Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen bleibt in der Bundesliga die Mannschaft der Stunde. Mit dem klaren 4:0-Heimerfolg gegen den Hamburger SV (Spielbericht) gelang der Werkself der fünfte Sieg ohne Gegentor in Folge. Damit haben sich die Rheinländer vor dem Saisonendspurt bei nun acht Punkten Vorsprung auf Schalke 04 eine glänzende Ausgangsposition im Kampf um die Champions-League-Plätze verschafft.

"Wir wollten gegen den HSV einen klaren Sieg einfahren und sind auch aufgetreten, wie es sich für eine Spitzenmannschaft gehört", sagte Bayer-Kapitän Simon Rolfes nach der Gala erfrischend offen. "Wir haben den HSV von der ersten Sekunde an unter Druck gesetzt und dem Gegner gezeigt, dass er keine Chance hat."

Besserer Rhythmus, reifere Spielanlage

13:0-Tore und 15 Punkte hat Leverkusen nun aus den letzten fünf Partien geholt. Besser geht es nicht. Zwar waren unter diesen fünf Gegnern auch vier der letzten fünf der Tabelle. Doch gerade gegen solche Kontrahenten hatte die Werkself noch in der Hinrunde etliche Punkte liegen lassen. Das hat sich nun geändert.

"Wir sind insgesamt reifer geworden in unserer Spielanlage. Wir spielen ruhiger und haben eine gute Mischung aus aggressiv in die Zweikämpfe gehen und ruhigem Spiel bei eigenem Ballbesitz", findet Simon Rolfes. "Wir kombinieren deutlich besser als zu Beginn der Saison. Wir haben einen besseren Rhythmus im Spiel."

Gegen die allerdings auch schwachen Hamburger traf Leverkusen früh und dann kurz vor und nach der Halbzeit. Damit waren die Punkte im Sack, die Pflichtaufgabe souverän gemeistert. Und das alles mit einer Mannschaft, in der Trainer Roger Schmidt munter rotiert hatte. Etablierten Stars wie Emir Spahic, Hakan Calhanoglu oder Heung-Min Son gönnte er eine Pause. Dafür lieferte ein Julian Brandt eine Klassepartie ab, Gonzalo Castro glänze im zentralen Mittelfeld. Und vorne wirbelte Doppeltorschütze Stefan Kießling wieder wie in seinen besten Zeiten.

Einordnung am Mittwoch

Wie nun diese starken Auftritte und Resultate einzuordnen sind, wird sich am Mittwoch zeigen. Dann bekommt es Bayer Leverkusen mit der ultimativen Herausforderung im deutschen Fußball zu tun. Rekordmeister Bayern München gastiert im Viertelfinale des DFB-Pokals in der BayArena (ab 20:00 Uhr im Liveticker). In der jüngeren Vergangenheit konnte Leverkusen die Münchener einige Male ärgern und auch zwei Mal besiegen. In den letzten vier Bundesliga-Partien konnte Bayer 04 allerdings nur noch einen Punkt holen.

"Man hat eher in einem Heimspiel gegen die Bayern eine Chance als in München oder im Endspiel", meint Bayer-Sportchef Rudi Völler. "Wir müssen ein sensationelles Spiel hinlegen, um eine Chance zu haben. Alle elf bis 14 Spieler müssen über ihrem Zenit spielen. Dann hast du eine kleine Chance. Wir freuen uns auf das Spiel." Auch die Tatsache, dass den Bayern eine Reihe wichtiger Stars fehlen werden, dürfte die Aufgabe nicht leichter machen, glaubt Bayers Geschäftsführer Michael Schade. "Die Bayern würden auch noch mit ihrer B-Mannschaft um die Meisterschaft spielen."

Immerhin: Beim letzten Aufeinandertreffen im Pokal behielt Bayer Leverkusen die Oberhand. Sechs Jahre ist es her, dass die Rheinländer in ihrem damaligen Ausweichstadion in Düsseldorf ebenfalls im Viertelfinale den FC Bayern mit 4:2 besiegten. Gonzalo Castro, Simon Rolfes und Stefan Kießling wissen noch aus eigener Erfahrung, dass die Münchener nicht unschlagbar sind. "Wir wollen die Bayern wieder packen und ins Finale. Dafür werden wir alles tun", versprach Stefan Kießling direkt nach dem Schlusspfiff des Hamburg-Spiels. In der aktuellen Form ist Leverkusen einiges zuzutrauen.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski