Was für eine Spielzeit! - Hochspannung bis zum Ende: Am letzten Spieltag hatten noch drei Teams die Chance auf die Meisterschaft - Wolfsburg machte das Rennen. Im Tabellenkeller kämpften vier Teams um die Existenz - Bielefeld blieb auf der Strecke, Cottbus rettet sich wenigstens in die Relegation. Für ein Start-Ticket zur neuen Europa League gab es zwei Bewerber - Hamburg setzte sich gegen Dortmund durch.

Doch neben den sportlichen Entscheidungen gab es zahlreiche interessante Randnotizen einer außergewöhnlichen Saison 2008/09.bundesliga.de hat die TOP-10 zusammengetragen.

Trainer der Saison: Felix Magath

Der Aufstieg des VfL Wolfsburg unter Felix Magath toppt sogar die Kursentwicklung der VW-Aktie zu ihren besten Zeiten. Als der Ex-Nationalspieler die Niedersachsen vor zwei Jahren in Dreifach-Funktion übernahm, hatten sie gerade zum zweiten Mal in Folge den Abstieg mit Mühe und Not verhindert. 24 Monate später ist Wolfsburg Meister - ebenso unerwartet wie verdient. Magath hat die einstige "graue Maus" der Liga zu einem Top-Club umgekrempelt, der spätestens seit dieser Rückrunde für attraktiven Offensivfußball nach englischem Vorbild steht. Sein Händchen für entwicklungsfähige Spieler höchster Güte hat sich in dieser Zeit reihenweise bewährt. Noch am Abend des größten Vereinstriumphes gab VfL-Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch bekannt, dass Armin Veh die Nachfolge des aktuellen Meister-Trainers antreten würde.

Missverständnis der Saison: Jürgen Klinsmann

Jürgen Klinsmann hatte sich wohl einfach zu viel vorgenommen bei seiner ersten Station als Vereinscoach: Eine neue Philosophie wollte er mit Bayern München entwickeln, den deutschen Rekordmeister international wieder salonfähig machen und nebenbei noch Titel gewinnen. Einen Satz wird der ehemalige Bundestrainer womöglich bis heute bereuen. "Ich will jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen", hatte er beim Amtsantritt verkündet. Zehn Monate später war kein einziger Spieler besser geworden, kaum einer so gut wie im Jahr zuvor. Und so endete das Projekt nach nur 302 Tagen am 27. April, nachdem der 44-Jährige im Viertelfinale der Champions League und des DFB-Pokals gescheitert war und in der Liga die Erwartungen nicht erfüllt hatte.

Comeback der Saison: Jupp Heynckes

Eigentlich hatte sich Jupp Heynckes schon als Frührentner zurückgezogen. Doch als ihn nach dem Rauswurf von Jürgen Klinsmann der Hilferuf aus München ereilte, unterbrach der 64-Jährige seinen Vorruhestand gerne für vier Wochen. Für Uli Hoeneß und den FC Bayern sei dies "ein reiner Freundschaftsdienst" sagte er. Nur fünf Spiele hatten Heynckes, der in seiner ersten Amtszeit beim Rekordmeister von 1987 bis 1991 zweimal Meister wurde, und Co-Trainer Hermann Gerland, um zu retten, was noch zu retten war. "Zu wenig", befand Heynckes wenige Tage vor seinem Abschied aus der Bundesliga. Am Ende sprang aber immerhin die Vizemeisterschaft und damit direkte Champions-League-Qualifikation heraus, ehe sich Heynckes wieder in sein Rentnerdasein zurückzog: Auftrag erfüllt.

Heimkehrer der Saison: Lukas Podolski

Er war beim Sommermärchen der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland einer der strahlenden Shootingstars und etwas mehr als zwei Jahre später wohl der unglücklichste Mensch beim Rekordmeister FC Bayern München. Am 19. Januar dieses Jahres erlöste der 1. FC Köln Nationalstürmer Lukas Podolski. Der FC holte den verlorenen Sohn zurück in die Domstadt am Rhein. An der Isar konnte Prinz Poldi unter verschiedenen Trainern nie richtig Fuß fassen, an Miroslav Klose oder Luca Toni kam er nie vorbei und war bestenfalls Ergänzungsspieler. Erst unter Interims-Coach Jupp Heynckes blühte Podolski endlich auf. Doch da hatte der FC bereits die Gunst der Stunde ergriffen.

Schock der Saison: Ümit Özat

Am 29. August stockte den Zuschauern im Karlsruher Wildparkstadion und den Fans an den Bildschirmen der Atem. Ümit Özat sackte im Punktspiel des 1. FC Köln beim KSC (2:0) in der 25. Minute auf Höhe des eigenen Strafraums zusammen. Hektisch winken die Spieler Betreuer und Ärzte auf das Spielfeld, die sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten. Am Spielfeldrand bricht Trainer Christoph Daum in Tränen aus, er hatte einst den Herztod des Kameruners Marc-Vivien Foe miterleben müssen. Özat überlebte. Als Ursache für den Zusammenbruch wurde eine Herzmuskelentzündung festgestellt. Am 15. März beendete Ümit nach einer Odyssee durch mehrere Kliniken auf Anraten der Ärzte seine Karriere. Der Ex-Kapitän bleibt dem FC treu. Daum nahm ihn in seinen Stab auf, Ümit kümmert sich um den Nachwuchs.

