Zusammenfassung

  • Corentin Tolisso ist der dritte ausländische Weltmeister beim FC Bayern München
  • Seit 1982 stand immer mindestens ein FCB-Spieler im WM-Finale
  • Tolisso hat sogar sein Vorbild Franck Ribéry überflügelt

Köln – In der Startelf stand Corentin Tolisso zwar nur zwei Mal bei dieser Weltmeisterschaft. Dennoch spielte der Mittelfeldstar des FC Bayern München eine entscheidende Rolle im Uhrwerk der französischen Nationalmannschaft. Fünf Mal kam er während der WM zum Einsatz, auch im Finale setzte Nationaltrainer Didier Deschamps auf die Qualitäten des 23-Jährigen, um das 4:2 gegen Kroatien über die Zeit zu bringen. Nun ist Tolisso Weltmeister und setzt damit eine lange Tradition beim FC Bayern fort.

Als die Bayern den jungen Franzosen mit togolesischem Vater im Sommer 2017 von Olympique Lyon holten, wunderten sich viele Experten über die Verpflichtung. Zwar hatte Tolisso für den einstigen französischen Serienmeister in vier Jahren 116 Spiele in der Ligue 1 bestritten, dabei immerhin 21 Tore erzielt, und war auch zwölf Mal in der Champions League zum Einsatz gekommen, dennoch trauten ihm viele keine tragende Rolle beim deutschen Rekordmeister zu. Hinzu kam die hohe Ablösesumme, die Tolisso angeblich zum Rekordtransfer der Bayern machte.

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Freude und Nationalstolz: Corentin Tolisso feiert den WM-Triumph © gettyimages / Dan Mullan

Doch Tolisso strafte seine Kritiker schnell Lügen. Gleich zum Saisonauftakt stand der Franzose gegen Bayer 04 Leverkusen über 90 Minuten auf dem Platz und hatte mit seinem Tor zum 2:0 maßgeblichen Anteil am 3:1-Sieg. Auch danach überzeugte Tolisso im starken Bayern-Mittelfeld, wo sich gerade im Zentrum zahlreiche Stars um die wenigen Startplätze streiten, immer wieder mit überragenden Leistungen. Immerhin auf 26 Einsätze in der Bundesliga kam er, erzielte sechs Tore und bereitete vier vor. In der Champions League lief er acht Mal auf und war an fünf Treffern (3 Tore, 2 Assists) beteiligt. Am Ende war er erstmals Deutscher Meister.

Tolisso tritt in große Fußstapfen

Nun hat der 23-Jährige noch einen "Pott" in seiner Vitrine. Weltmeister! Bei den Bayern tritt er damit in die Fußstapfen ganz vieler großer Stars, von Beckenbauer über Matthäus bis hin zu Lahm. Kein anderer Club in Deutschland hat so viele Weltmeister hervor gebracht wie die Münchner. 2014, als Deutschland in Rio triumphierte, standen gleich sieben Weltmeister in Diensten des FCB.

Video: Sensationelles Tor von Tolisso

Entsprechend stolz sind die Bayern auf ihren jüngsten Weltmeister. "Wir alle freuen uns sehr für ‚Coco‘, dass er mit Frankreich den Gipfel im Weltfußball erklommen hat", gratulierte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. "Frankreich war in meinen Augen das beste Team bei der WM in Russland. Und Tolisso hat über das gesamte Turnier einen maßgeblichen Teil dazu beigetragen."

""Frankreich war in meinen Augen das beste Team bei der WM in Russland. Und Tolisso hat über das gesamte Turnier einen maßgeblichen Teil dazu beigetragen." Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender FC Bayern München)

Zumal Tolisso für die Fortsetzung einer langen Bayern-Tradition gesorgt hat. Seit 1982, als Rummenigge selbst an der Seite von anderen Stars wie Paul Breitner in Spanien im Finale der WM gespielt hat, stand immer mindestens ein Bayern-Akteur im Endspiel auf dem Platz. Und Tolisso ist der dritte Bayern-Ausländer, der dem WM-Titel gewinnt.

1994 gewann Jorginho mit Brasilien die WM in den USA. Vier Jahre später holte sich Linksverteidiger Bixente Lizarazu mit Frankreich im eigenen Land den Weltpokal. Tolisso hat mit seinem Triumph nun sogar sein großes Vorbild und Landsmann in Reihen der Bayern übertrumpft. Franck Ribéry, einst sogar Europas Fußballer des Jahres, wurde mit Frankreich 2006 "nur" Vizeweltmeister. Tolisso wird ihn den Pott sicher mal streicheln lassen.

Tobias Schild