Nachdem Kunstschütze Christian Eichner mit seinem Traumtor den Weg aus dem Tief geebnet hatte, nahm Trainer Ralf Rangnick die Tabellenspitze ins Visier. "Das Traumtor von Christian war so etwas wie der Dosenöffner für uns", erklärte der Trainer der TSG 1899 Hoffenheim im Anschluss an das 3:0 (2:0) am 10. Spieltag im ersten Punktspiel-Duell gegen den 1. FC Nürnberg: "Wenn wir unter die ersten Fünf wollen, muss unsere Aufgabe nun sein, an einen Zwei-Punkte-Schnitt heranzukommen."

Die überaus ehrgeizigen Ziele Rangnicks, dessen Mannschaft nach zuletzt zwei Pleiten in Folge wieder ein Erfolgserlebnis feiern konnte, gerieten angesichts des spektakulären Treffers von Eichner aus über 30 Metern allerdings vollkommen in den Hintergrund. Nach der Partie waren in den Gängen der Rhein-Neckar-Arena nur noch die Begriffe "Tor des Monats" und "Tor des Jahres" zu hören.

"Von da darf man normal nicht schießen"

"Wenn ihr alle bei der Sportschau anruft, dann hat das Tor vielleicht ein Chance", sagte der überglückliche Eichner, der in der 34. Minute die Zuschauern in der ausverkauften Arena mit seinem Schuss in den Torwinkel in Ekstase versetzte, in Richtung der Journalisten: "Von da darf man normal gar nicht schießen. Da muss man alles Intelligente abgeben. Wenn ich das nochmal versuchen würde, würde der Ball wohl auf der Tribüne landen."

Für den in Sinsheim geborenen Eichner, der vor Saisonbeginn von Absteiger Karlsruher SC in seine Heimat gewechselt war und der nach wie vor sein Lehramts-Studium betreibt, war der erste Treffer im Trikot der Hoffenheimer aber nicht nur wegen der spektakulären Art und Weise etwas Besonderes.

Ibisevic hat sein Timing gefunden

"Ich hoffe, dieses Tor war ein Befreiungsschlag für mich in die richtige Richtung. Die ersten 100 Tage in Hoffenheim waren nicht immer einfach für mich. Ich bin zwar zu Einsatzzeiten gekommen, aber ich will natürlich mehr", meinte der Außenverteidiger, der nach seinem Interview-Marathon nur nach Hause wollte: "Ich bin froh, wenn ich wieder daheim bin."

Neben Eichner trafen Vedad Ibisevic (38.) und Franco Zuculini (64.) für die zu Hause weiter ungeschlagenen Hoffenheimer. Für beide Profis waren die Tore ähnlich wichtig wie für Eichner. "Ich merke einfach, dass ich mein Timing wieder habe", sagte Torjäger Ibisevic, der nach seinem überstandenen Kreuzbandriss sein viertes Saisontor erzielte.

"Aufgedreht wie ein HB-Männchen"

Seinen ersten Treffer in der Bundesliga überhaupt markierte der Argentinier Zuculini. "Der Stand kurz vor der Explosion. Das hat der Trainer gemerkt und ihn in der zweiten Halbzeit gebracht. Der war zuletzt im Training aufgedreht wie ein HB-Männchen. Von dem Jungen werden wir noch viel Positives sehen", lobte Eichner seinen Teamkollegen, der vom Verletzungspech Chinedu Obasis profitierte. Der Nigerianer musste mit Oberschenkel-Problemen ausgewechselt werden. Sein Einsatz im DFB-Pokal am Mittwoch gegen Zweitligist TuS Koblenz ist gefährdet.

Gefährdet dürfte der Arbeitsplatz von Nürnbergs Trainer Michael Oenning nicht sein. Obwohl der Club wieder auf einen Abstiegsrang gerutscht ist, zeigten die Franken über weite Strecken eine gute Partie und wurden am Ende unter Wert geschlagen. Das sah auch Oenning so: "Am Ende steht ein 0:3. Das akzeptieren wir. Aber mit unsere Spielanlage werden wir in anderen Spielen unsere Punkte holen."