Die Ära des umstrittenen Raymond Domenech geht zu Ende, die "Equipe Tricolore" setzt nach der WM in Südafrika ganz auf die Karte Laurent Blanc: Der Weg für den Weltmeister von 1998 als Coach der französischen Nationalmannschaft zur neuen Saison ist endlich frei.

Am Donnerstag erzielten der französische Verband FFF und Blancs Arbeitgeber Girondins Bordeaux Einigung über eine Freigabe aus dem bis 30. Juni 2011 datierten Vertrag des Ex-Profis mit dem Traditions-Club.

Wunschkandidat

Es wird allerdings nicht erwartet, dass der 44-Jährige noch vor der WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) als neuer Coach offiziell präsentiert wird. Bei der Endrunde am Kap der guten Hoffnung wird die "Equipe Tricolore" von Domenech letztmalig betreut.

Schon lange galt Blanc, der aufgrund einer Sperre im WM-Finale vor zwölf Jahre im Stade de France von St. Denis gegen Brasilien fehlte, als Wunschkandidat des Verbandes. Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes hatte stets den 97-maligen französischen Nationalspieler für die Domenech-Nachfolge favorisiert. Blanc hatte vor drei Jahren die Girondins übernommen, in der Saison 2008/2009 hatte er die Südfranzosen zur Meisterschaft und den Ligapokalsieg geführt.

Platz 6 in der Ligue 1

"Es freut mich sehr, von seinem Interesse an dem Job zu hören. Er ist aufgrund seiner Erfolge, seiner Persönlichkeit und seines Charismas der Prototyp eines Nationalcoaches, den der französische Verband sucht", hatte Escalettes am letzten Sonntag erklärt. Zuvor hatte Girondins bekannt gegeben, dass der Noch-Coach des Clubs neuer französischer Nationaltrainer werde.

Bereits zuvor hatten sich die Anzeichen verdichtet, dass Blanc der Wunschkandidat des Verbandes für die Zeit nach der WM ist. Escalettes hatte bestätigt, dass er Blanc gerne unter Vertrag nehmen würde. Allerdings stand zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung des Ex-Profis noch aus.

In der Ligue 1 belegte der Coach mit Girondins in der am vergangenen Samstag zu Ende gegangenen Saison den 6. Platz. Im Viertelfinale der Champions League war Bordeaux im französischen Duell an Olympique Lyon gescheitert.

Vertrauen in Domenech aufgebraucht

Für Domenech wird die WM-Endrunde in Südafrika nun allerdings noch schwerer. Der exzentrische Fußballlehrer musste harsche Kritik in den letzten Monaten einstecken. Schon bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz stand er nach dem Vorrunden-Aus der Franzosen vor dem Rauswurf. Nur dank des Handspiels von Thierry Henry im Playoff-Duell gegen Irland hatte sich der Weltmeister von 1998 im vergangenen Jahr für die Endrunde in Südafrika qualifiziert.

Das öffentliche Vertrauen in Domenech war zuletzt immer weiter gesunken. Laut einer gemeinsamen Umfrage der französischen Sport-Tageszeitung L'Equipe, des Internetportals MSN und von TV RTL waren nach der Nominierung des WM-Kaders nur noch 22 Prozent von den Fähigkeiten des Trainers überzeugt.

Trotzdem trägt der Trainer, der Frankreich immerhin ins WM-Finale 2006 in Berlin gegen Italien geführt und mit seiner Mannschaft erst im Elfmeterschießen nach der Roten Karte für Superstar Zinedine Zidane in der Verlängerung den Kürzeren gezogen hatte, die sportliche Verantwortung.