Glücksschuss der Saison: Sebastian Langkamp

Sebastian Langkamp wird seinen ersten Treffer in der Bundesliga immer in Erinnerung bleiben. Denn mit seinem Traumtor wider Willen aus exakt 46,5 Metern gelang dem 21 Jahre alten Innenverteidiger vom Karlsruher SC am 25. April in Düsseldorf gegen Bayer Leverkusen der Glücksschuss der Saison. Langkamp grätschte den Ball in der 72. Minute im Mittelkreis Richtung Tor. Dort schlug der Befreiungsschlag zur Überraschung von Nationaltorhüter Rene Adler zum 1:0-Sieg des KSC im Netz ein. "Ich wollte mich schon abdrehen, dann habe ich gesehen, dass der Ball drin ist. Eigentlich wollte ich klären. Ich hatte natürlich nichts dagegen, dass der Ball so ins Tor reinfällt", kommentierte Langkamp sein kurioses Kunststück.

Pechvogel der Saison: Vedad Ibisevic

Er traf wie er wollte und hatte sogar den Rekord von Gerd Müller in der Bundesliga im Visier. Dann riss bei Vedad Ibisevic in der Winterpause das vordere Kreuzband im rechten Knie. Mit einem Schlag war der Top-Torjäger zum Pechvogel geworden. Bei 1899 Hoffenheim wurde der 24-Jährige, der bis zu seiner Verletzung 18 Tore erzielt hatte, schmerzlich vermisst. Ibisevic befindet sich aber auf dem Weg der Besserung und will in der kommenden Saison wieder angreifen. "Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass einen alles stark macht, auch die schweren Zeiten", erklärte der Stürmer im Krankenstand, der einst mit seiner Familie vor dem Bosnien-Krieg fliehen musste.

Spieler der Saison: Grafite/Dzeko

Erfolgsgaranten, Weltklasse-Stürmer, bestes Angriffs-Duo der Liga oder einfach nur Grafite und Edin Dzeko: In dem Brasilianer und dem Bosnier haben sich zwei gesucht und gefunden - in Wolfsburg. Für manch einen war das bisher fast niedersächsische Provinz, nachdem sich der VfL nun Meister nennen kann, ist es der Nabel der deutschen Fußball-Welt. Dank eines südamerikanisch-osteuropäischen Gemisches, das den gegnerischen Abwehrreihen des Fürchten lehrte. 28 Mal traf Grafite und sicherte sich die Torjägerkanone. Dzeko war nur zweimal weniger als sein kongenialer Partner erfolgreich. Macht zusammen 54 Tore. Damit war die Bestmarke von Gerd Müller und Uli Hoeneß binnen einer Saison Geschichte. Die damaligen Bayern-Stürmer trafen 1971/1972 und 1972/1973 jeweils insgesamt 53 Mal.

Dauerduell der Saison: HSV gegen Bremen

19 Tage Elbe-Weser-Wahnsinn: Viermal in drei Wettbewerben standen sich Werder Bremen und der Hamburger SV Ende April/Anfang Mai im DFB-Pokal und UEFA-Cup-Halbfinale sowie in der der Bundesliga gegenüber. Die drei Pokalspiele boten dabei atemberaubende Spannung zweier Teams auf Augenhöhe, Leckerbissen für den neutralen Fußballfans und Albträume für die HSV-Anhänger, weil sich beide Male Werder durchsetzte. Torwart Tim Wiese wurde zum Helden im DFB-Pokal, als er drei Schüsse im entscheidenden Elfmeterschießen parierte, eine Papierkugel und ein zu Unrecht aberkanntes Tor wurden zum Schicksal für den HSV im UEFA-Cup-Rückspiel. Es war ein Auf und Ab der Emotionen, eine absolut grenzwertige Belastung für Kopf und Körper der Spieler.

Glücksfall der Saison: Jürgen Klopp

Er ist zweifellos der rechte Mann zur rechten Zeit am rechten Ort. Trainer Jürgen Klopp ist ein absoluter Glücksfall für Borussia Dortmund. Denn unter den Fittichen des ehemaligen Mainzers und TV-Bundestrainers befinden sich die Westfalen nach Jahren der sportlichen Stagnation auf dem besten Weg zu alter Stärke - auch wenn die Teilnahme an der Europa League am letzten Spieltag verpasst wurde. Sympathieträger Klopp hat der Mannschaft wieder ein Gesicht gegeben, und sein Team hat seine Philosophie vom Fußball verinnerlicht. Die Zahlen sprechen für sich: Der BVB kassierte die wenigsten Niederlagen (fünf) sowie die zweitwenigsten Gegentore aller Bundesligisten und stellte mit sieben Siegen in Serie im Jahr des 100-jährigen Bestehens einen Vereinsrekord auf. Zudem blieb seine Truppe als insgesamt zweite in der Vereinshistorie und erste seit 1991/92 eine Saison lang zu Hause unbesiegt.