Bundesliga

97 Minuten Wahnsinn: Dortmund und Schalke liefern sich historisches Revierderby (inklusive Video)

Dortmund - Die Schalker skandierten in der Kabine lautstark "Derbysieger, Derbysieger", obwohl das so eigentlich gar nicht stimmte. Naldo stammelte immer wieder glückselig "Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn" und auf Seiten des BVB war ein dick bandagiert durch den Kabinengang humpelnder Mario Götze das Synonym einer gefühlten Niederlage: Das epische 4:4-Remis zwischen Borussia Dortmund und FC Schalke 04 samt historischer Aufholjagd produzierte ein Revierderby für die Ewigkeit.

Schalker Frust und Verzweiflung

Erst zum zweiten Mal in der Bundesliga-Geschichte punktete ein Team nach einem Vier-Tore-Rückstand (bisher nur Bayern 1976 in Bochum, 6:5 nach 0:4).

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So ein Comeback, bei dem man auswärts in einem Derby einen 0:4-Rückstand in der Nachspielzeit noch in ein Unentschieden dreht, das kann schon mal etwas verwirren. "Wir haben heute gewonnen", erklärte Leon Goretzka zufrieden, als er sich nach dem Abpfiff den Interviews stellte - und seinen Versprecher dann selbst grinsend korrigierte. Auf der anderen Seite fiel es den Borussen schwer, die Sprache überhaupt wiederzufinden. Und als Nuri Sahin erklärte, es sei "fatal, dass wir einem Gegner noch ein Stück vom Kuchen geben, der schon am Boden lag", da sprach der traurig-leere Blick Bände.

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Mit Harits Tor vier Minuten später kippten erst bei beiden Teams Überzeugungen und Ängste auf dem Platz – und dann das ganze Spiel. "Beim 2:4 fängst du an zu überlegen. Nach dem 3:4 haben wir dann alle daran geglaubt", schilderte Tedesco seinen Gefühlswandel. Die Dortmunder wiederum haderten mit sich. Die Selbstzweifel krochen nach den schwierigen Wochen minütlich wieder zu Tage. "Wir haben nicht mehr Fußball gespielt", stellte Bosz fest. "Wenn du überlegst und grübelst, ob das wirklich gerade alles passieren kann, dann ist es schon zu spät", suchte Sahin Erklärungen für das Trauma der Borussia.

Erst der Platzverweis für Aubameyang (71.), dann der Treffer von Daniel Caligiuri (86.) – beim BVB war die Unsicherheit jetzt greifbar, nachdem Roman Weidenfeller in seinem 24. Derby (Rekord!) zuvor noch zweimal gerettet hatte.

"Jeder hat offenbar Angst vor dem nächsten Fehler gehabt", spürte Bosz. Schalke hingegen spielte sich in einen Rausch. Auch dank Amine Harit, der sich trotz Verletzung und mehrminütiger Behandlung wieder auf den Platz gequält hatte. "Die letzten Minuten waren hart, ich hatte starke Schmerzen. Aber ich wollte der Mannschaft helfen."

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