Tourrettes - Am Mittwoch drückten Michael Schumacher und Nico Rosberg kräftig auf die Tube, bis zum Länderspiel am Samstag in der Schweiz müssen vor allem die Wackelkandidaten der deutschen Nationalmannschaft Gas geben. "Man will sich in jedem Training anbieten, und natürlich ist das Spiel richtig wichtig", sagte Lars Bender, der sich mit seinen Teamkollegen über den "Motivationsbesuch" der beiden Formel-1-Piloten im EM-Trainingslager freute. Mit Blick auf das Spiel in Basel sagte er: "Das ist das letzte Ding, wo man sich zeigen kann. Wer dort seine Leistung bestätigt, wird zur EM fahren."

Die für eine Ausmusterung in Betracht kommenden Profis können die Abwesenheit der acht Nationalspieler des Rekordmeister Bayern München nutzen, die aufgrund der bitteren Niederlage im Finale der Champions League gegen den FC Chelsea erst am Samstagabend im südfranzösischen Tourrettes eintreffen werden. "Jeder will seinen EM-Platz", sagte Benders Zwillingsbruder Sven. Beiden ist klar: Nur wer in Basel Bundestrainer Joachim Löw vorspielen darf, kann auf ein EM-Ticket hoffen.

Flick erhofft sich wichtige Erkenntnisse



"Die Vorbereitung auf das Spiel wird zwar nicht ganz so sein wie auf ein Qualifikationsspiel oder ein EM-Spiel", sagte Löws Assistent Hansi Flick: "Wir nehmen es aber ernst, weil wir wichtige Erkenntnisse daraus schließen können." Auch Cacau, der hinter Miroslav Klose und Mario Gomez nur die Nummer drei im deutschen Sturm ist, hat den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden: "Da muss man sich beweisen, da muss man zeigen, was man kann."

Alle Wackelkandidaten wissen nur zu genau, was die Stunde geschlagen hat. Zu denen gehören neben Cacau und den Benders auch Julian Draxler, Ilkay Gündogan, Marcel Schmelzer, Ron-Robert Zieler sowie Marc-Andre ter Stegen. Da Löw seinen endgültigen EM-Kader am 29. Mai benennen muss, spielt der letzte Test vor dem ersten EM-Spiel (9. Juni gegen Portugal) am 31. Mai in Leipzig gegen Israel für sie keine Rolle.

Derweil hat DFB-Präsident Wolfgang Niersbach noch einmal erklärt, dass ein vorzeitiges EM-Aus keine entscheidende Rolle für Löw spielen würde. Niersbach adelte den 52-Jährigen am Mittwoch als "perfekten Bundestrainer" und stellte ihm eine Jobgarantie aus. "Weil wir von seiner Arbeit 100 Prozent überzeugt sind", sagte Niersbach im "Kölner Express": "Und das gilt mehr denn je. Wir haben den perfekten Bundestrainer und mit Manager Oliver Bierhoff und den Assistenten auch das perfekte Team."

"Einen Titel kann man nicht einplanen"



Trotz der Spannungen zwischen Löw und Matthias Sammer in der Vergangenheit zählt Niersbach auch den DFB-Sportdirektor zu diesem perfekten Team. "Matthias Sammer ist ein unbequemer Geist, aber immer im absolut positiven Sinne. Mit seiner Beharrlichkeit und Ungeduld kann er einem auf positive und konstruktive Weise auf die Nerven gehen. Aber genau so etwas brauchen wir beim DFB", sagte Niersbach: "Er will immer den Erfolg, denn nur so kannst du etwas bewegen, verändern und in die richtige Richtung schieben. Ich halte die gesamte Konstruktion für ideal."

Nicht zuletzt aufgrund dieser Konstellation hält Niersbach den ersten Titelgewinn seit dem EM-Triumph 1996 für möglich. "Wir haben die Klasse dazu", sagte der 61-Jährige: "Es gibt bei uns allen natürlich die Hoffnung und den Wunsch, aber einen Titel kann man nicht einplanen. Um die Trophäe zu gewinnen, müssen Können und das notwendige Glück zusammenkommen."

Für das Können im deutschen Team, das am Mittwoch zum zweiten Mal während der EM-Vorbereitung unangekündigten Besuch von der Nationalen Anti Doping Agentur erhielt, stehen vor allem auch Mesut Özil und Miroslav Klose. Offensivspieler Özil vom spanischen Meister Real Madrid trainierte am Mittwochvormittag erstmals seit seiner Ankunft am Sonntag mit der Mannschaft. Klose absolvierte wegen erneuter leichter Beschwerden im Rücken ein abgespecktes Programm.