Hamburg - Das 131. Hamburger Derby ist seit Tagen das Gesprächsthema in der Hansestadt. "Dieses Stadt-Derby ist schon was besonderes. Die Fans wohnen Tür an Tür, arbeiten zusammen, treffen sich beim Bäcker", stellt der Derby-erprobte Ex-Schalker Gerald Asamoah in einem Gespräch mit bundesliga.de das Spiel noch über das Nachbarschafts-Duell der "Knappen" gegen Borussia Dortmund.

"Natürlich rechnen alle damit, dass wir verlieren", aber "warum soll uns keine Überraschung gelingen", fügt sich der Ex-Nationalspieler in die Rolle des Außenseiters. Trotzdem hat Asamoah, der die "Kiezkicker" als Kapitän aufs Feld führen wird, eine Wette mit seinem Gegenüber Heiko Westermann abgeschlossen: Wer von den beiden Ex-Schalkern das Derby verliert, muss mit freiem Oberkörper Autos waschen.

Hoffen auf Wiederholung

Glaubt man den Statistiken, kann Asamoah schon mal das Wasser einlaufen lassen: In 17 Duellen in der Bundesliga gelang dem "Stadtteilclub" gerade mal ein Sieg. Lang, lang ist's her: Am 3. September 1977 gab es ein 2:0.

Damals waren die "Braun-Weißen" als Tabellen-14. in den Volkspark gefahren. Am Sonntag tritt der Underdog erneut als 14. gegen den HSV an. Gelingt dem FC St. Pauli nach über 33 Jahren endlich der zweite Sieg über den großen Nachbarn? Mit bundesliga.de spricht Asamoah über seine Form, Marius Ebbers und seine Erfahrungen mit Derbys.

bundesliga.de: Herr Asamoah, werfen wir noch einmal einen Blick zurück auf das Spiel gegen den 1. FC Köln. War das der FC St. Pauli in seiner optimalen Form?

Gerald Asamoah: Das war sicher ein sehr gutes Spiel von uns und hat noch einmal bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber als Mannschaft kann man immer noch ein besser werden, daran arbeiten, dafür trainieren wir hart.

bundesliga.de: Die Mannschaft ist stark in die Rückrunde gekommen, und auch Sie präsentieren sich in toller Form, waren an jedem Tor beteiligt...

Asamoah: Das ist richtig. Ich komme immer besser in Form. Im Sommer hatte ich mich in der Vorbereitung verletzt, hab' den Saisonauftakt verpasst. Außerdem darf man nicht vergessen, dass ich davor ein Jahr lang kaum gespielt habe. Da braucht man Zeit, um zu seiner alten Form zurückzufinden.

bundesliga.de: Durch die Verletzung von Marius Ebbers spielen Sie jetzt weiter nach vorn gezogen. Kommt das Ihrem Spiel mehr entgegen?

Asamoah: Auf jeden Fall. Ich spiele jetzt auf einer Position, auf der ich nicht mehr so viel nach hinten arbeiten muss, meine Stärken einsetzen und der Mannschaft helfen kann. Außerdem hilft es natürlich auch jedem einzelnen Spieler, dass die Mannschaft derzeit richtig gut spielt.

bundesliga.de: Wird es einen Kampf um die Position geben, wenn Ebbers wieder fit ist? Eine Doppelspitze haben Sie ja in einem Interview mit der "Morgenpost" ausgeschlossen...

Asamoah: Natürlich entscheidet der Trainer, wer wo spielt, wenn "Ebbe" wieder fit ist. Wir wissen, wie wichtig "Ebbe" für uns ist. Die Frage damals war, ob wir zusammenpassen. Ich habe geantwortet, dass wir ähnliche Spielertypen sind und das eventuell nicht passt. Dazu kann ich nur sagen, was nicht passt, wird passend gemacht. Gute Fußballer können schließlich immer zusammenspielen.

bundesliga.de: Kommen wir zum Derby: Sie kennen aus ihrer Zeit die Duelle mit Borussia Dortmund. Kann man diese Derbys vergleichen?

Asamoah: Siege über Dortmund retten für einen Schalke-Fan die gesamte Saison, egal wie schlecht die Mannschaft spielt. Da ging es schon heiß her. Aber dieses Stadt-Derby ist schon was Besonderes. Die Fans wohnen Tür an Tür, arbeiten zusammen, treffen sich beim Bäcker...

bundesliga.de: Gilt das auch für die Spieler?

Asamoah: Ja, auch wir werden angesprochen, aber nicht aggressiv oder böse, sondern eher so "Viel Glück" oder "Am Sonntag gibt's 'ne Packung" - je nachdem, mit welchem Verein derjenige sympathisiert. Die Woche vorm Derby kann man das gar nicht ausschalten. Wir wissen, um was es geht und wollen die Emotionen mit ins Spiel nehmen. Uns ist klar, was für eine Freude wir den Fans mit einem Sieg machen können.

bundesliga.de: Ist es etwas Besonderes, die Mannschaft als Kapitän ins Derby zu führen?

Asamoah: Ja, das ist schon ein tolles Gefühl und eine große Ehre für mich. Darüber hab' ich mich auch mit Heiko (Westermann; d. Red.) unterhalten. Schon komisch, dass zwei Ex-Schalker St. Pauli und den HSV als Kapitäne aufs Feld führen.

bundesliga.de: Mit Westermann haben Sie ja eine Wette laufen...

Asamoah: Ja. Der Verlierer muss Autos mit freiem Oberkörper waschen. (lacht)

bundesliga.de: Und, wer wird Autos waschen müssen? Was ist ihr Tipp fürs Derby?

Asamoah: Ich tippe nicht so gerne. Natürlich rechnen alle damit, dass wir verlieren. Wir können nur überraschen. Wir werden das Spiel genießen. Warum soll uns keine Überraschung gelingen?

bundesliga.de: Lassen Sie uns auch noch kurz über ihre Ex-Vereine reden: Ihr Jugendclub Hannover 96 steht überraschend weit oben. Sie kennen Trainer Mirko Slomka gut aus ihrer Schalker Zeit. Was für ein Trainer ist er?

Asamoah: (lacht) Ein sehr guter, er hat mich entdeckt. Ich kenn' ihn ja schon als Jugendtrainer in Hannover und dann aus meiner Zeit bei Schalke. Er ist ein Kumpel-Typ. Er hat sehr viel Ahnung von Fußball und einen Blick für Talente. Er erkennt schon früh, wer ein Guter werden kann. Das sieht man ja jetzt auch in Hannover. Ich freu' mich für ihn.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs