Die Pflichtaufgabe erfüllt, die Wiedergutmachung nur zum Teil gelungen: Als die deutschen Nationalspieler nach dem Schlusspfiff zu ihren Fans liefen, um sich für die Unterstützung zu bedanken, schallten ihnen auch Pfiffe aus dem Rund des Leipziger Zentralstadions entgegen.

Denn anstatt des erwarteten Torfestivals gegen den Fußball-Zwerg Liechtenstein hatte der Anhang beim 4:0 (2:0) bis auf zwei starke Phasen zu Beginn und nach der Pause Mager- statt Feinkost vom Vize-Europameister geboten bekommen.

"Wir können nicht immer alles erfüllen"

"Wir hätten auch gerne 6:0 gewonnen, aber am Ende ist das nicht der Maßstab, sondern es zählt nur die WM-Qualifikation, und da haben wir noch schwere Brocken vor uns", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Sonntagmittag im "DSF": "Unser Ziel ist es, als Gruppen-Erster die Qualifikation für Südafrika zu schaffen, und diesem Ziel müssen wir auch mal ein schwächeres Spiel unterordnen."

Mittelfeldspieler Thomas Hitzlsperger meinte nach dem glanzlosen Erfolg gegen den 151. der Weltrangliste fast entschuldigend: "Natürlich erwarten die Leute viele Tore von uns, aber wir können nicht immer alles erfüllen, was die Fans von uns erwarten."

Zwar konnte die DFB-Auswahl in der WM-Qualifikation an der Tabellenspitze der Europagruppe 4 ihren Vier-Punkte-Vorsprung gegenüber dem ärgsten Rivalen Russland (2:0 gegen Aserbaidschan) erfolgreich verteidigen, aber vor dem nächsten Match in Wales am Mittwoch (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) waren sich alle einig, dass eine Steigerung nötig ist.

Jubiläumstor für Ballack

"Wales ist ein anderes Kaliber als Liechtenstein", sagte denn auch Joachim Löw, der nach den vorangegangenen Pleiten gegen England (1:2) und Norwegen (0:1) unter dem Strich zufrieden war. "Wir haben die Pflichtaufgabe erfüllt. Insgesamt hat die Mannschaft eine engagierte Leistung gezeigt. Man hat von Beginn an gesehen, dass die Spieler sehr motiviert waren und wir die richtigen Lehren aus den letzten Spielen gezogen haben", ergänzte der Bundestrainer.

Im Gründungsort des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mussten sich Löw und Zwanziger ebenso wie die Zuschauer in der ausverkauften Arena mit den Treffern von Michael Ballack (4.), Marcell Jansen (9.), Bastian Schweinsteiger (48.) und Lukas Podolski (50.) begnügen.

Ballack, der mit seinem 40. Länderspieltreffer den Sieg eingeleitet hatte, hakte die Partie schnell ab. "Es ist schwierig, aus so einer Partie große Erkenntnisse mitzunehmen. Uns ist aber klar, dass es am Mittwoch für uns ein ganz anderes Spiel wird", meinte der Kapitän.

Wales steht unter Druck

Dass die Waliser nach ihrer unerwarteten 0:2-Pleite gegen Finnland nun besonders gefährlich sind, ist sowohl Ballack als auch Löw klar.

"Gegen uns werden sie versuchen, nach der Niederlage gegen Finnland eine Reaktion zu zeigen. Sie müssen gegen uns gewinnen, wenn sie noch eine theoretische Chance haben wollen", meinte der Bundestrainer, der in Cardiff möglicherweise die ein oder andere Umstellungen vornehmen wird.

Unabhängig davon schwor sich die DFB-Auswahl aber gleich nach dem Schlusspfiff in Leipzig auf die kommende Aufgabe ein.

Warnende Worte von "Poldi"

"Wir müssen uns jetzt auf Wales konzentrieren. Ich will mich unbedingt für die WM in Südafrika qualifizieren. Ich war schon mal bei einer WM, das ist ein Highlight, das ich unbedingt noch einmal erleben will. Wales wird aber eine harte Aufgabe, denn gegen Deutschland gibt jeder Gegner mehr als er normalerweise gibt", sagte Podolski stellvertretend für seine Mitstreiter.

Erwartungsgemäß abreisen musste am Sonntag Torwart Rene Adler, der an einer schmerzhaften Ellbogen-Prellung leidet und damit auch für das Spiel in Wales ausfällt. Dagegen fliegen der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler Piotr Trochowski, der wegen einer Innenbandverletzung bisher nur Lauftraining absolvieren konnte, und der am Knie leicht angeschlagene Marko Marin mit nach Cardiff.