Stuttgart - Normalerweise gibt man neuen Mitarbeitern gerne Zeit zum Einarbeiten. Der neue Trainer des VfB Stuttgart aber wird auf diesen Luxus verzichten müssen. Zwar konnte Bruno Labbadia gegen die spielschwachen Dänen von Odense BK beim lockeren 5:1-Sieg erst einmal ein wenig reinschnuppern, was ihn aber in den kommenden Wochen erwartet, bekam er dennoch schon zu spüren.

So wirkte Labbadias Mannschaft auch gegen Odense in vielen Teilen des Spiels verunsichert. Das sah Labbadia nach dem Spiel genauso: "Ich habe Dinge gesehen, mit denen wir noch viel Arbeit haben. Die Mannschaft hat auch noch nicht so viel Selbstvertrauen."

"Müssen die Fans wieder zurückgewinnen"

Zwar zeigte sich der VfB gegen Odense im Vergleich zum Hannover-Spiel stark formverbessert und war dabei vor allem darum bemüht, sich mit den eigenen Fans auszusöhnen.

Denn die scheinen die Geduld mit ihren Lieblingen ein klein wenig verloren zu haben. Gegen Odense schwieg der Fanblock beinahe über die gesamten 90 Minuten, was Timo Gebhart im Gespräch mit bundesliga.de sogar verstehen konnte. "Wir müssen die Fans einfach wieder zurückgewinnen", so der Schütze des Führungstreffers.

Motivator Labbadia

Insgesamt ist bei den Verantwortlichen und Spielern des VfB vor dem enorm wichtigen Spiel gegen den FC Bayern München eine Aufbruchsstimmung zu spüren. Dazu trägt zum großen Teil auch der neue Trainer bei. Immer wieder appellierte Labbadia in den ersten Tagen seiner Amtszeit an den Mannschaftsgeist seiner Spieler. "Wir haben in verschiedenen Formen, verbal, bildlich oder schriftlich, vermittelt, was wir uns vorstellen", erklärte der 44-Jährige unter der Woche. Labbadia gilt als ausgesprochen stark in der Ansprache an seine Spieler, kann motivieren und auch im Training neue Reizpunkte setzen. Das erkannte man auch während der Partie gegen Odense, als er seine Truppe über 90 Minuten nach vorne peitschte und permanent lautstark auf Fehler hinwies.

Das bestätigte auch Christian Gentner: "Der neue Trainer weist uns immer gezielt auf unsere Stärken hin und sagt, dass wir mutig spielen sollen." Das vermittle Selbstvertrauen, so Gentner. Überhaupt waren sich die VfB-Akteure einig, dass bei den ersten Trainingseinheiten ein frischer Wind innerhalb des Teams wehen würde. Dieser wird aber auch dringend nötig sein, wartet zum Abschluss der Hinrunde mit den Bayern doch ein echtes Großkaliber. Für Labbadia ist es also ein absoluter Kaltstart, quasi von Null auf Hundert.

Verschnaufpause für Tasci und Delpierre

Allerdings scheint die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal in dieser Spielzeit insbesondere auswärts schlagbar zu sein. Auch in diesen Tagen bestimmen zahlreiche Personaldiskussionen das Münchner Umfeld, vielleicht eine Chance für den VfB trotz angeschlagenen Selbstvertrauens erfolgreich zu sein. Labbadia jedenfalls scheint trotz einer kurzen Kennenlernphase bereits genaue Vorstellungen über das Korsett seiner zukünftigen Elf zu haben. So bekamen die beiden Innenverteidiger Serdar Tasci und Delpierre gegen Odense eine Verschnaufpause verordnet. Auch Christian Träsch durfte sich ausruhen, Cacau und Gentner mussten nicht allzu lange auf den Platz.

Labbadia hat also einen Plan, um aus der momentanen Misere herauszukommen. Dabei wird er wissen, dass er besonders in der Defensive bis zum Bayern-Spiel noch einige Feinarbeit verrichten muss. So wirkte der rechte Außenverteidiger Philipp Degen nicht immer sattelfest. Der Schweizer wird sich am kommenden Sonntag steigern müssen, will er gegen Bayern-Star Franck Ribéry bestehen.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer