Köln - "Die Mainzer sind blöd." "Mit Frankfurtern spiel ich nicht." Vorurteile schon unter ganz jungen Fußballfans sind weder neu noch ungewöhnlich; man kennt sich nun mal nicht. Wie schnell sich trotz aller Vorurteile sogar Freundschaften zwischen Fans verschiedener Bundesliga-Clubs entwickeln können, stellte ein gemeinsames Zeltlager von Mainzer und Frankfurter Kindern eindrucksvoll unter Beweis.

In Zusammenarbeit mit dem Sportbund Rheinhessen hatte die DFL Deutsche Fußball Liga ein gemeinsames Kids-Club-Sommercamp vom 4. - 6. Juli ausgerichtet.

Mädchen und Jungen aus dem 05er-KidsClub und von den Junior Adlern

Im Sport- und Freizeitzentrum im rheinland-pfälzischen Seibersbach verbrachten 31 acht- bis zehnjährige Mädchen und Jungen aus dem 05er-KidsClub des FSV Mainz 05 sowie gleichaltrige Junior Adler von Eintracht Frankfurt drei unvergessliche Tage.

"Es war faszinierend zu beobachten, wie nahezu alle Vorurteile und Ressentiments nach zwei Stunden abgebaut waren. Die Kinder haben sich bei Kennenlernspielen ganz schnell gefunden, Mainzer und Frankfurter waren danach in gemischten Gruppen bei allen Unternehmungen aktiv", sagt Thorsten Richter, Verantwortlicher des Mainzer 05er-KidsClub und Mitorganisator des Sommercamps.

Vielfältiges Programm über drei Tage

Ein achtköpfiges Betreuerteam des Sommercamps begleitete die Kinder durch ein Programm, das keine Wünsche offen ließ. Eine Haus- und Geländerallye in Kombination mit 100 zu beantwortenden Fragen am ersten Tag bot den Kindern spielerisch die Chance, das gesamte Sportzentrum zu erkunden. Es folgten Ballspielangebote auf Freiplätzen oder in der Sporthalle, ein Sensibilitäts-Parcours mit verbundenen Augen und ein Fußballturnier.

Daneben standen auch präventive und kreative Angebote auf dem Plan. Die Polizei informierte über den Missbrauch von Drogen und Alkohol, in verschiedenen Workshops probierten sich die Kinder beim Gestalten von Gipsmasken oder sogar als Maler an einer Staffelei. "Wir hatten in der Sportschule alle Möglichkeiten, den Kindern ein kurzweiliges, aber auch sinnvolles Mitmach-Programm zu bieten. Hier sollten sie Gemeinschaft ohne Leistungsdruck erleben, und das ist wirklich hervorragend gelungen", so Richter.

Lagerfeuer mit Stockbrot

Höhepunkt der drei Zeltlager-Tage war für die meisten Kinder der letzte Abend. Nach dem Grillen saßen alle bei Gruselgeschichten um ein großes Lagerfeuer und aßen selbstgeröstetes Stockbrot. Der Abschied am dritten Tag fiel der Gruppe sichtlich schwer; Telefonnummern und Mailadressen wurden fleißig getauscht. "Mein Sohn will nächstes Jahr unbedingt wieder dabei sein, es war so schön. Vielen Dank für das tolle Erlebnis", bedankte sich eine Mutter spontan per Mail.

Grundsätzlich spielen Kids-Clubs eine wichtige Rolle im Zehn-Punkte-Plan für mehr Sicherheit im Fußball. Unter dem Punkt 8, Ausbau der Frühprävention, verpflichtet sich der Fußball, in Kids-Clubs und Familienangebote zu investieren. "Bei dem Kids-Club-Sommercamp sollen Freundschaften geschlossen, andere Kinder kennen gelernt und somit Vorurteile schon in der Entstehung unwahrscheinlicher gemacht werden. Wir wollen den Kids mit pädagogisch wertvollen Angeboten, Spiel und Spaß ein unvergessliches Erlebnis bereiten. Dabei sind wir froh und stolz, mit dem Sportbund Rheinhessen e.V. einen sehr kompetenten Partner an unserer Seite zu haben", so Thomas Schneider, Leiter Fanangelegenheiten der DFL

Zweites Sommercamp im August mit sieben Clubs

Das erste Sommercamp wird auch gleich ein schnelles Nachspiel haben: Vom 9. - 11. August werden der 1. FC Nürnberg, Alemannia Aachen, Bayer Leverkusen, Fortuna Düsseldorf, der SC Freiburg und SC Paderborn sowie Werder Bremen zu Gast in Seibersbach sein.