Zusammenfassung

  • Benjamin Pavard ist binnen zwei Jahren vom Zweitliga-Spieler mit Problemen zum Weltmeister gereift
  • Die Umschulung zum Rechtsverteidiger unter Hannes Wolf hat sich für ihn bewährt
  • Er ist nach Guido Buchwald und Carlos Dunga der dritte Stuttgarter Weltmeister

Köln – Als Benjamin Pavard am 30. August 2016 beim VfB Stuttgart vorgestellt wurde, sagte der damalige VfB-Sportvorstand Jan Schindelmeiser: "Wir trauen ihm eine tolle Entwicklung zu". Dass diese Entwicklung aber nicht einmal zwei Jahre später mit dem Gewinn des WM-Pokals einen vorläufigen Höhepunkt erfahren würde, hätte wohl keiner der Beteiligten für möglich gehalten. Zumal der junge Franzose bei den Schwaben einen Fehlstart hinlegte.

Pavard kam damals mit lediglich 21 Ligaspielen in Frankreich für den OSC Lille zum VfB Stuttgart – zu jener Zeit Absteiger aus der Bundesliga. Und die Eingewöhnung in Deutschland brauchte seine Zeit. So galt Pavard in seinen ersten Monaten bei den Schwaben in der 2. Bundesliga nicht selten als Sicherheitsrisiko. Sein damaliger Trainer Hannes Wolf etwa erinnert sich an eine 0:5-Niederlage gegen Dynamo Dresden im Oktober 2016, als sich der junge Franzose mehrfach mit allzu einfachen Mitteln überlaufen ließ. "Er kann sich in Ruhe entwickeln, aber das müssen wir sofort abstellen", warnte Wolf damals und setzte Pavard erst einmal wieder für ein paar Spiele auf die Bank.

Ein Moment des Glücks: Benjamin Pavard küsst den WM-Pokal © imago / Sven Simon

Doch vielleicht war gerade jenes Spiel gegen Dresden der Auslöser, warum Pavard sich heute Weltmeister nennen darf. Denn Wolf plante ihn fortan als Rechtsverteidiger ein. Eine neue Rolle, mit der er sich auf Anhieb gut anfreunden konnte. Dort spielte er beinahe die gesamte Zweitligasaison 2016/17 und war somit auch einer der Aufstiegsgaranten. Und es ist eben genau jene Position, die Pavard auch heute bei der Equipe Tricolore einnimmt.

Nationanalspieler nach elf Bundesliga-Partien

Die leichten Fehler konnte der hoch veranlagte Pavard schnell abstellen und so war er in der Bundesliga-Saison 2017/18 schließlich unverzichtbar für den VfB. Egal ob als Rechtsverteidiger, Innenverteidiger oder Sechser: Auf Pavard wollten weder Hannes Wolf noch dessen Nachfolger Tayfun Korkut verzichten. Er fehlte 2017/18 keine Sekunde auf dem Platz.

Video: Dauerbrenner Pavard

Im November 2017 belohnte ihn Didier Deschamps dann erstmals mit einer Nominierung für die A-Nationalmannschaft. Für viele Beobachter zunächst überraschend, hatte Pavard damals doch gerade erst einmal elf Bundesliga-Spiele auf dem Buckel. Sollte das reichen, um neben den Superstars wie Antoine Griezmann, Paul Pogba oder Kylian Mbappe zu bestehen? Doch beim französischen Verband waren die Fähigkeiten des Defensiv-Allrounders schon bestens aus der U19 und der U21 bekannt.

"Auch wenn er noch jung ist, strahlt er schon sehr viel Ruhe und Reife aus" Didier Deschamps (Nationaltrainer Frankreich)

"Auch wenn er noch jung ist, strahlt er schon sehr viel Ruhe und Reife aus", lobte Deschamps den Stuttgarter nach einigen Auftritten für Frankreich und setzte ihn vom ersten Spiel an als Rechtsverteidiger an der Seite von Raphael Varane (Real Madrid) und Samuel Umtiti (FC Barcelona) ein.

Und wer hätte schon gedacht, dass Pavard als Stammspieler in das WM-Turnier nach Russland geht? Lediglich beim finalen Gruppenspiel gegen Dänemark, wo das Erreichen des Achtelfinals schon feststand, wurde Pavard geschont. Sein phänomenales Tor im Achtelfinale gegen Argentinien wird wohl bei jedem WM-Rückblick zu sehen sein und als Weltmeister des VfB Stuttgart darf der 22-Jährige nun in einem Atemzug mit seinen prominenten Vorgängern Guido Buchwald (1990) und Carlos Dunga (1994) genannt werden.

Karol Herrmann