München - Am Montagvormittag haben Patrick Helmes, Mike Hanke, die Bender-Zwillinge Lars und Sven, Ron-Robert Zieler oder auch ein so erfahrener Haudegen wie Simon Rolfes ihre Handys griffbereit. Dieses Sextett zählt zu den Wackelkandidaten der deutschen Nationalmannschaft für die anstehende EM-Endrunde in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) und wartet sehnsüchtig auf einen Anruf von Joachim Löw.

Der Bundestrainer lüftet zwar erst am Montagmittag im badischen Rastatt (12:30 Uhr) sein Geheimnis um den EM-Kader, zuvor werden er, sein Co-Trainer Hansi Flick oder Bundestorwarttrainer Andreas Köpke die nominierten Spieler telefonisch informieren.

Beide Benders zur EM?



"Natürlich bin ich aufgeregt. Wenn der Bundestrainer mich einlädt, würde ich mich natürlich sehr darüber freuen, denn es ist das Größte für Deutschland zu spielen", sagt der Leverkusener Shootingstar Lars Bender und fügt an: "Anschließend würde ich direkt meinen Bruder anrufen und fragen, ob er auch einen Anruf erhalten hat. Vielleicht fahren wir ja beide zur EM, das wäre der Hammer."

Während Lars am Freitag mit ins Regenerations-Trainingslager der DFB-Auswahl nach Sardinien mitfliegen könnte, müsste sein Bruder Sven vom deutschen Meister Borussia Dortmund wie viele andere Akteure auch nachkommen. Der Mittelfeldspieler bestreitet mit dem BVB am Samstag noch das DFB-Pokalfinale gegen Bayern München, das auch Löw im Berliner Olympiastadion live verfolgen wird, ehe er an die Costa Smeralda zum Rumpfteam des WM-Dritten stößt.

Nicht mehr zittern müssen rund 20 Profis, die ihr Ticket sicher in der Tasche haben. Die ein oder andere Überraschung ist aber nicht ausgeschlossen. "Die Auswahl ist noch größer geworden, immer wieder rücken junge Spieler nach, die Druck ausüben", sagt der Bundestrainer.

Flick: "Es wird Härtefälle geben"



Flick kündigte schon an: "Es wird Härtefälle geben." Dies könnte zum einen die Position des dritten Torhüters betreffen, für die Zieler von Hannover 96 der Favorit ist. Aber auch der Gladbacher Marc-Andre ter Stegen und Bernd Leno von Bayer Leverkusen sind nicht chancenlos.

Entwarnung gab es am Wochenende von den Sorgenkindern Miroslav Klose von Lazio Rom (Muskelriss im Oberschenkel) und Abwehrspieler Per Mertesacker vom FC Arsenal (Fuß-OP). Torjäger Klose wurde nach fünfwöchiger Leidenszeit bei Lazio Rom am Sonntag im Spiel bei Atalanta Bergamo in der 66. Minute eingewechselt und Mertesacker teilte mit: "Mir geht es wieder sehr gut. Ich bin schon wieder bei 90, 95 Prozent meines Leistungsvermögens und werde zur EM wieder hundertprozentig fit sein."

Offen ist noch, ob der Bundestrainer sein endgültiges 23-köpfiges oder ein erweitertes Aufgebot bekannt gibt, aus dem dann noch rund ein halbes Dutzend Spieler im Verlauf des zweiten Trainingslagers in Südfrankreich (18. bis 30. Mai) gestrichen werden müsste.

Klose und Gomez im Sturm gesetzt



Den unter anderem wegen der Teilnahme der Bayern am DFB-Pokal- und Champions-League-Finale ausgedünnten Kader für das Regenerations-Trainingslager auf Sardinien (11. bis 18. Mai) und die erste Woche der zweiten Vorbereitungsphase könnte der 52-Jährige mit U21-Akteuren auffüllen. Vielleicht entscheidet sich Löw auch für die goldene Mitte mit 26-EM-Kandidaten und einem Quartett aus reinen Platzhaltern. Vor der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz hatte der Bundestrainer, der am 29. Mai seinen endgültigen Kader bei der UEFA melden muss, zunächst 26 Profis nominiert, vor der WM 2010 in Südafrika 27.

Vor vier Jahren wurden auf Mallorca Marko Marin, Jermaine Jones und der heutige Wolfsburger Helmes gestrichen. 2010 musste nur Andreas Beck in den sauren Apfel beißen, nachdem sich durch die Verletzungen von Michael Ballack, Christian Träsch und Heiko Westermann einige Personalien von selbst erledigt hatten.

Unabhängig von der Größe des Aufgebotes gibt es diesmal bei der Besetzung des Angriffs und des Mittelfelds noch Rätselraten. Im Angriff ist Klose ebenso gesetzt wie der Münchner Torjäger Mario Gomez. Weitere Kandidaten für den Sturm sind der Stuttgarter Cacau, Helmes und Hanke. Nicht zuletzt Stefan Kießling hat sich mit einer hervorragenden Rückrunde (13 Tore) wieder ins Gespräch gebracht.

Auch Holtby eine Option



Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos sind als Kandidaten für das defensive Mittelfeld vorgesehen, Simon Rolfes, Sven und Lars Bender sowie Ilkay Gündogan schielen auf den vierten Platz für diese Rolle. Im offensiven Mittelfeld ist der Schalker Lewis Holtby eine Option.

Bei den Torhütern darf sich nur die Nummer eins Manuel Neuer sicher sein. Sowohl Zieler als auch Tim Wiese, der fest von einer Nominierung ausgeht, könnte es ähnlich wie Timo Hildebrand kalt erwischen. Der heutige Schalker durfte 2008 nicht mit zur EM, stattdessen erhielt in Rene Adler ein damaliger Aufsteiger den Vorzug.