München - Der 1. FC Nürnberg befindet sich auch nach dem 23. Spieltag im Höhenflug. Mit 35 Zählern ist das Thema Klassenerhalt so gut wie erledigt, der "Club" rangiert auf einem komfortablen 8. Tabellenplatz.

Einer der Gründe für den Erfolg der Franken ist Mehmet Ekici. Der vom FC Bayern München ausgeliehene Mittelefeldmann zieht im Nürnberger Aufbauspiel die Fäden.

bundesliga.de hat sich die Karriere des 20-Jährigen mal genauer angeschaut und präsentiert Wissenswertes aus dem Fußball- und Privatleben des Deutsch-Türken.

Ein Bayer durch und durch

Ekici erblickte am 25. März 1990 als Sohn türkischer Einwanderer in München das Licht der Welt. Seine erste Erinnerung an Fußball beschreibt Ekici auf der Webseite des 1. FC Nürnberg so: "Als ich gegen eine Wassermelone getreten habe. So hat's begonnen." Die Fußballstiefel schnürte er zunächst aber nicht beim Obsthändler, sondern beim Vorortclub SpVgg Unterhaching, bevor er sich als Siebenjähriger der Jugendabteilung des FC Bayern anschloss. Noch als A-Jugendlicher absolvierte er in der Saison 2007/08 erste Auftritte in der zweiten Mannschaft des Rekordmeisters in der damals noch Regionalliga genannten dritthöchsten Spielklasse. Sein Profi-Debüt in der 3. Liga gab Ekici am 27. Juli 2008, beim 2:1-Erfolg gegen Union Berlin erzielte er gleich einen Treffer und bereitete das Tor von Thomas Müller vor. Insgesamt netzte der beidfüßig starke Techniker in 70 Partien für Bayerns "Zweite" 18 Mal.

Vorbilder

Als Mittelfeld-Regisseur hat Ekici zwei ganz feine Ballzauberer zum Vorbild. Neben Zinedine Zidane, dem französischen Spielmacher des Weltmeisters von 1998 und des Europameisters von 2000, beeindruckte den kleinen Mehmet vor allem ein Namensvetter. "Mehmet Scholl war neben Zidane schon in der Kindheit mein Vorbild, mein erstes Bayern-Trikot war ein Scholl-Trikot. Weil er den gleichen Vornamen hat, er auch ein Techniker wie ich ist", schwärmt Ekici. Als Scholl dann Trainer die den Bayern-Amateuren wurde, ging ein Traum für ihn Erfüllung: "Wir zwei haben viele Stunden alleine auf dem Platz verbracht und dabei hat er mir einige sehr gute Tricks verraten."

Gala oder Fener?

In der türkischen Metropole Istanbul stellt sich für jeden Fußballfan die Gewissenfrage: Galatasaray oder Fenerbahce? Wer Anhänger des einen Clubs ist, verachtet die Fans des anderen. Mehmet Ekici ist gewissermaßen mit beiden Clubs aufgewachsen. Während Galatasaray "der Verein der Familie ist", wie er erläutert, hält Ekicis Mutter zu Fenerbahce. Zu Zwistigkeiten innerhalb der Familie hat das im Hause Ekici allerdings nicht geführt. "Meine Eltern haben sich trotzdem immer gut verstanden", sagt der Sohnemann mit einem Lächeln im Gesicht. Er selbst hielt als Kind ebenfalls zu "Gala" und war natürlich auch FC-Bayern-Fan, aber inzwischen haben sich die Perspektiven verschoben: "Je älter man wird, desto mehr sieht man seine eigenen Aufgaben und konzentriert sich darauf."

Status

Anfang Februar 2010 stattete der FC Bayern den Mittelfeldspieler mit seinem ersten Profivertrag aus, gültig bis 30. Juni 2011. Ekici gehörte von da an fest zum Profiteam, kam unter Louis van Gaal in der Bundesliga aber nicht zum Einsatz. Der Coach wollte das Talent unter seinen Fittichen behalten, doch Ekici entschied sich für mehr Spielpraxis und ließ sich auf eine Ausleihe zum 1. FC Nürnberg ein. "Für meine Entwicklung ist es besser, Bundesliga-Luft zu schnuppern, Erfahrung zu sammeln und dann wieder zurückzukommen. Ich wollte einfach mehr als nur ein paar Kurzeinsätze. In Nürnberg geht es sehr familiär zu, das mag ich. Außerdem ist es nicht sehr weit nach München", erläutert Ekici seine Beweggründe. Für den "Club" kam er in der aktuellen Saison 21 Mal zum Einsatz und erzielte insgesamt bislang drei Tore.

