München - Der Kampf gegen Windmühlen ist aussichtlos. Das wusste Don Quijote und das weiß auch Bayern-Stürmer Mario Gomez. Was für den fahrenden Ritter in Cervantes Roman die Windmühlen waren, war für Gomez lange Zeit der Kampf gegen sein öffentliches Image. Begonnen hatte alles mit einem eklatanten Fehlschuss im EM-Spiel gegen Österreich 2008. Freistehend vergab der Angreifer eine Großchance am Fünfmeterraum.

Kein anderer Stürmer der Republik musste nach einer vergebenen Möglichkeit je so viel Häme und Kritik einstecken wie der gebürtige Riedlinger. Dass er in seinem ersten Jahr beim FC Bayern mit zehn Toren hinter den Erwartungen zurückblieb, passte ins Bild. Schließlich war er 2009 als teuerster Neuzugang aller Zeiten an die Isar gewechselt. Knapp drei Jahre nach dem folgenschweren Abend von Wien wirkt es, als hätte er diese Last abgeworfen, sich freigemacht vom Image des Chancentods.

"Die öffentliche Meinung werde ich nicht ändern können", sagt der 25-Jährige heute lakonisch. "Die ist auch nicht wichtig. Ich kann nur meine Leistung auf dem Platz bringen. Wichtig ist, was Trainer und Mitspieler von mir denken. Und da bin ich auf einem sehr guten Weg."

Auf den Spuren von Rummenigge

Es ist der Königsweg, wie es aussieht: Mit dem fünften "Dreierpack" der Saison schraubte Gomez sein Tore-Konto am vergangenen Wochenende auf 27. Bereits jetzt ist er einer der erfolgreichsten Torschützen der vergangenen 30 Jahre, die Torjägerkrone ist ihm angesichts fünf Toren Vorsprung auf Freiburgs Papiss Cisse nur noch theoretisch zu nehmen. Einen Spieltag vor Toreschluss schickt er sich nun an, in die Riege der ganz Großen des FC Bayern vorzustoßen.

Drei weitere Treffer müsste er am letzten Spieltag erzielen, um Vorstandsboss und Clubikone Karl-Heinz Rummenigge in den Schatten zu stellen, der 1981 stolze 29 Mal einnetzte. Diese Marke habe er nicht auf dem Zettel, sagt Gomez "Wenn ich gut spiele, wenn wir als Mannschaft gut spielen, dann werde ich auch wieder treffen. Wir werden am Ende sehen, wie viele Tore es werden. Das ist für mich nicht wichtig, solange wir gewinnen."

Seine Tore müsste der Angreifer gegen einen ganz besonderen Gegner erzielen: seinen ehemaligen Club, den VfB Stuttgart. Der Verein, bei dem der Stürmer einst den Durchbruch schaffte und mit dem er immer noch viel verbindet. "Ich bin froh, dass Stuttgart den Klassenerhalt geschafft hat", sagt Gomez.

"Der VfB kann ohne Druck aufspielen"

Dass seine schwäbische Vergangenheit kein Hemmnis ist, das bewies er bereits in der Hinrunde, als er beim 5:3 in Stuttgart drei Mal traf. "Es wird nicht einfach, der VfB kann ohne Druck aufspielen", warnt Gomez: "Es wird kein Spaziergang."

Vielleicht sei ja sogar noch Platz 2 drin, gibt sich der Angreifer zuversichtlich. Dafür müsste allerdings Konkurrent Bayer Leverkusen in Freiburg patzen. Von Leverkusener Nervenschwäche will er nichts wissen. "Wir konzentrieren uns auf unser Spiel. Erst nach der Partie werden wir auf die Anzeigetafel schauen", sagt Gomez.

Erst die eigene Leistung bringen, dann sehen was herausspringt - diesem Motto folgt der Angreifer auch in Sachen Torjägerkanone. Der Nationalstürmer will mit der Trophäe erst befassen, wenn er sie tatsächlich in den Händen hält. "Ich habe Wichtigeres zu tun, als zu überlegen, wo ich die Kanone hinstelle."

Noch keine Gedanken an die Trophäe

Dass eine Saison für ihn persönlich so einen erfolgreichen Abschluss nimmt, damit hat Gomez selbst nicht gerechnet. Coach Louis van Gaal hatte ihn zu Saisonbeginn sechs Spiele lang nur als Einwechselspieler für die Schlussphase vorgesehen. Anschließend korrigierte der niederländische Coach seinen Fehler und baute den Stoßstürmer in seine Stammelf ein.

"Es war so nicht vorherzusehen", erklärt Gomez: "Der Trainer hat mir vor der Saison gesagt, wie meine Rolle aussehen wird. Das war nicht so vielversprechend, wie es letztlich gekommen ist." Es sei schön, dass er nicht nachgelassen habe. "Heute bin ich sehr froh und glücklich dass ich nicht für ein Jahr woanders hingegangen bin", betont er. Sprach's und verabschiedete sich von der Journalistenrunde. An der Säbener Straße war es windstill.

Vom FC Bayern berichtet Andreas Messmer