München - Viel Zeit, um sich einzugewöhnen, hat Wesley nicht gehabt. Der neue Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen musste bei seinen ersten Pflichtspielen für die Hanseaten gleich von Null auf Hundert durchstarten - erst der Nord-Süd-Gipfel beim FC Bayern München (0:0), dann der Champions-League-Auftakt gegen Tottenham Hotspur (2:2).

Im Spiel gegen den 1. FSV Mainz 05 am Samstag (ab 15 Uhr im Live-Ticker) steht der 23-Jährige, der mit vollem Namen Wesley Lopes Beltrame heißt, nun vor seinem Heimdebüt in der Bundesliga und kann sich den Fans der "Grün-Weißen" präsentieren.

Das Bauchkribbeln abgelegt

Positive Eindrücke hat der Brasilianer aber schon in seinen ersten beiden Partien für Werder hinterlassen. In den 69 Minuten gegen Bayern war Wesley schon sehr präsent, 42 Ballkontakte und von 30 Pässen kamen 90 Prozent erfolgreich beim Mitspieler an.

"Das ist schon etwas Besonderes, in einem solchen Spiel, in dem die Rivalität sehr groß ist, zu spielen", meinte Wesley nach seinem Debüt. "Aber ich habe mein Bauchkribbeln sehr früh abgelegt und dann auch nach hinten sehr gut mitgearbeitet."

Steigerung gegen Tottenham

In der Champions League steigerte er seine Leistung sogar noch. Mit 75 Ballkontakten war Wesley nach Clemens Fritz (89) am häufigsten von den Bremern am Ball, dazu schraubte er seine Zweikampfbilanz von mäßigen 29 Prozent gegen die Bayern auf sehr gute 69 Prozent.

Auch in der Offensive zeigte sich eine Steigerung. Wesley schlug drei Flanken in die Mitte, wobei eine Hereingabe das 1:2 durch Hugo Almeida vorbereitete. Damit leitete der Brasilianer die Aufholjagd der Hanseaten ein. Zudem hatte er gegen Tottenham erneut eine gute Passquote von 85 Prozent erfolgreicher Zuspiele.

Wesley braucht noch Zeit

Allerdings hat Wesley derzeit noch viel Arbeit vor sich, um in die Riege der eindrucksvollen Bremer Mittelfeldregisseure wie Johan Micoud, Diego oder zuletzt Mesut Özil aufgenommen zu werden. Denn der 23-Jährige stieß nach langen Transferquerelen mit seinem Ex-Club, dem FC Santos, erst Ende August zur Mannschaft und verpasste daher die gesamte Vorbereitung. Dies muss Wesley nun während der laufenden Saison aufholen.

"Körperlich fühle ich mich sehr gut", gab der Brasilianer gegenüber bundesliga.de zu verstehen, obwohl er in beiden bisherigen Partien nach nicht mal 70 Minuten ausgewechelt wurde. "Natürlich wird das Zusammenspiel leichter, je länger ich mit den Kollegen trainiere. Jeder Tag mit der Mannschaft hilft mir, mich besser zurecht zu finden."

Von der Bundesliga beeindruckt

Insbesondere auf die nächsten Partien in der Bundesliga freut sich der 23-Jährige: "Es ist schon eine große Umstellung zur brasilianischen Liga. Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Geschwindigkeit des Spiels. Die Mannschaften stehen in der Deckung auch sehr dicht beim Gegner, um bei einem Ballgewinn sehr schnell einen Konter einzuleiten. Diese Spielweise kommt mir sehr entgegen."

Dass er dabei auch Torgefahr ausstrahlt, zeigte Wesley bereits bei den Bayern. Zwei Torschüsse gab der Bremer ab, einen davon konnte Bayerns Holger Badstuber gerade noch abblocken. "Der Torwart hätte den Ball wohl nicht mehr gekriegt", sagte Wesley mit einem Lächeln. "Aber leider habe ich Badstuber angeschossen. Ich brauche noch etwas Geduld, dann wird so ein Schuss auch mal reingehen."

Jessica Pulter