Köln – "Was macht eigentlich"-Artikel behandeln normalerweise Prominente, die sich aus der Öffentlichkeit verabschiedet haben. Ganz so ist es bei Philipp Lahm natürlich nicht. Schließlich ist Lahm immer noch Kapitän des FC Bayern München. Aber nach über zehn Jahren Nationalmannschaft hat er auf einmal Zeit, wenn seine Teamkollegen unterwegs sind. Was macht er damit?

Zuallererst wird trainiert, so wie es sich für einen Daheimgebliebenen gehört. Mit den restlichen fünf verbliebenen Bayern-Profis absolvierte Philipp Lahm eine Trainingseinheit. Alle anderen Spieler sind entweder bei ihren Nationalteams oder wurden medizinisch behandelt. Da bei Lahm keine Behandlung anstand, hatte er am Mittag Zeit um mit Bayerns Konditionschef eine zusätzliche Einheit zu absolvieren.

Die erste Länderspielpause seit 15 Jahren

"Es ist ungewohnt", sagt Lahm im Interview mit "fcb.tv" auf der Homepage der Bayern. Am 18. Februar 2004 spielte er zum ersten Mal für die deutsche Nationalelf. Nimmt man seine Zeit in den Jugendnationalmannschaften dazu, hat Lahm seit über 15 Jahren keine Länderspielpause mehr gehabt, wenn er nicht verletzt war. Wahrscheinlich ist es die erste Pause dieser Art seiner Karriere. 113 Mal spielte er für die Nationalmannschaft. Dass er sich nun daran gewöhnen muss, seine Kameraden im Fernsehen zu beobachten ist nicht wirklich überraschend.

Lahm nutzt die Zeit um Statements zum Saisonstart abzugeben. Dabei wirkt er aber ebenso entspannt, wie es auch seine Aussagen sind. "Zufrieden ist man nicht", sagt er. Und meint damit, dass er lieber sechs statt vier Punkte auf dem Konto hätte. Bei den Ansprüchen der Bayern ist das wahrlich nichts mit Sprengkraft. "Wir müssen wieder dahin kommen, dass wir über 90 Minuten so Fußball spielen wie in den ersten 20, 30 Minuten auf Schalke", sagt er. Und weist damit auf die nächste Woche hin, in der die Bayern noch mal die Chance haben, sich besser einzuspielen. Danach beginnt die erste harte Phase der Saison mit sieben Spielen in drei Wochen.

Lahm wirkt sehr entspannt

"Die Länderspielpause ist ein Vorteil", freut sich Lahm über die Möglichkeit, dass verletzte Spieler ihre Blessuren auskurieren. Und dass Trainingsrückstände aufgeholt werden können, schließlich gibt es Bayern-Asse, die später zum Team gestoßen sind. Deswegen ist er auch nicht beunruhigt darüber, dass noch nicht alles funktioniert. "Das ist normal am Anfang", sagt er. Und wirkt auch dabei recht entspannt. Der Eindruck, dass Lahm nicht unglücklich damit ist, dass er sich nicht auf das Spiel gegen Schottland vorbereiten muss, festigt sich.

Soviel zu den Tagen, an denen er noch bei den Bayern zu tun hatte. Das Wochenende haben die Spieler frei, vor Montag steht keine weitere Einheit auf dem Programm. Das ist für den Kapitän "eine neue Situation". Frei? An einem Wochenende? "Ein freies Wochenende kommt bei uns selten vor", sagt Lahm. Die Male, an denen er in den letzten zehn Jahren in der Saison ein freies Wochenende genießen konnte, kann Lahm wahrscheinlich an einer Hand abzählen. Zukünftig kommt das häufiger vor. "Alle vier Wochen bin ich jetzt zwei Wochen zu Hause", sagt er grinsend. Und wie könnte es anders sein, ganz entspannt eröffnet Lahm, was er in seiner ersten pause zu tun gedenkt. "Wir werden die Tage genießen und ein bisschen Sonne tanken." Das macht Philipp Lahm also. Gar nicht so verkehrt.

Sebastian Stenzel