Leverkusen - Nach der Achterbahnfahrt beim 4:4-Torfestival gegen den AS Rom in der Champions League wartet am kommenden Samstag wieder der Bundesliga-Alltag auf Bayer 04 Leverkusen. Mit einem Sieg gegen den VfB Stuttgart will die Werkself den Sprung ins obere Tabellendrittel schaffen.

Die Unterschiede zwischen den Leistungen in der Königsklasse und der Bundesliga sind frappierend. Im internationalen Wettbewerb ballert die Werkself aus allen Rohren. In den bisherigen drei Gruppenspielen schoss Bayer 04 bereits neun Tore und damit eins mehr als in den neun Bundesliga-Partien. Nimmt man noch die Play-off-Partie gegen Lazio Rom dazu, die Leverkusen souverän mit 3:0 gewann, hat die Elf von Roger Schmidt sogar schon zwölf Mal eingenetzt.

"In der Bundesliga viele Chancen vergeben"

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Es ist schon verrückt. "In den letzten Wochen haperte es bei uns an der Chancenverwertung, während die defensive Abteilung alles weggeputzt hat. Diesmal war es genau umgekehrt", rätselte Sportchef Rudi Völler über die zwei Gesichter der Mannschaft. Während die Abteilung Attacke die Römer von einer Verlegenheit in die nächste stürzte, wackelte auch die eigene Hintermannschaft bedenklich. Hinzu kam eine unerklärliche Schwäche bei den Standards der Italiener, von denen gleich drei zu Gegentoren führten.

So verspielte Bayer 04 eine 2:0-Führung, lag dann mit 2:4 hinten, um am Ende das Ergebnis auf 4:4 zu stellen. Nach dem kuriosen Spielverlauf sah Völler dann die Werkself auch als "kleinen moralischen Sieger". Während damit in der Champions League der zweite Platz in der Gruppe hinter dem FC Barcelona verteidigt wurde, läuft Leverkusen in der Bundesliga trotz zuletzt vier Spielen ohne Niederlage der Musik etwas hinterher. Platz sieben genügt den Ansprüchen ganz und gar nicht.

"Wir haben einige Punkte in der Bundesliga liegen lassen und viele Chancen vergeben", ärgert sich Völler. Das muss sich ändern. In dieser Situation kommt der VfB Stuttgart nun gerade recht. Seit zehn Bundesliga-Spielen ist Bayer 04 gegen die Schwaben ungeschlagen, sieben Siege und drei Unentschieden bei 25:12 Toren gab es seit 2010.

Torjäger Javier "Chicharito" Hernandez

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Ob gegen den VfB Stuttgart, der nach einem Fehlstart mit fünf Startniederlagen in Folge zuletzt immerhin sieben Punkte aus vier Spielen holte, Lars Bender und Stefan Kießling mitwirken können, ist noch offen. Beide fehlten gegen den AS Rom verletzungsbedingt. Vor allem vor Kießling haben die Stuttgarter traditionell Muffensausen, gelangen dem Leverkusener Goalgetter doch zwischen 2009 und 2013 in acht Spielen in Folge zwölf Tore gegen die Schwaben.

Sollte der 31-Jährige passen müssen, steht allerdings mit Javier Hernandez, besser bekannt als Chicharito, ein Torjäger parat, der die Bayer-Legende zuletzt schon öfter aus der Startelf verdrängt hatte. Gegen Rom traf der Mexikaner doppelt, ließ allerdings auch zwei Großchancen ungenutzt. Dennoch gibt es an seiner Klasse keinen Zweifel. "Der Junge ist ganz toll. Er ist unglaublich gut", lobt Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade den Stürmer. "Er hatte phasenweise Schwierigkeiten. Aber gegen Rom hat er wieder gezeigt, was in ihm steckt. Er ist ein Knipser, er steht in der Box und macht auch das Tor. Wir werden noch sehr viel Freude an ihm haben."

Chicharito selbst glaubt, dass sich die Mannschaft gegen Stuttgart noch einmal steigern muss. "Wir können es uns nicht leisten, eine solche Führung wie gegen Rom noch einmal herzugeben und so viele Gegentore zu kassieren", meinte der 27-Jährige. Ob er wusste, dass Leverkusen vor einem Jahr in Stuttgart genau das passiert war? Damals vergeigten die Rheinländer noch eine 3:0-Pausenführung und spielten 3:3. Bei aller Freude über ein derartiges Spektakel wäre ein Punkt den VfB diesmal sicherlich zu wenig.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski

Vorbericht Bayer 04 Leverkusen - VfB Stuttgart.

Chicharito im Exklusiv-Interview.