Borussia Dortmund befindet sich weiter auf dem Vormarsch. Gegen den Karlsruher SC gelang den Westfalen mit dem 4:0-Erfolg der siebte Sieg in Folge. Damit ist die Qualifikation für das internationale Geschäft zum Greifen nahe.

Der 9. Mai 2009 wird also künftig in der 100-jährigen Vereinsgeschichte von Borussia Dortmund einen besonderen Platz einnehmen.

An diesem schönen Frühlingstag waren über 80.000 Zuschauer im Signal Iduna Park Augenzeuge, als die "Schwarz-Gelben" einen neuen Vereinsrekord aufstellten. Der 4:0-Heimsieg gegen den KSC war der siebte Bundesliga-Dreier am Stück. Das hatte Borussia Dortmund noch nie zuvor geschafft, auch nicht in den Meisterjahren 1995, 1996 und 2002.

Kapitän Kehl mahnt

"Es ist natürlich schön, einen Vereinsrekord aufzustellen, der vielleicht eine längere Zeit Bestand haben wird", freute sich Mannschaftskapitän Sebastian Kehl: "In die Geschichtsbücher einzugehen, ist etwas Besonderes. Und wir haben sogar noch die Möglichkeit, ihn zu vergrößern." Trotz aller Freude mahnte Kehl aber auch: "Auf der anderen Seite haben wir noch nichts erreicht."

Doch dank ihrer Siegesserie machen die Dortmunder enormen Druck auf die vor ihnen platzierten Clubs, am leicht kriselnden Hamburger SV sind sie schon vorbeigezogen. Und wenn die Saison nicht schon in drei Spieltagen vorbei wäre, würden sie rund um den Borsigplatz angesichts von nur noch fünf Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze vielleicht sogar von der Meisterschaft träumen.

"Entscheidendes Spiel gegen Wolfsburg"

Am kommenden Dienstag reisen die Borussen zum Tabellenführer VfL Wolfsburg, der zwei seiner letzten drei Spiele verlor und in Stuttgart gerade mit 1:4 unterging. "Das wird ein sehr schweres Spiel, denn der VfL hat nach der Pleite in Stuttgart etwas gutzumachen", warnt Sebastian Kehl vor den angeschlagenen "Wölfen".

"Das Spiel gegen Wolfsburg wird das entscheidende Spiel. Wenn wir das gewinnen, dann können wir von den Sternen träumen", blickt Dortmunds Torjäger Alexander Frei, der gegen den KSC seinen zwölften Saisontreffer markierte, fast schon poetisch anmutend voraus.

"Das Spiel gegen Wolfsburg wird ein Spitzenspiel. Darauf können sich auch die Fans freuen, und wir werden alles geben, um als Sieger vom Platz zu gehen", verspricht Borussias Kreativspieler Tamas Hajnal. Keine Frage, nach der Siegesserie strotzt der BVB vor Selbstvertrauen. Die Spieler sind heiß auf die kommenden Aufgaben in Wolfsburg, gegen Bielefeld und zum Saisonabschluss in Mönchengladbach. Dank des starken Endspurts ist die Qualifikation für die UEFA Europa League drin, vielleicht sogar noch mehr.

Fußball statt Mathematik

"Wir brauchen jetzt aber nicht rechnen, das wäre Schwachsinn. Wir haben das nächste Spiel beim Tabellenführer vor der Brust. Wir sind Fußballer und keine Mathematiker", warnt Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc frei nach Karl-Heinz Rummenigges legendärem Ausspruch "Fußball ist keine Mathematik".

Mannschaft und Trainer sind mit ihrer Methode, nur von Spiel zu Spiel zu denken, bislang gut gefahren. "Wir müssen die Spiele ausschließlich als Einzelstücke sehen. Das macht Sinn. So werden wir es weitermachen und schauen, was am Ende herauskommt. Kampfansagen wird es von uns nicht geben", gibt BVB-Trainer Jürgen Klopp die Marschroute vor.

Die Defensive steht

Dabei kann er sich momentan vor allem auf die Abwehr verlassen. Seit 440 Minuten ist die Borussia ohne Gegentor, insgesamt stellt Dortmund mit nur 33 Gegentreffern die zweitbeste Abwehr der Liga. "Wir bekommen auch in den Phasen, in denen es nicht so gut läuft, kein Tor", hat Dortmunds Außenverteidiger Dede erkannt.

"Mit der Zeit machen wir dann unser Tor. Das hat die Mannschaft gelernt. Jetzt ist alles möglich. Wir fahren ohne Angst aber mit Respekt nach Wolfsburg", sagt Dede. Die Bilanz spricht für die Westfalen. Bei elf Duellen in Wolfsburg gab es vier Borussen-Siege und nur drei Niederlagen ...

Aus Dortmund berichtet Tobias Gonscherowski