Nach dem 1:1 gegen den BVB ist die Frankfurter Eintracht weiter ungeschlagen. Seinen Anteil daran hat auch Neuzugang Maik Franz, der gegen die Dortmunder erstmals in der Anfangsformation stand.

Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der Verteidiger über Chancenverwertung, Moral und ungewohnte Positionen und erklärt, warum Wortgefechte auf dem Platz für ihn durchaus zum Spiel gehören.

bundesliga.de: Sind Sie enttäuscht, dass es nicht für den ersten Heimsieg gereicht hat?

Maik Franz: Es ist ein bisschen schade. Wir haben gut gekämpft, über weite Phasen auch gut Fußball gespielt und uns Chancen erarbeitet. Wenn Alex Meier den Kopfball in der letzten Minute, der an die Latte geht, noch hineindrückt, wäre es der perfekte Abschluss gewesen. Das war ärgerlich!

bundesliga.de: Aber die Eintracht hat nach dem Rückstand Moral bewiesen.

Franz: Wenn man gegen eine gute Mannschaft wie den BVB in Rückstand gerät und dann noch einmal zurückkommt, kann man zufrieden sein. Wir müssen uns auch nichts wirklich vorwerfen. Allerdings haben wir uns so viele gute Chancen herausgespielt, dass wir das Spiel hätten gewinnen können.

bundesliga.de: Ist die mangelnde Chancenverwertung im Moment das größte Problem?

Franz: Von einem Problem würde ich nicht sprechen. Wir stehen am Anfang der Saison und wissen jetzt, woran wir arbeiten müssen. Natürlich ist Fußball erfolgsorientiert und damit von Toren abhängig. Aber wichtig ist erst einmal, dass wir gut spielen. Man hat auch an der Reaktion der Zuschauer gesehen, dass sie sehr zufrieden waren. Da sind wir auf einem guten Weg.

bundesliga.de: Die Beziehung zwischen Mannschaft und Fans war in der Vergangenheit nicht immer ganz einfach.

Franz: Was ich seit meinem Wechsel hier erlebe, ist grandios. Ich habe es nicht nötig, jemandem Honig um den Bart zu schmieren. Aber Frankfurt ist schon etwas Besonderes, ein echter Traditionsverein. Auch gegen Dortmund waren wieder über 50.000 Zuschauer im Stadion, die hinter uns gestanden haben. Das macht einfach Spaß, da freut man sich auf ein Heimspiel.

bundesliga.de: Sie selbst sind auf der rechten Seite zum Einsatz gekommen. Wie wohl fühlen Sie sich dort?

Franz: Ich bin vor allem zufrieden, dass ich gespielt habe. Meine Situation war hier zu Saisonbeginn nicht ganz einfach. Ich war zunächst verletzt, beide Innenverteidiger haben ihre Sache sehr gut gemacht und für den Trainer gab es keinen Grund, etwas zu ändern. Daher bin ich froh, jetzt überhaupt zu spielen, egal wo. Auf der rechten Außenbahn habe ich nur früher in Wolfsburg zwei, drei Mal gespielt. Aber fürs erste Mal nach so langer Zeit war s ganz okay.

bundesliga.de: Es gab zwei Wortgefechte auf dem Platz, zunächst mit Hummels, später mit Klopp. Was war los?

Franz: Gerade die gegnerische Bank ruft ins Feld hinein und wir müssen uns auf dem Platz nicht alles gefallen lassen. Das gehört auch irgendwie dazu, aber das ist nichts Dramatisches. Da sind viele Emotionen im Spiel und über Emotionen kann man auch ins Spiel zurückfinden. Auch da ist es wichtig, dagegen zu halten.

bundesliga.de: Es gab einige umstrittene Situationen in der Partie...

Franz: Es ist etwas ärgerlich, weil einige Situationen für uns etwas unglücklich waren. Aber ich glaube daran, dass sich so etwas im Laufe einer Saison ausgleicht. Und Florian Meyer ist grundsätzlich ein sehr guter Schiedsrichter.

bundesliga.de: Die Eintracht hat jetzt sechs Punkte und ist nach vier Spieltagen immer noch ungeschlagen.

Franz: Das ist absolut positiv, auch wenn mir drei Siege statt der drei Unentschieden lieber gewesen wären. Aber wir können wirklich sehr zufrieden sein mit diesem Saisonstart. Jetzt müssen wir nur noch das ein oder andere Tor mehr schießen als der Gegner. Das sind zwar typische Fußballersprüche, aber irgendwie treffen sie auf uns zu. Wenn man so viel investiert und so viel arbeitet, dann ist es auch schön, wenn man sich für den Aufwand belohnt. Das werden wir demnächst nachholen.

bundesliga.de: Kommt die Länderspielpause für die Eintracht zum falschen Zeitpunkt?

Franz: Auf der einen Seite ist es schade, weil wir einen guten Lauf haben. Auf der anderen Seite hatten wir auch viele Spieler, die länger verletzt waren und jetzt noch einmal durchschnaufen können. Und dann können wir in Freiburg wieder frisch und topfit auf dem Platz stehen.

bundesliga.de: Und Sie selbst können sich bis dahin noch weiter einleben in der neuen Umgebung. Sind Sie inzwischen auch privat angekommen in Frankfurt?

Franz: Ich habe ein sehr gutes Gefühl und fühle mich im Verein und in der Stadt richtig wohl. Ich habe jetzt endlich auch eine eigene Wohnung gefunden in Sachsenhausen. Meine Freundin muss noch pendeln, weil sie in Karlsruhe arbeitet. Aber das ist nicht so weit, das ist machbar.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte