Mönchengladbach - Es war eine kräftige Standpauke, die Rainer Bonhofs Fußball-Karriere den nötigen Kick gab. "Bonhof, aus dir wird höchstens ein Straßenkehrer", gab sein Lehrer dem jungen "Bonni" zum Schulabschluss mit auf den Weg.

"Ich wäre ihm am liebsten an den Hals gesprungen", erinnert sich Bonhof, der am Donnerstag (29. März 2012) 60 Jahre alt wurde: "Der Satz brannte wie Feuer in mir. Er hat mich nie mehr in Ruhe gelassen."

Dank Weisweiler zur Borussia



Die Antwort gibt Bonhof auf dem Platz. Und wie: Im WM-Finale 1974 spielt er den entscheidenden Pass, holt mit Borussia Mönchengladbach vier Meisterschaften, gewinnt 1996 als Assistent von Berti Vogts den EM-Titel. Keine schlechte Bilanz für einen, der einmal Rennfahrer werden wollte. Wenn Bonhof heute in seinem Austin-Healey-Oldtimer am Gladbacher Stadion vorfährt, sieht er sein eigenes Konterfei in Überlebensgröße am Stadion hängen. "Rainer Bonhof, Jahrhundertelf, Nummer 6" steht da geschrieben.

Aufgewachsen ist Bonhof in einfachsten Verhältnissen an der Grenze zu den Niederlanden. "Da wir zu den Ärmsten der Armen gehörten, drehte Mama jede Mark zwei Mal um", erinnert er sich 1977 in seinem Buch "So habe ich mich durchgebissen". Mit den Eltern und drei Geschwistern teilt er sich zwei Zimmer. Und, im kleinen Städtchen Emmerich völlig normal: Alle sechs haben die niederländische Staatsbürgerschaft.

Den "schönen, schwarzen holländischen Pass" besitzt Bonhof auch noch, als er im September 1969 sein erstes Juniorenländerspiel für den DFB bestreitet - gegen die Niederlande. "Das störte damals niemanden", so Bonhof, der prompt ein Tor schießt. "Und ausgerechnet bei dem Spiel hat Hennes Weisweiler mich gesehen und dann entschieden, mich zur Borussia zu holen", erzählt Bonhof, der damals 17 Jahre alt ist.

Vorlage zum WM-Titel



Fünf Jahre später trifft Bonhof wieder auf die Niederlande, diesmal im WM-Finale. Mit 22 ist er der Jüngste im Kader, nach der Niederlage gegen die DDR rückt er in die Startelf. "Vollgepackt von unbändigem Ehrgeiz" sei Bonhof gewesen, erinnert sich Bundestrainer Helmut Schön später. Im Endspiel schaltet der Neuling Johan Neeskens aus und gibt die Vorlage zum 2:1-Siegtreffer durch Gerd Müller. "Die Holländer machten einen Fehler: Sie wollten uns zeigen, wie Fußball gespielt wird", sagt Bonhof später über seinen größten Tag.

Mit Gladbach setzt Bonhof anschließend seine Titelsammlung fort, 1978 wechselt er zum FC Valencia. In Spanien gewinnt er an der Seite des Argentiniers Mario Kempes den Europapokal der Pokalsieger und kehrt 1980 geschwächt ("Das Training in Valencia war zu lasch") in die Bundesliga zurück. Weder in Köln noch Berlin kann er an seine alten Erfolge anknüpfen, 1983 beendet er nach 311 Bundesligaspielen und 57 Toren seine aktive Laufbahn.

EM-Titel mit Vogts - als Trainer



Es beginnt Teil 2 des Bonhof'schen Fußball-Lebens. Sein alter Freund Berti Vogts holt ihn 1990 zur Nationalmannschaft, gemeinsam gewinnen sie später die EM in England. "Dieser Titelgewinn war überragend", sagt Bonhof. 1998 kehrt er als Cheftrainer zur Borussia zurück, wo die alte Liebe auf eine harte Probe gestellt wird: "Es war nicht einmal Geld da, um Verbandszeug zu bestellen oder die defekte Heizung im Bus zu reparieren." Mit Bonhof steigt Borussia erstmals in der Vereinsgeschichte ab, wenig später wird er entlassen.

Am 10. Februar 2009 kehrt Rainer Bonhof zur Borussia zurück, diesmal als Vizepräsident. Dort feiert am Donnerstag nun auch seinen 60. Geburtstag. Sein größter Wunsch: Gesundheit. Und natürlich Erfolg für Gladbach. "Langfristig wollen wir daran arbeiten, dass sich die Situation des Vereins verbessert. Und da befinden wir uns auf einem guten Weg", sagt er,

Seinen Lehrer hat Rainer Bonhof Jahre nach der Straßenfeger-Standpauke noch einmal getroffen. "Ich habe ihm triumphierend gesagt, dass er sich da wohl ein bisschen geirrt habe", so Bonhof: "Er konnte sich an seinen Ausspruch aber nicht mehr erinnern."