntag definitiv fehlen. Eine erhebliche Schwächung, die Fink bei seinen Plänen in die Karten spielt. "Wir wollen mal zu null spielen", gab der HSV-Coach am Freitag die Marschroute vor. Denn: "Ein Tor schießen wir immer." Vorsicht ist also die Mutter der Porzellankiste im hohen Norden.

Hoffnungsträger Ibisevic

Und das auch in Sachen weitere Zielsetzung. Während man zuletzt immer mal wieder vom Erreichen der Europa League gesprochen hat, will man nun davon nichts mehr wissen. "Das ist doch ein Spielchen, jede Woche um Europa zu diskutieren", sagte Linksverteidiger Marcell Jansen. Und auch sein Trainer setzt momentan lieber auf mittelfristige Entwicklungen. "Wichtig ist: Wie entwickelt sich die Mannschaft in einem halben Jahr." Naja, die Punkte am Sonntag würde er wohl dennoch gerne mitnehmen. "In Stuttgart wollen wir einen Schritt nach vorne machen", gab Jansen offen zu.

Erschwert wird dies durch die Rückkehr von VfB-Torjäger Vedad Ibisevic. Der Bosnier ist nach seiner Sperre gegen Rom wieder dabei und selbstredend sofort wieder der große Hoffnungsträger. Ohne ihn läuft es nicht bei den Stuttgartern, er ist mit seinen Treffern beinahe immer der Türöffner und unersetzlich für die Labbadia-Truppe.

Jens Fischer



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