Mit Pokal-Endspielen hat Frank Baumann Erfahrung. Drei Mal stand er im Finale in Berlin, zwei Mal, 2004 und 2009, durfte er anschließend jubeln. Das emotionalste Endspiel war wohl das im vergangenen Jahr: Nach seinem letzten Spiel für Werder nahm er als Spielführer den Pokal entgegen.

"Wenn man so einen Abschied ermöglicht bekommt", schwärmt Baumann, "dann ist das absolut traumhaft."

Im Interview mit bundesliga.de spricht der derzeitige Assistent des Geschäftsführers Profifußball bei Werder über das diesjährige Finale gegen den FC Bayern, die abgelaufene Saison und das Krisenmanagement der Bremer.

bundesliga.de: Herr Baumann, als Spieler standen Sie mit Werder Bremen drei Mal im Pokalfinale. Werden Sie denn das Finale am Samstag auch im Stadion verfolgen?

Frank Baumann: Ja, natürlich. In meiner neuen Tätigkeit seit Januar bin ich wieder relativ nah an der Mannschaft, bin bei den Spielen dabei und habe auch im Vorfeld einige organisatorische Dinge zu erledigen.

bundesliga.de: Ist das noch ein Problem: Tribüne statt Rasen? Oder haben Sie sich daran schon gewöhnt?

Baumann: Ich hatte jetzt schon eine komplette Saison Zeit, mich daran zu gewöhnen. Aber das war von Anfang an kein Problem, weil es eine bewusste Entscheidung war, diesen Weg zu gehen und ich mit meiner Fußballerlaufbahn abgeschlossen habe. Vom Kopf her habe ich das gut verkraftet und meine neue Rolle als Außenstehender sehr gut angenommen.

bundesliga.de: Zumal Sie einen perfekten Abschied als Profi hatten: In Ihrem letzten Spiel durften Sie den DFB-Pokal entgegennehmen.

Baumann: Das war natürlich ein extrem bewegendes Erlebnis. Solche Spiele wünscht man sich als Karriereabschluss: Einen Titel gewinnen - und dann auch noch in Berlin mit dieser tollen Atmosphäre. Dort ist es an sich schon immer ein besonderes Erlebnis, aber wenn man so einen Abschied ermöglicht bekommt, ist das absolut traumhaft.

bundesliga.de: Welche Erinnerungen haben Sie denn noch an letztes Jahr?

Baumann: Im Spiel selbst ist man noch sehr konzentriert. Aber speziell die Minuten und Stunden danach habe ich sehr genossen. Es war einfach eine schöne Erfahrung.

bundesliga.de: Sie standen mit Bremen drei Mal im Finale, Werder ist aber schon seit vielen Jahren mit die beste Pokalmannschaft. Woran liegt das?

Baumann: Ich glaube, dass wir den Pokalwettbewerb immer sehr ernst genommen haben. Es gab Zeiten, wo das nicht bei allen Vereinen der Fall war. Außerdem hilft auch das Wissen, dass Werder in den letzten Jahrzehnten im Pokal sehr erfolgreich war weiter und verleiht Glaube, dass man etwas Außergewöhnliches erreichen kann. Thomas Schaaf hat uns auch immer als gutes Beispiel gedient, er war als Spieler selbst sehr oft in Berlin. Er konnte den Spielern vor jeder Pokalrunde vermitteln, welche Freude man in Berlin erleben kann.

bundesliga.de: 2000 haben Sie in Ihrem ersten Pokalfinale gegen den FC Bayern verloren. Wie war das damals?

Baumann: 1999 hatte Werder überraschend im Elfmeterschießen den Bayern eine empfindliche Niederlage zugefügt. Das wollten die Bayern ein Jahr später nicht auf sich sitzen lassen. Wir waren zu der Zeit als Mannschaft nicht stark genug, um den Bayern Paroli zu bieten. Im Spiel waren wir richtig unterlegen und wir mussten neidvoll anerkennen, dass die Bayern an dem Tag besser waren. Finalniederlagen sind immer traurig, aber da wir deutlich unterlegen waren, war es letztlich nicht so dramatisch.

bundesliga.de: Wie sehen Sie die Chancen am Samstag? Werder war in der Rückrunde - vielleicht gemeinsam mit Stuttgart - die einzige Mannschaft, die den Bayern spielerisch auf Augenhöhe begegnen konnte.

Baumann: Wobei man schon sagen muss, dass die Bayern eine extrem gute Rückrunde gespielt haben, das muss man neidlos anerkennen. Sie stehen auch nicht zu unrecht im Champions-League-Finale und haben einen sehr guten Lauf. Ich glaube aber schon, dass wir von der Qualität der Mannschaft fast auf Augenhöhe mit den Bayern sind und vieles von der Tagesform abhängt. Wir haben durchaus das Potenzial, sie zu schlagen.

bundesliga.de: Werder hat nur eines der letzten 14 Spiele verloren und hat Platz 3 in der Bundesliga gesichert. Sind Sie mit der Saison zufrieden?

Baumann: Wenn wir das Pokalfinale gewinnen, sind wir sehr zufrieden. Wenn nicht, hätten wir auch eine ordentliche Saison gespielt. Aber vor dem letzten Spiel wollen wir eigentlich noch kein Fazit ziehen, weil viel davon abhängt. Wenn man einen Titel holt, war es für Werder eine sehr gute Saison.

bundesliga.de: Die Mannschaft hatte um den Jahreswechsel herum auch eine sportliche Krise. Ist der jetzige Erfolg wieder einmal der Beweis dafür, dass sich die Kontinuität in der Arbeit mit Thomas Schaaf auszahlt?

Baumann: Aus meiner Sicht schon. Wir hatten ab den letzten beiden Spielen vor der Winterpause eine schwierige Phase. Trotzdem haben wir die Ruhe bewahrt, der Trainer hat die Ruhe bewahrt, die Mannschaft hat konzentriert und hart weitergearbeitet. Da wird man dann oft belohnt. Es gibt ja andere Beispiele, wo man nicht die Ruhe hatte und hektische Aktionen gemacht hat. Das ist in den allermeisten Fällen weder kurz-, noch mittel- und langfristig hilfreich.

Das Gespräch führte Matthias Becker