München - Wenn sich am Samstag der 1. FC Kaiserslautern und Bayer Leverkusen gegenüberstehen, wird in der Pfalz wieder mit Unbehagen an den 18. Mai 1996 zurückgedacht. An jenem Nachmittag vor knapp 15 Jahren verfiel die ganze Region in tiefe Depressionen: Um Viertel nach Fünf spielten sich an diesem Tag Szenen ab, die selbst hartgesottene Weltmeister aus der Fassung brachten.

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Ein völlig aufgelöster Andreas Brehme heulte im TV-Interview Rotz und Wasser und musste von Rudi Völler in den Arm genommen und getröstet werden. Der Verteidiger war gerade mit dem 1. FC Kaiserslautern nach einem 1:1 bei Bayer Leverkusen aus der Bundesliga abgestiegen. Dabei hatten die "Roten Teufel" in dem "Abstiegsfinale" bis zur 81. Minute nach einem Treffer von Pavel Kuka mit 1:0 in Front gelegen, bevor Markus Münch mit einem Kunstschuss die Lichter in der Pfalz ausslöschte.

"Es war ein toller Moment für mich"

Der damalige Bayer-Verteidiger erinnert sich bei bundesliga.de noch genau an die Szene: "Ich stand auf Höhe der Sechzehnmeter-Linie und habe gesehen, wie Mike Rietpietsch zum Schuss ausholte. Ich habe auf den Abpraller gelauert und bin instinktiv in Richtung Torwart gelaufen. Andreas Reinke hat den Ball tatsächlich abprallen lassen, genau vor meine Füße. Ich dachte nur, Augen zu und durch, und habe die Kugel dann per Seitfalldreher rechts oben in den Winkel gehauen. Sicher war auch etwas Glück dabei, aber das war natürlich ein toller Moment für mich."

Wenn am 28. Spieltag nun die Neuauflage abgepfiffen sein wird, dürften sich derartige Szenen nicht wiederholen. Zwar stecken die "Betzebuben" wieder mitten im Abstiegskampf, doch selbst bei einer Heimniederlage müsste der FCK noch lange nicht aufgeben. Und für die Bayer-Elf, die vor 15 Jahren bei einer Niederlage ebenfalls abgestiegen wäre, war die damalige Saison ein einmaliger Ausrutscher. Längst hat sich die "Werkself" in der Beletage der deutschen Eliteliga etabliert und greift mal wieder nach einem Champions-League-Platz - mindestens.

Denn nach dem vergangenen Spieltag, als die Bayer-Truppe den FC Schalke 04 mit 2:0 besiegte und der BVB nur 1:1 gegen Mainz spielte, ist der Rückstand zum Tabellenführer auf sieben Punkte geschrumpft. Zwar hält Bayer im Titelkapmf den Ball noch flach, doch im Fall der Fälle will man gerüstet sein. Dazu gehört ein "Dreier" in der Pfalz - was kein allzu schweres Unterfangen sein dürfte - glaubt man zumindest der Statistik.

Der Angstgegner kommt auf den Betzenberg

Leverkusen ist für den FCK nämlich so etwas wie der Angstgegner: Nur eines der letzten 20 Bundesliga-Duelle mit den Rheinländern konnte Kaiserslautern für sich entscheiden. 13 Niederlagen und sechs Remis stehen außerdem zu Buche. Allerdings geht der Aufsteiger mit breiter Brust in die Partie, hatte man am vergangenen Spieltag doch einen wichtigen 1:0-Sieg in Mönchengladbach gefeiert und sich etwas Luft im Abstiegskampf verschafft. 31 Zähler stehen für den FCK bislang zu Buche - drei Punkte vor dem Relegationsplatz.

Doch auch die Formkurve der Elf von Jupp Heynckes zeigt deutlich nach oben: Fünf der letzten sechs Bundesliga-Spiele (bei einem Remis) gewann Bayer 04 - damit ist man die beste Rückrundenmannschaft der Bundesliga. Spannend wird nun sein, wie das Team Heynckes' angekündigten Wechsel zum FC Bayern am Saisonende verkraftet hat. Bei einem weiteren Sieg dürfte Bayer vielleicht sogar vom Titel träumen, während der FCK wieder tiefer im Schlamassel stecken würde. Aber selbst dann müsste in der Pflaz noch niemand getröstet werden.

Johannes Fischer