Freiburg - Es gab nicht viele Bayern-Vertreter, die sich am Samstag Abend zu einer Stellungnahme hinreißen ließen, aber diejenigen, die es taten, fanden deutliche Worte für die Vorstellung des Rekordmeisters . "In der ersten Halbzeit ist das eingetreten, was ich den Spielern in der Spielvorbereitung mitgeteilt habe", ärgerte sich Coach Jupp Heynckes.

Tatsächlich war der FC Bayern den wie aufgedreht spielenden Breisgauern in der ersten Halbzeit unterlegen, zu oft verlegten sie sich auf Quer- und Rückpässe, anstatt den direkten Weg in die Spitze zu suchen. "Ich habe im ersten Durchgang vieles vermisst bei uns, den Biss, die Leidenschaft und das Laufvermögen", sagte Heynckes, "Da haben wir viel zu pomadig agiert."

Robben belebt das Spiel

In der Halbzeit nahm Heynckes deshalb Rechtsverteidiger Rafinha aus der Partie und sorgte mit der Einwechslung von Arjen Robben für ein klein wenig mehr Inspiration im trägen Münchner Offensivspiel. Doch obwohl dem SC nach fulminanter Laufleistung in der Schlussviertelstunde die Kräfte schwanden, kam die beste Offensive der Liga (49 Treffer) gegen die schwächste Defensive (47 Gegentore) im gesamten zweiten Durchgang zu keiner nennenswerten Torgelegenheit mehr.

Die einzige echte Bayern-Chance des Spiels hatte zuvor Thomas Müller vergeben, der nach einer Vorlage von Franck Ribery an SC-Keeper Oliver Baumann scheiterte (42.). Der SC hatte hingegen durch Flum (25.) und Daniel Caligiuri (84.) zwei gute Möglichkeiten, das Spiel für sich zu entscheiden.

Doch auch im zweiten Durchgang gelang es dem SC immer wieder, das Spiel mit langen Bällen und Spielverlagerungen in die gegnerische Hälfte zu verlagern. Die Freiburger Viererkette geriet so selten in Bedrängnis. Zumal einige Schlüsselfiguren der Bayern-Equipe nicht in Schwung kamen.

Nur Jäger von BVB und Gladbach

Der FC Bayern, der noch mit komfortablen drei Punkten Vorsprung Weihnachten feiern konnte, hat seit dem 0:0 in Freiburg vier Zähler Rückstand auf Borussia Dortmund - und einen auf den Tabellenzweiten Gladbach. Kein Wunder, dass Manager Christian Nerlinger noch in den Katakomben vor einer missratenen Saison warnte. Schleunigst müssten sich nun "grundlegende Dinge ändern, sonst wird die Deutsche Meisterschaft ein Zweikampf zwischen Dortmund und Mönchengladbach."

Beobachter auf der Tribüne

Die Bayern-Verantwortlichen hoffen offenbar, mit derart drastischen Aussagen rechtzeitig für einen "Hallo-wach"-Effekt im Lager der Bajuwaren so sorgen. Der Weckruf ist auch dringend vonnöten, schließlich steht schon am kommenden Mittwoch das "eminent wichtige" (Nerlinger) Champions-League-Spiel beim FC Basel auf dem Programm.

Dessen Trainer Heiko Vogel beobachtete den Vortrag der Bayern aufmerksam im nur 60 Kilometer von Basel entfernten Mage Solar Stadion. Er dürfte zwei Lehren mit nach Hause genommen haben. Erstens: Die Bayern werden wohl nicht mehr oft so schwach auftreten wie in der ersten Hälfte des Freiburgspiels. Und zweitens: Wer die Bayern unterschätzt, hat schon verloren.

Christoph Ruf