Herzensangelegenheit

Das Talent von Mehmet Ekici blieb auch den Spähern der DFB-Nachwuchsabteilung nicht verborgen. Von der U 15 aufwärts durchlief er alle Jahrgänge, 2007 nahm er mit dem deutschen Team an der U-17-Weltmeisterschaft in Südkorea teil, unter Trainer Heiko Herrlich gewann der deutsche Nachwuchs die Bronzemedaille. Doch als der türkische Fußballverband anklopfte, entschied sich der Deutsch-Türke Ekici für das Heimatland seiner Eltern: "Das war eine Herzenssache. Ich habe lange mit meinen Eltern und meinen Schwestern gesprochen. Ich bin dem DFB sehr dankbar für die Ausbildung in den U-Mannschaften, habe aber letztlich auf mein Herz gehört."

In der Heimat ein Star

Im Wintertrainingslager des 1. FC Nürnberg im türkischen Belek zog Ekici - gemeinsam mit Ilkay Gündogan - das Interesse der türkischen Medien auf sich. Im Land seiner Eltern wollten die Journalisten alles über den Neu-Nationalspieler wissen, der sein Debüt in der türkischen Nationalmannschaft am 17. November 2010 in einem Freundschaftsspiel gegen die Niederlande gegeben hatte. "Ich habe mitbekommen, dass ich jetzt einen Namen habe in der Türkei", kommentierte Ekici die Bemühungen der Journalisten und bezeichnete den Hype um seine Person als "Wahnsinn". Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader wollte die Konzentration auf das Training nicht zu sehr gestört wissen und ließ längere Interviews nur ein Mal zu. "Wir wollen nicht, dass es hier jeden Tag eine Privataudienz gibt", sagte Bader.

"Entdecker" Klinsmann

Erst unter Louis van Gaal bekam Ekici seinen ersten Profivertrag beim FC Bayern. Doch als erster zarter Förderer darf - neben Amateurtrainer Hermann Gerland - Jürgen Klinsmann gelten. Der Schwabe, der von Sommer 2008 bis Ende April 2009 als Coach auf der Bayern-Bank saß, holte Ekici gemeinsam mit Thomas Müller erstmals zu den Profis hoch. In der Sommervorbereitung auf die anstehende Saison brachte Klinsmann den jungen Deutsch-Türken bei einem Freundschaftsturnier erstmals zum Einsatz. Nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung für Hamit Altintop erzielte Ekici gleich seinen ersten Treffer. Die Partie gegen Borussia Dortmund ging allerdings mit 1:2 verloren. Während Müller in der Spielzeit 2008/09 immerhin vier Bundesligaspiele absolvieren durfte, musste Ekici wieder zurück zu den Amateuren.

Künstler-WG

In Ilkay Gündogan hat Ekici beim "Club" nicht nur einen exzellenten Mitspieler gefunden, sondern auch einen guten Freund. "Wir ergänzen uns großartig, auf und auch neben dem Platz", sagt Gündogan. Nach seinem Wechsel nach Nürnberg, kam Ekici zunächst in Gündogans Haus unter. Die zwei
Fußballvirtuosen bildeten also eine Art "Künstler-WG", ehe der 20-Jährige später eine eigene Wohnung bezog. Das Duo verbringt aber weiterhin viel Zeit miteinander, notfalls wird die Verbindung per SMS hergestellt. Sogar ihren Handytarif haben sie aufeinander abgestimmt. Gündogan hat sich im Gegensatz zu Ekici noch nicht dazu entschieden, das türkische Nationaltrikot zu tragen: "Bei mir ist es ein bisschen anders als bei Mehmet. Ich bin in einem deutschen Umfeld aufgewachsen, habe überwiegend deutsche Freunde. Bei mir sind es ein paar Prozent mehr für Deutschland."

Auszeichnung

Mit dem FC Bayern gewann Ekici 2010 zwar Meisterschaft und Pokal, sein Beitrag zum "Double" war allerdings mit null Einsätzen eher gering. Doch eine Auszeichnung hat sich der passionierte Konsolenzocker redlich verdient: Dank seiner zwölf Tore im Trikot des FC Bayern II in der vergangenen Drittliga-Saison zeichnete ihn eine türkische Internetplattform als besten türkischen Torjäger Europas des Jahrgangs 1990 aus. Die Organisation Yetenekli Türk Futbocular hat es sich zur Aufgabe gemacht, über junge türkische Talente im Ausland zu berichten und diese Spieler der Öffentlichkeit näher zu bringen. Ekici freute sich über die Ehrung: "Vielen Dank für die tolle Überraschung, die Trophäe bekommt bei mir zuhause einen Sonderplatz."





Zusammengestellt von Denis Huber