Zufrieden dösten die Hauptdarsteller Mario Gomez und Manuel Neuer in ihren Sitzen, auch Joachim Löw lehnte sich entspannt zurück:

Als die neuntägige Asien-Reise nach einem sechseinhalbstündigen Flug aus Dubai am Mittwochmorgen um 7.20 Uhr pünktlich in Frankfurt/Main endete, war der deutschen Nationalmannschaft ein versöhnlicher Abschluss der Länderspiel-Saison gelungen.

Doch während sich die Spieler nach dem lockeren 7:2 (4:0) gegen die Vereinigten Arabischen Emirate in ihren wohlverdienten Urlaub verabschiedeten, geht für den Bundestrainer der Stress mit Blick auf die WM 2010 erst einmal weiter.

Spionage bei der U21-EM

Löw startet in wenigen Tagen seine Spionage-Tour zur U21-Europameisterschaft in Schweden und zum Konföderationen-Cup in Südafrika. Zudem will der 49-Jährige die Planungen für die Weltmeisterschaft so schnell wie möglich abschließen, bevor das WM-Jahr am 12. August mit dem Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan schon wieder losgeht. In Baku stehen dann auch wieder Michael Ballack und Co. zur Verfügung.

"Es gibt einiges zu tun. Im Juni und Juli werden wir konzeptionell arbeiten und einige Dinge aufarbeiten. Wir werden Positionsprofile für die Spieler erstellen. Der Kader wird kleiner werden. Wir werden die Spieler intensiv begleiten und ihnen klare Vorgaben geben", kündigte der DFB-Coach für die neue Saison einen Kurswechsel an.

Positives Fazit der Asienreise

Trotz des dürftigen 1:1 in Shanghai gegen China fiel das Fazit des Bundestrainers positiv aus: "Die Asien-Reise hat sich gelohnt. Die Mannschaft war wieder einmal einige Tage zusammen, wir konnten Gespräche führen und einige Neulinge einführen. Alle haben Erfahrungen mitgenommen, einiges gelernt und Spaß gehabt. Es war sportpolitisch wichtig, uns zu präsentieren, und wir haben sportlich wichtige Erkenntnisse gewonnen."

Die wichtigsten Erkenntnisse der Partie gegen die VAE waren sicherlich, dass auf Schalkes Torwart Manuel Neuer Verlass ist und dass Torjäger Gomez in der DFB-Auswahl wieder trifft. Mit einem Viererpack (35., 45.+2, 48., 90.+2) beendete der Bald-Münchner seine über 829 Spielminuten andauernde Torflaute im DFB-Dress.

Gomez erleichtert

"Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Ich bin froh, dass der Fluch jetzt vorbei ist", sagte der 23-Jährige nach seinem 25. Länderspiel erleichtert. Auch Löw war zufrieden, "dass Mario die Handbremse gelöst hat. Das ist gut für ihn und uns, dass nicht mehr die Minuten gezählt werden."

Doch trotz seiner vier Treffer - zuletzt war dies Lukas Podolski beim 13:0 am 6. September 2006 in San Marino gelungen -
war Gomez nicht der einzige Protagonist in der DFB-Auswahl. Auch Debütant Neuer spielte sich angesichts einiger Klassereflexe in den Vordergrund.

Neuer zählt zu den Gewinnern

"Er war schon vor dem Spiel erstaunlich ruhig und selbstbewusst. Er hat seine Sache klasse gemacht", lobte der Bundestrainer den 23-Jährigen, der im Kampf um die Nummer eins mit Robert Enke, Tim Wiese und Rene Adler einige Pluspunkte sammeln konnte.

"Ich habe nur das Vertrauen zurückgegeben", kommentierte der Neuling, der bei den Gegentoren durch Salem (53.) und Mubarak (73.) chancenlos war, gelassen seine glänzende Leistung. Dass er sich überhaupt auszeichnen konnte, lag aber auch an Schwächen in der Defensivarbeit seines Teams.

Löw kündigt Taktikarbeit an

Bis zur WM steht daher verstärkte Taktikschulung auf dem Programm. "Wir müssen konstanter werden, wir müssen uns spielerisch und taktisch verbessern. Wir werden einige taktische Dinge pauken", kündigte Löw an.

Immerhin war er im Al-Maktoum-Stadion mit dem Offensivspiel seiner Elf einverstanden: "Wir hatten trotz der Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit mehr Zug zum Tor und mehr Tempo in unserem Spiel. Wir waren von Anfang an auf Tore aus." Neben Gomez trugen sich noch Westermann (29.) und Piotr Trochowski (39.) in die Torschützenliste eintragen. Dazu kam ein Eigentor von Fares Juma (52.).

Fünf Neulinge getestet

In Neuer, Christian Träsch, Tobias Weis, Cacau und Christian Gentner gab Löw insgesamt fünf Neulingen auf der Asien-Tour eine Bewährungschance.

Bis zum Aserbaidschan-Spiel will Löw eine WM-Vorauswahl treffen und den Kreis "stark eingrenzen". 30 bis 35 Kandidaten will der Bundestrainer benennen, die er für WM-würdig erachtet: "Wir wollen einen Kreis, wo wir glauben, dass diese Spieler beim Turnier und danach dabei sein können."