Hamburg - "Weder Fisch noch Fleisch sagt man hier im Norden", so stufte BVB-Trainer Jürgen Klopp etwas süffisant die Leistung von Borussia Dortmund ein. Im Duell mit dem Hamburger SV mussten die zuvor vier Bundesliga-Spiele in Folge siegreichen Dortmunder wieder Federn lassen.

Der HSV bleibt für die Schwarz-Gelben nicht gerade der Lieblingsgegner. Als Trainer des BVB hat Jürgen Klopp nur eines  seiner sieben Bundesliga-Spiele in Hamburg gewonnen: Im Januar 2012 siegte sein BVB mit 5:1. Dazu gab es zwei Remis und vier Niederlagen. Dieses Mal reichte es immerhin für einen Zähler.

"Wir haben zu wenig Chancen kreiert"

"Wir haben einen Punkt mehr, das ist positiv. Es hat sich keiner verletzt, das ist super-positiv. Alles andere ist so la-la", erklärte Klopp gewohnt nonchalant auf der Pressekonferenz nach dem 0:0 in Hamburg. Dort merkte man ihm aber auch an, dass ihn das Spiel seiner Borussia an diesem Samstag nicht gerade erfreute. "Wir haben aus relativ großer Überlegenheit, was den Ballbesitz angeht, zu wenig Kapital geschlagen und zu wenig Chancen kreiert", gab Klopp zu (Die Stimmen zum Spiel).

"Dieser Punkt ist zu wenig, um uns in der Tabelle weiter nach oben zu arbeiten", so Innenverteidiger Mats Hummels, "aber der eine Punkt ist gut, um unseren Abstand nach unten zu halten." Besonders zu kämpfen hatten die Borussen mit der harten Gangart der Gastgeber. "Wir mussten uns erstmal an die Härte des Spiels gewöhnen", sagte Torwart Roman Weidenfeller nach der Partie.

Die Hamburger gingen fast schon überhart in jeden Zweikampf und mussten fünf der sieben verteilten Gelben Karten hinnehmen. Besonders Valon Behrami langte im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder zu und hätte aus Sicht des BVB des Feldes verwiesen werden müssen. "Direkt in den ersten drei Aktionen hingen Arme oder Ellenbogen in unseren Gesichtern. Das muss der Schiedsrichter eigentlich früher unterbinden, dann läuft das ganze Spiel vielleicht etwas ruhiger ab", monierte Oliver Kirch. Nationalspieler Hummels fand das Einsteigen der Hamburger sei aber noch im Rahmen des Erlaubten gewesen: "Sie sind oft sehr hart zu Werke gegangen, aber nicht zu hart."

Offensive harmlos – Defensive stabil

Obwohl die Borussen in der Zweikampfstatistik sogar besser waren als die Hamburger (52 Prozent gewonnen) durchbrachen die ständigen Fouls das schnelle Kombinationsspiel des BVB. Das in den vergangenen Wochen so furios aufspielende Offensivduo Marco Reus und Pierre-Emeric Aubameyang kam überhaupt nicht zur Entfaltung. Beide hatte fast keine gefährliche Toraktion. Aubameyang wurde eine gute Viertelstunde vor Schluss durch Ciro Immobile ersetzt. Die letzten 15 Spielminuten waren dann mit Abstand die besten des BVB. Die Schwarz-Gelben verstärkten noch einmal den Druck und die Hälfte ihrer zwölf Torschüsse gab der BVB nach der 75. Minute ab (die Topdaten).

"Wir haben es einfach nicht geschafft uns bessere Torchancen herauszuspielen, daran müssen wir arbeiten. Trotzdem kann man dieses Spiel als einen weiteren Schritt sehen, weil wir hinten sehr sicher gestanden und kein Gegentor bekommen haben. Wir haben nur sehr wenig Chancen zugelassen", war Marcel Schmelzer nach dem Spiel durchaus zufrieden. Besonders stark in Hamburg war das Innenverteidiger-Duo Mats Hummels/Neven Subotic. Der Serbe Subotic gewann zwölf seiner 13 Zweikämpfe (92 Prozent),  Hummels 14 von 16 (88 Prozent). "Defensiv stehen wir derzeit sehr stabil, das ist ein gutes Zeichen", befand Hummels. 

Die Siegesserie und der Sturm ins obere Tabellendrittel ist vorerst gestoppt. Doch bereits am Samstagabend im Bundesliga-Topspiel zuhause gegen den 1. FC Köln soll eine neue Serie gestartet werden. Mit dem FC hat Dortmund noch eine Rechnung offen: In Köln setzte es in der Hinrunde eine 1:2-Niederlage.

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage