Köln - Tabellarisch gesehen ist es das absolute Topspiel des 12. Bundesliga-Spieltags, auch wenn beide Teams in der Tabelle schon 10 Punkte trennen. Der Spitzenreiter FC Bayern München empfängt am Samstagnachmittag (ab 15 Uhr im Liveticker) den Fünften TSG Hoffenheim (zur Duellvorschau) - und kann dabei nach langer Zeit wieder auf Bastian Schweinsteiger zurückgreifen.

Gute Nachrichten also für FCB-Coach Pep Guardiola, der, gerade was das Personal angeht, seit Saisonbeginn eine Hiobsbotschaft nach der anderen verkraften musste. Philipp Lahm, David Alaba, Thiago, Holger Badstuber, Javi Martinez, Claudio Pizarro, Tom Starke, Pepe Reina - die Liste der Spieler, die Guardiola wohl noch mindestens bis Beginn der Rückrunde fehlen werden, sie ist extrem lang.

Schweinsteiger-Comeback bleibt offen

"Wir dürfen nicht nach Ausreden suchen, sondern müssen weitermachen und eine Lösung finden, wie wir die Ausfälle kompensieren können", sagte Guardiola allerdings auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Gerade deshalb kommt die Genesung Schweinsteigers genau zum richtigen Zeitpunkt. "Bastian ist im Kader, er ist fit. Das ist eine gute Nachricht. Er ist dabei und zurückgekommen, ein Spieler mehr für unseren Kader. Ich weiß nicht, ob er von Beginn an spielt. Wir haben viel Verletzte, gerade im Zentrum", meinte Guardiola.

Sein Schützling Thomas Müller, der sich unter der Woche bei der Nationalmannschaft eine Prellung im Gesäß zugezogen hatte, gegen Hoffenheim aber mitwirken kann, sieht die angespannte Personalsituation aber nicht als Ausrede: "Wir sind der FC Bayern und werden immer eine schlagkräftige Mannschaft auf den Platz bringen. Ich sehe das alles nicht so dramatisch. Wir sind guter Dinge!"

Besser als der AS Rom?

Das sollten die Bayern auch sein, schließlich sind sie die einzige Mannschaft der Bundesliga, die noch nie gegen Hoffenheim verloren hat. Zwölf Mal trafen beide Teams seit dem Aufstieg der TSG im Jahr 2008 aufeinander, achtmal gewann der Rekordmeister, vier Spiele endeten Remis.

Für Hoffenheims Coach Markus Gisdol trotzdem kein Grund zum Verzagen: "Wir nehmen die Herausforderung voll an und freuen uns auf die Partie", sagte Gisdol, "wir werden alles versuchen und das Spiel sicherlich nicht schon im Vorfeld abschenken." Dennoch sei die Erwartungshaltung nicht sonderlich groß. "Wenn man in München mit vier, fünf oder sechs zu null verliert, ist das normal", meinte der TSG-Trainer und fragte die auf der Pressekonferenz anwesenden Journalisten mit einem Augenzwinkern: "Oder glauben Sie, dass wir besser sind als der AS Rom?"

Gute Erinnerungen an die Allianz Arena

Das den Hoffenheimern eine Mammutaufgabe bevorsteht, ist klar. Seit 15 Bundesliga-Spielen ist der FCB ungeschlagen, gewann die letzten acht Heimspiele bei einem Torverhältniss von 26:4. Doch auch schon die letzte Heimserie der Münchener (21 Heimsiege in Folge) beendete 1899.

Nach einem 1:3-Rückstand kam "Hoffe" im März diesen Jahres zurück in die Partie und holte beim 3:3 in der Allianz Arena einen Punkt. Damit beendete die Mannschaft von Markus Gisdol sogar gleich zwei Münchner Serien. Erstmals nach 19 Spielen ging der FC Bayern nicht als Sieger vom Platz und erstmals in der Saison 2013/14 konnte das Team von Pep Guardiola vor heimischem Publikum nicht gewinnen.

Wie kann man die Bayern schlagen?

Diese Frage stellt sich wohl jede Mannschaft, die im Moment nach München reisen muss. Dass das Team von Markus Gisdol dazu in der Lage ist, zeigte es beim 3:3 in der Vorsaison. Damals attackierte man den Rekordmeister oft schon an dessen Strafraum, unterband so das Kurzpassspiel und verhinderte häufig einen geordneten Spielaufbau. 

Ob dies wieder möglich ist, wird auch am Mut der Hoffenheimer liegen. "Die Bayern haben ihre eigene Spielweise und sie machen kaum Fehler", erklärt Markus Gisdol. "Wenn sie den Ball erobern und das andere Team ungeordnet erwischen, kommt der Ball sicher im Strafraum an und es gibt einen Abschluss. Sie machen auch in höchstem Tempo keine Fehler - die Pässe kommen an. Die individuelle Klasse ist schon beeindruckend."

Brandgefährliche Offensive

Auch Pep Guardiola hat das Spiel aus dem März diesen Jahres noch nicht vergessen. "Da hatten wir mit ihrem Angriffspressing viele Probleme", ließ der Spanier wissen. Dies soll am Samstag nicht noch mal geschehen, denn bis Weihnachten habe man noch acht wichtige Spiele (sechs in der Bundesliga und zwei in der Champions League). "Das ist eine wichtige Periode, wir können einen weiteren Schritt machen."

Guardiola warnte sein Team vor allem vor der brandgefährlichen Hoffenheimer Offensive um Nationalspieler Kevin Volland und den Brasilianer Firmino, die mit 17 Treffern die drittbeste der Liga darstellt (Tabelle). "Die ist überragend. Wir müssen das Spiel von Hoffenheim gut lesen."

Nur Polanski fehlt bei Hoffenheim

Neben Thomas Müller werden bei den Bayern auch Manuel Neuer und Jerome Boateng, die beide beim DFB-Spiel gegen Spanien passen mussten, mitwirken können. "Wir müssen Hoffenheim sehr, sehr ernst nehmen. Wir werden nur mit einer Topleistung und topseriösen Einstellung gewinnen", mahnte Sportvorstand Matthias Sammer dennoch.

Beim Team aus dem Kraichgau wird hingegen aller Wahrscheinlichkeit nach lediglich Eugen Polanski passen müssen, der im Training einen Pferdekuss im Oberschenkel abbekommen hat. "Ich weiß nicht, ob es bei ihm bis Samstag reicht", sagte Markus Gisdol.

Es wird schwer zu bestehen

Eins ist klar: Sollten die Hoffenheimer es wieder schaffen, so in München aufzutreten wie im März dieses Jahres, dann wird es ein Spiel auf Augenhöhe, bei dem die TSG den FCB durchaus ärgern könnte. Schaffen es die Münchener allerdings ihr Spiel durchzuziehen und so konsequent aufzutreten, wie man es von ihnen gewohnt ist, dann wird es auch für 1899 extrem schwer, in der Allianz Arena zu bestehen.

Dennis-Julian Gottschlich