München - Deutscher Meister SC Freiburg. Genauer gesagt, "Deutscher Laufmeister". Entgegen des allgemein verbreiteten Glaubens, dass Borussia Dortmund die Liga nicht nur punktemäßig, sondern auch läuferisch dominiert, stehen die Breisgauer im Laufstrecken-Ranking dieser Saison ganz oben.

Im Aufwand sind die Badener dem BVB ebenbürtig, was den Ertrag angeht, sieht es schon anders aus. Dortmund lief bisher am drittmeisten. Im Gegensatz zum SCF nutzt der BVB die abgespulten Kilometer viel effizienter. Die Mischung macht's: Viel laufen, im Idealfall belohnt werden, aber auch Kraft sparen, wenn es möglich ist.

Dortmund und Bayern legen los wie die Feuerwehr



Es steckt ein Plan dahinter. Und der lautet beim BVB im Regelfall: Auf sie mit Gebrüll! Denn die Elf von Trainer Jürgen Klopp startet meist furios und lässt nicht locker, kein Team lief von der 16. bis zur 30. Minute mehr. Die Belohnung: In dieser Phase trifft keine Mannschaft häufiger als der Meister - zehn Mal. Und wer den Gegner dermaßen beschäftigt, kann hinten entspannen. Nur zwei Dortmunder Gegentreffer während der ersten halben Stunde sind Ligabestwert. Ein Torverhältnis von 13:2 zeigt: Hier legt der Meister den Grundstein für viele Siege. Nur Freiburg lief in den ersten 30 Minuten mehr.

Der SCF, Bremen und Wolfsburg rennen sich zu Beginn des Spiels die Lunge aus dem Hals und schaffen den Top-Durchschnitt von 20,7 km in den Startminuten. Allerdings ohne echte Strategie. Die drei Teams kassieren viele frühe Gegentore. Bremen, die "Dreher-Könige" der Liga mit fünf Siegen nach Rückstand, kommen nach Wiederanpfiff zumindest fokussiert aus der Kabine. Keiner erzielt mehr Tore nach dem Seitenwechsel als der SVW.

Auch Dortmunds Konkurrenz macht zu Spielbeginn keine halben Sachen. Bayern Münchens Torverhältnis in den ersten 15 Minuten beträgt 12:3, zuletzt stand es auch schon 2:0. Die Weichen stehen dann schon früh auf Sieg - der FCB gewann alle 15 Spiele nach Führung. Der Rekordchampion ist in den ersten Spielminuten am "lauffreudigsten". Die Anführungszeichen deshalb, weil die Bayern von ihrer Spielanlage her lieber Ball und Gegner laufen lassen. In den absoluten Laufstrecken-Rankings liegen sie weit hinter Freiburg oder Dortmund auf Rang 16 - genauso wie in den ersten 15 Minuten des Spiels. Aber in diesem Spielabschnitt investieren sie mit 19,5 km im Schnitt dennoch am meisten. In punkto Aufwand und Ertrag ist der FCB unschlagbar: In der "echten" Tabelle steht der Club auf Platz 2.

"Club" dreht zum Schluss auf



Einen anderen Plan als die Spitzenteams verfolgt der 1. FC Nürnberg. Wenn anderen Teams am Ende des Spiels die Puste ausgeht, zapft der "Club" noch mal Reserven an. Nur Freiburg lief in den letzten 30 Spielminuten mehr als der FCN. Ein Gegenbeispiel ist Mainz 05. Am Ende präsentiert sich Thomas Tuchels Team laufschwach, spult als einziges Team im Schnitt unter 17 Kilometer herunter in der Schlussviertelstunde. Mainz kassierte in dieser Phase schon zwölf Gegentreffer, was Liga-Höchstwert bedeutet. Und in dieser Phase trafen die Nullfünfer erst drei Mal selbst - der zweitschwächste Wert. Die Nürnberger Taktik geht hingegen auf: 12 von 13 Toren in der zweiten Halbzeit erzielten die Franken in der halben Stunde vor Spielende, beispielsweise die späten Siegtore gegen Köln und .

Auch Kaiserslautern ist gegen Ende läuferisch stark - 18,6 km sind der drittbeste Wert in der Schlussviertelstunde - und fing sich nur einen einzigen Gegentreffer in der Schlussviertelstunde, was Ligabestwert bedeutet. Die Pfälzer sparen allerdings am falschen Ende für den Schlussspurt. In den ersten 15 Spielminuten, in denen der FCK läuferisch nur Rang 10 belegt, mussten sich die "Roten Teufel" bereits zehn Gegentore einstecken - so viele wie kein anderes Team. Auch Lautern müsste also seinen Kräftehaushalt überdenken. Ganz nebenbei: Das laufstärkste Team in den letzten 15 und 30 Minuten ist - natürlich - Freiburg.

Ob zu Spielbeginn, während der Partie oder in der Schlussphase: Der SC läuft und läuft, steht aber dennoch auf Tabellenrang 17. Zumindest in den letzten Spielen gab es für die Elf von Trainer Christian Streich auch Zählbares für den enormen Aufwand, und das sogar gegen Spitzenteams: Remis gegen Bayern und in Gladbach, ein Sieg gegen Schalke. Wenn der SCF seinen Einsatzwillen nun noch einen Tick effizienter nutzt, müssten noch ein paar Punkte mehr drin sein. Denn kurios wäre es schon, wenn ausgerechnet der "Deutsche Laufmeister" absteigt.

Christoph Gschoßmann