Mönchengladbach/Krefeld - Für die Mannschaft der Stunde beginnt die Rechnung wieder bei null, und Lucien Favre ist anscheinend nicht ganz wohl dabei. "Die Chancen stehen 50:50", sagt der Trainer von Borussia Mönchengladbach vor den Endspielen um den Klassenerhalt in der Bundesliga gegen die Aufstiegsexperten des VfL Bochum (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Vehement versucht der Schweizer dem allgemein vorherrschenden Eindruck entgegenzuwirken, die Relegation gegen den Zweitliga-Dritten könnte für sein Team nach dem geglückten Liga-Endspurt so etwas wie ein Selbstläufer werden.

"Wir haben die besseren Einzelspieler"

Seine Spieler, die mit zehn Punkten in den letzten vier Spielen den direkten Abstieg verhindert haben, strotzen jedenfalls vor Selbstvertrauen. "Bochum ist keine schlechte Mannschaft, aber wir haben die besseren Einzelspieler und sind gut drauf. Wir wollen beide Spiele gewinnen", sagt Marco Reus.

Mike Hanke ist sich derweil sicher, dass "wir es auf jeden Fall schaffen werden, wenn wir 100 Prozent geben und die Leistungen der letzten Wochen abrufen." Eine von Favres vorrangigen Aufgaben vor dem Spiel dürfte sein, dass die Spieler seine Warnungen nicht als notwendiges Geschwätz hinnehmen, sondern als Aussagen mit durchaus realistischem Hintergrund verinnerlichen. Immerhin muss seine Elf im Hinspiel im ausverkauften Borussia-Park wohl etwas tun, das sie seit Monaten nicht mehr getan hat und das auch nicht unbedingt ihre Stärke ist: das Spiel machen.

"Gladbach sollte sich nicht zu viele Fehler erlauben"

Der VfL Bochum stellt zudem eine unangenehm zu spielende Mannschaft, die nach schwachem Saisonbeginn auf dem Rasen regelmäßig die Kompaktheit zeigt, die Gladbach erst durch Favre nach dessen Amtsübernahme Mitte Februar verliehen bekommen hat. In dem formstarken Mirkan Aydin, Top-Joker Giovanni Federico oder den allerdings angeschlagenen Mimoun Azaouagh und Chong Tese verfügt der VfL zudem über Spieler, die auch mal aus dem Nichts treffen können. Bochums Trainer Friedhelm Funkel formuliert es so: "Gladbach sollte sich nicht zu viele Fehler erlauben, denn wir haben Spieler, die diese Fehler ausnutzen können."

Auch dank einer Serie von 15 Spielen in Folge ohne Niederlage sammelten die Westfalen in der Rückrunde der 2. Bundesliga mehr Punkte (37) als Gladbach in der kompletten Bundesliga-Saison (36). Favre reiht deshalb nicht ohne Grund Warnung an Warnung: "Das Selbstvertrauen in meiner Mannschaft ist groß, aber wir müssen eine Top-Leistung bringen, um Bochum zu besiegen."

Bochum fünf Mal wieder aufgestiegen

Einhellig ist die Meinung auf beiden Seiten, dass die durchaus bemerkenswerten Statistiken, die rund um die beiden Relegationsspiele kursieren, zur Entscheidung wenig beitragen werden. Seit 15 Spielen hat Bochum gegen Gladbach nicht mehr verloren.

Und der VfL weiß, wie man aufsteigt: Bochum gelang nach einem Bundesliga-Abstieg bisher immer der direkte Wiederaufstieg (fünf Mal). Mit Friedhelm Funkel hat das Team zudem einen Trainer, der mit fünf Bundesliga-Aufstiegen Rekordhalter ist. "Das ist schön zu lesen, aber bringt uns gar nichts", sagt Funkel.

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl, einst Profi in Bochum sagt dazu nur trocken: "Den Angstgegner Bochum gibt es nicht. Es gibt nur zwei Endspiele."




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