München - Der FC Bayern München dominiert die Bundesliga momentan nach Belieben. Sinnbildlich für die Vorherrschaft des Rekordmeisters stand in den vergangenen Wochen aber vor allem ein Mann: Mario Gomez. Nachdem der Nationalspieler an den ersten beiden Spieltagen leer ausging, trifft der 1,89-Meter große Angreifer derzeit beinahe wie im Schlaf.

Beim atemberaubenden 7:0 über den SC Freiburg erzielte der Torschützenkönig der vergangenen Saison erstmals einen "Viererpack" im Bayern-Trikot und schraubte seine Torbilanz somit auf acht Treffer in nur fünf Spielen. Wem dieser beeindruckende Wert noch nicht genügt, der sollte beachten, dass Gomez allein damit bereits häufiger ins Schwarze getroffen hat, als 13 andere Mannschaften insgesamt. Prädikat: Außerirdisch!

Quote sucht ihresgleichen

Die sensationelle Quote sucht jedenfalls ihresgleichen, auch in der fast fünfzigjährigen Bundesliga-Historie: Zuletzt hatte zu diesem frühen Zeitpunkt Peter Meyer für Borussia Mönchengladbach so viele Treffer markiert (neun Tore in der Saison 1967/68). Ansonsten schafften dieses Kunststück nur Dieter Müller (1. FC Köln, 1977/78) und Gomez' prominentester Vorgänger, Gerd Müller 1968/69. Mit anderen Worten: Der 26-Jährige befindet sich in bester Torjäger-Gesellschaft.

Wie lange Gomez' Lauf andauert, steht in den Sternen. Sollte er weiter in diesem Tempo einnetzen, käme er am Saisonende auf 54 Treffer, womit der 40-Tore-Rekord von Gerd Müller endgültig Geschichte wäre. Gomez eifert dem "Bomber der Nation" jedenfalls schon jetzt in allen Belangen nach: Schnöden "Doppelpacks" sind dem gebürtigen Schwabe nicht mehr genug.

Doppelt? Für Gomez nicht genug

In neun der vergangenen zehn Partien, in denen er mindestens zwei Mal traf, schoss er anschließend auch ein drittes oder viertes Tor. Insgesamt haben nur der schier übermächtige Gerd Müller (32) und Schalke-Legende Klaus Fischer (zwölf) häufiger mindestens drei Mal ins Schwarze getroffen als Gomez.

Der Mann in vorderster Front ist insofern definitiv ein gewichtiger Faktor für die Übermacht des FCB. Der zweite Trumpf des Teams von Trainer Jupp Heynckes spielt sich derweil auf der anderen Seite des Platzes ab: In der Defensive.

Beton-Abwehr steht

Auch hier sprechen die Zahlen für sich selbst. In acht Pflichtspielen musste der Rekordmeister nur ein einziges Gegentor hinnehmen, und das entstand auch noch aus eigenem Verschulden - nach einem Missverständnis zwischen Manuel Neuer und Jerome Boateng gegen Mönchengladbach.

In der Bundesliga bedeutet das einen historischen Bestwert für die Bayern: In allen vorherigen Spielzeiten hatte der FCB nach fünf Spieltagen mindestens zwei Gegentore hinnehmen müssen.

Keine Großchance

Dass Manuel Neuers gegentorlose Minutenanzahl wächst und wächst, kommt nicht von ungefähr: Bayern lässt einfach fast nichts zu. In fünf Bundesligaspielen schossen die Gegner der Münchner nur 29 Mal aufs Tor, davon lediglich zehn Mal innerhalb des Strafraums. Kein einziger dieser Versuche verdiente das Prädikat "Großchance".

Noch kein Spieler kam in dieser Saison also gegen die Bayern völlig frei zum Abschluss. Zum Vergleich: Neun Mal gelang dies bereits gegen Dortmund, ganze 17 Mal gegen den HSV.

Neuer beschäftigungslos

Während Gomez vorne trifft und trifft, ist Bayern-Keeper Neuer hinten fast beschäftigungslos, kann sich kaum auszeichnen. In der bisherigen Saison kamen magere sieben Torschüsse überhaupt auf sein Tor.

Dass erst gar keine Gefahr aufkommt - dafür zeichnet die mannschaftlich kompakte Defensivarbeit verantwortlich. Bayern ist das zweikampfstärkste Team der Liga (56 Prozent gewonnene Duelle) - und das sowohl in der Offensive (47 Prozent) als auch in der Defensive (64 Prozent).

Gomez trifft vorne wie am laufenden Band, hinten steht Bayern wie eine Eins - bisher können sich Bayerns Auftritte in der neuen Spielzeit wahrlich sehen lassen. Man darf allerdings gespannt sein, wie sich die Münchner gegen stärkere Kontrahenten präsentieren.

Stefan Missy und Christoph Gschoßmann