Dortmund - Die Gegensätze könnten nicht krasser sein: Während Borussia Dortmund in der Bundesliga weiter tief im Tabellenkeller feststeckt, seit sieben Spielen auf einen Sieg wartet und die letzten fünf Partien in Serie verlor (zur Tabelle), trohnt der BVB in der Champions League mit der optimalen Ausbeute von neun Punkten nach drei Begegnungen und einer Tordifferenz von 9:0 an der Spitze der Gruppe D.

Da kommt der Borussia das Spiel gegen Galatasaray Istanbul am Dienstagabend (ab 20.30 Uhr im Liveticker) gerade recht, um die Bundesliga-Sorgen aus dem Kopf zu bekommen. "Das Spiel gegen Galatasaray ist die nächste Gelegenheit, allen zu zeigen, dass wir es besser können", sagte Verteidiger Neven Subotic bereits kurz nach der bitteren 1:2-Niederlage beim FC Bayern am Samstagabend.

Das Jubiläumsspiel

© dfl

Für den BVB geht es aber nicht nur darum zu zeigen, dass man es besser machen kann als in der Bundesliga - denn das konnte man in dieser Champions-League-Saison ja bereits mehrmals eindrucksvoll unter Beweis stellen. Vor allem geht es darum, im 200. Europapokal-Spiel der Club-Geschichte den vorzeitigen Achtelfinal-Einzug perfekt zu machen.

Und dieser könnte am Dienstag sogar mit einem Club-Rekord verbunden werden: Noch nie gelangen den Dortmundern in der Gruppenphase der Königsklasse vier Siege in Folge - und noch nie konnte der BVB so früh den Einzug in die Runde der letzten 16 perfekt machen.

Hummels fehlt

"Ich bin mir sicher, dass wir das Achtelfinale erreichen und am 15. Dezember im Lostopf liegen", sagt Pierre-Emerick Aubameyang, "trotzdem müssen wir die Konzentration hochhalten und bis zum Schluss punkten." So könnten die BVB-Fans zumindest in der Rückrunde der Saison 2014/15 auf weitere Champions-League-Highlights hoffen, denn in der Bundesliga ist die Qualifikation für die kommende Saison in Europas Elite-Wettbewerb bereits in weite Ferne gerückt. Zehn Punkte beträgt hier schon der Rückstand auf Platz 4, der zumindest für die Qualifikationsspiele zur Champions League berechtigen würde.

Beim Unternehmen Achtelfinal-Einzug muss der BVB neben den länger verletzten Oliver Kirch, Jakub Blaszczykowski, Marcel Schmelzer und Nuri Sahin auch auf Mats Hummels verzichten, der mit einer beim Spiel in München erlittenen Bänderdehnung im Sprunggelenk für etwa drei Wochen ausfallen wird. "Ohne Mats fehlt hinten ein wichtiger Aufbauspieler", merkte BVB-Sportdirektor Michael Zorc an.

Wer verteidigt neben Sokratis?

© dfl

Für den BVB-Kapitän kommen zwei Kandidaten als Ersatz in der Inneverteidigung neben dem gesetzten Griechen Sokratis in Frage. Neven Subotic, der nach seinem Kreuzbandriss noch ein gutes Stück entfernt ist von seiner Bestform, scheint die erste Wahl zu sein.

Aber auch Matthias Ginter, der im Hinspiel gegen Galatasaray sowie im Auftaktspiel der Königsklasse gegen Arsenal jeweils eine Halbzeit zum Einsatz kam, könnte eine weitere Bewährungschance bekommen. Bisher setzte Jürgen Klopp den Youngster in der Champions League aber nur im defensiven Mittelfeld ein.

"Gala" will Revanche

So oder so muss sich der BVB auf einen hochmotivierten türkischen Rekordmeister einstellen, der auf Revanche für die herbe 0:4-Pleite gegen den BVB in Istanbul aus ist. Am Wochenende schossen sich die Türken dafür warm, besiegten im Stadtderby den Nachbarn Kasimpasa 2:1 (0:1) und zogen an der Tabellenspitze der türkischen Süper Lig mit dem Erzrivalen Fenerbahce gleich. "Wir rechnen mit einer starken Mannschaft von Galatasaray, die die Lage in der Gruppe dramatisch verbessern will", sagte Klopp bei der Pressekonferenz vor dem Spiel.

Zudem ist Galatasaray in Deutschland traditionell sehr stark. Fünf Siegen hierzulande stehen fünf Niederlagen gegenüber, drei Partien endeten unentschieden. Das Team aus Istanbul konnte sich in vier der letzten fünf Partien bei einem Bundesligaverein durchsetzen. Auf der anderen Seite hat "Gala" die letzten vier Auswärtsspiele in der Champions League verloren. In den letzten sechs Partien in der Fremde gab es fünf Niederlagen und ein Remis (2:2 in Turin).

Gläzende Situation vergolden

Die Champions League bedeutet für den BVB in jedem Fall eine derzeit sehr willkommene Ablenkung vom sehr tristen Bundesliga-Alltag. "Unsere Situation ist verrückt und brutal hart", sagte Jürgen Klopp nach der Partie in München (Stimmen zum Spiel). In der Königsklasse ist die Situation hingegen glänzend - und könnte mit dem vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale am Dienstag sogar vergoldet werden.

Dennis-Julian Gottschlich